Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
27.10.25
GRUNDSATZFRAGE
26.10.25
MUTMAẞUNG
Wenn Gedanken sich finden und werden zu Worten,
die sich fügen zu Reimen an inneren Orten,
und wenn dann schlussendlich ein kleines Gedicht
zu euch aus Versen, aus Strophen spricht,
dann sagt ihr oft, — als ob‘s einer wüsst‘! —
mich hätte Erato, die Muse, geküsst.
©️ RKS 2018
GEDANKE IM ABENDSCHEIN
Wenn im trauten Abendschein
still mein Blick zum Himmel geht,
sprechen diese Augen mein
für Dich wortlos ein Gebet.
Ach, und wenn die Augen Dein
durch den Himmel geh‘n,
mög‘ ich eingeschlossen sein
in Dein liebend‘ Fleh‘n!
©️ RKS 2018
DICHTERWUNSCH
Ein Gedicht möcht‘ ich werfen, ganz kurz und prägnant,
worinnen der Sinn dieses Alls wird erkannt,
in welchem benannt sind die göttlichen Taten,
und außerdem sollte es jedem verraten
die Tiefe der Liebe, die ich für Dich spür‘ …
Das wünsche ich mir!
©️ RKS 1992
Das mit Abstand älteste Gedicht, das hier eingestellt ist. Es stammt aus den Anfangsjahren meiner lyrischen Versuche.
SPRACHPROBLEM
(Quatrain)
Neulich hat der Stachelrochen
mit dem Tigerhai gesprochen.
Worum es ging, kann ich nicht sagen;
ich muss den Babelfish mal fragen ...
© RKS 2015
AUF MEINER LIEBSTEN TOD IV
Oft gingen wir spazieren
dort an des Flusses Saum.
Im Sommersand Dich spüren
und lieben, welch ein Traum!
Wie still die Wasser rinnen
hin in das ferne Meer,
so eiltest Du von hinnen;
mein Leben wurde leer.
Nun herbstlich Winde klingen
in Bäumen über mir.
Ich weine leis, — ihr Singen
ist wie ein Gruß von Dir.
© RKS 2018
MYSTERIUM AUSTRALIS
Am Fuß des Berges Uluru
sitzt neben einem Kakadu
ein Rotes Riesenkänguru
und hält sich seinen Beutel zu.
Nun fragt man sich sofort, wozu
sitzt nun das Riesenkänguru
am Fuß des Berges Uluru,
und hält sich seinen Beutel zu?
Warum am Fuß des Uluru
das Rote Riesenkänguru
sich krampfhaft hält den Beutel zu,
das wissen weder ich noch Du!
© RKS 2019
WORTVERWANDT
Der Ast wächst seitlich am Baume.
Der Bast ist als Röckchen nicht trendig.
Das Fast ist zumeist unvollständig,
und der Gast reist nicht nur im Traume.
Die Hast hat es fast immer eilig.
Die Last ist meistens beschwerend.
Die Mast wirkt figürlich verheerend,
und die Rast ist dem Wanderer heilig.
©️ RKS 2017
ERLERNTES
Bin am Fluss
aufgewachsen.
Habe gelernt,
dass das Sein
teilnahmslos
an uns vorbeifließt.
Und wenn wir
uns zu weit
hineinwagen,
ertränkt es uns.
© RKS 2023
REDUKTION
DU - ICH - WIR
Du Ich Du Ich Du Ich Du
Ich Du Ich Du Ich Du Ich
Du Ich W I R Ich Du
Ich Du Ich Du Ich Du Ich
Du Ich Du Ich Du Ich Du
© RKS 2023
WALDESFRIEDEN
Süßer, stiller Waldesfrieden,
Sehnsuchtsort im Lärm der Zeit,
in dir kann aufs Neu’ ich spüren,
wie du auftust alle Türen
meiner Seele weit, so weit.
Golden glänzt auf deinen Pfaden
milden Lichtes holder Schein.
Abseits von den lauten Gassen
möchte neuen Mut ich fassen.
Flöß‘, ach, flöße ihn mir ein!
© RKS 2021
25.10.25
HERBSTVORSATZ
(Kreuzreime, Kadenz wechselt mit der Strophe)
R K *
Diese tiefe, dunkle Zeit. a m
zeigt uns allen Lebens Lauf; b m
Klage der Vergänglichkeit. a m
kommt ganz still im Herzen auf. b m
Sprossen, wachsen und verblühen, — c w
das beschreibt das Erdenleben. d w
Jenseits aller Sterne Glühen c w
sollten wir ein Sein erstreben! d w
© RKS 2020
* = R — Reim K — Kadenz
abab cdcd männlich/weiblich
AUF MEINER LIEBSTEN TOD I
Du bist heut‘ so still verschieden.
Ach, mein Herz ist gramerfüllt,
findet Ruhe nicht, noch Frieden,
nichts, was diesen Kummer stillt.
Es durchbittert mir den Sinn,
dass ich ohne Dich nun bin.
Tränen netzen mir die Wange,
da ich weine heiß und lange.
© RKS 2018
UNÜBERWINDLICH
(Vierzeilig, 6 Strophen, umarmende Reime, durchgehend stumpfe Kadenz)
Mein Herze, wank‘ und zage nicht,
ob tausend Wolken zieh‘n daher,
ob stürmisch braust das wilde Meer, —
sei Du der Fels, der Wogen bricht!
Oh Herz, sei ruhig, denn Du trägst
in Dir ja beides, Schmerz und Glück,
selbst wenn ein wütendes Geschick
Dich trennt von ihr, für die Du schlägst!
Wie weit entfernt sie immer sei,
sie bleibt Dein einzig Glück, Dein Gut,
und weil Dir eigen starker Mut,
bricht Dich kein Schicksal je entzwei.
Auf ewig wird sie in Dir sein
in Schmerz und Glück, in Leid und Lust,
selbst wenn Du alles lassen musst, —
ihr gilt Dein Pochen ja allein.
Drum, Herze, schlag‘ nur froh und leicht,
selbst wenn der Himmel dunkel wär‘,
wenn um Dich brüllt’ der Hölle Heer, —
Du bist der Fels, der niemals weicht!
Durch Deiner Liebe Macht allein
wirst Du für alle Ewigkeit,
in allem Glück und jedem Leid,
allzeit unüberwindlich sein.
© RKS 2018
VATERSEGEN
EXISTENZ
Streichend über
das Tuch der Zeit
lebe ich
im Auf und Ab
folge stetig
den Streifen der Tage
und blicke
im Keller der Seele
auf den losen
Ballen der Unendlichkeit
© RKS 2023
24.10.25
GEDANKEN ZUR NACHT
TREIBGUT II
Laute umherirrend
durchs Wortmeer treibend
als Stammeln angeschwemmt
am Gedankenstrand
©️ RKS 2025
CHERCHEUR
tief in mir
forsche ich
nach sprache
der heimstatt für
all die gedanken
für das ungesagte
und das unsagbare
das in mir wuchert
muss suchend
im exil leben
wie lange wohl
die worte mir
noch asyl gewähren
© RKS 2023
TERRA NULLIUS
Jenseits aller Grenzen Strich,
wohin je er auch entwich,
fand er ausgestoßen sich.
Stets jagte ihn ein jeder fort,
keiner fand ein gutes Wort,
nirgends war ein sich‘rer Ort.
Aus allen Landen nur verbannt,
hat in die Seel‘ sich eingebrannt:
Heimat, — für mich ein Niemandsland!
© RKS 2024