27.10.25

GRUNDSATZFRAGE

 

Durchs Leben treiben
An Worten sich reiben
Das Wenige schreiben

— doch was wird bleiben?

©️ RKS 2022

26.10.25

MUTMAẞUNG

 

Wenn Gedanken sich finden und werden zu Worten,

die sich fügen zu Reimen an inneren Orten,

und wenn dann schlussendlich ein kleines Gedicht

zu euch aus Versen, aus Strophen spricht,

dann sagt ihr oft, — als ob‘s einer wüsst‘! —

mich hätte Erato, die Muse, geküsst.


©️ RKS 2018 

GEDANKE IM ABENDSCHEIN

 

Wenn im trauten Abendschein
still mein Blick zum Himmel geht,
sprechen diese Augen mein
für Dich wortlos ein Gebet. 


Ach, und wenn die Augen Dein
durch den Himmel geh‘n,
mög‘ ich eingeschlossen sein
in Dein liebend‘ Fleh‘n! 


©️ RKS 2018 

DICHTERWUNSCH

 

Ein Gedicht möcht‘ ich werfen, ganz kurz und prägnant,

worinnen der Sinn dieses Alls wird erkannt,

in welchem benannt sind die göttlichen Taten,

und außerdem sollte es jedem verraten

die Tiefe der Liebe, die ich für Dich spür‘ …

Das wünsche ich mir!


©️ RKS 1992 



Das mit Abstand älteste Gedicht, das hier eingestellt ist. Es stammt aus den Anfangsjahren meiner lyrischen Versuche. 

SPRACHPROBLEM

 (Quatrain)


Neulich hat der Stachelrochen
mit dem Tigerhai gesprochen.
Worum es ging, kann ich nicht sagen;
ich muss den Babelfish mal fragen ...


© RKS 2015 

AUF MEINER LIEBSTEN TOD IV

 

Oft gingen wir spazieren
dort an des Flusses Saum.
Im Sommersand Dich spüren
und lieben, welch ein Traum!


Wie still die Wasser rinnen
hin in das ferne Meer,
so eiltest Du von hinnen;
mein Leben wurde leer. 


Nun herbstlich Winde klingen
in Bäumen über mir.
Ich weine leis, — ihr Singen
ist wie ein Gruß von Dir.


© RKS 2018 

MYSTERIUM AUSTRALIS

 

Am Fuß des Berges Uluru
sitzt neben einem Kakadu
ein Rotes Riesenkänguru
und hält sich seinen Beutel zu.  


Nun fragt man sich sofort, wozu
sitzt nun das Riesenkänguru
am Fuß des Berges Uluru,
und hält sich seinen Beutel zu? 


Warum am Fuß des Uluru
das Rote Riesenkänguru
sich krampfhaft hält den Beutel zu,
das wissen weder ich noch Du!


© RKS 2019

WORTVERWANDT

 

Der Ast wächst seitlich am Baume.
Der Bast ist als Röckchen nicht trendig.
Das Fast ist zumeist unvollständig,
und der Gast reist nicht nur im Traume.

Die Hast hat es fast immer eilig.
Die Last ist meistens beschwerend.
Die Mast wirkt figürlich verheerend,
und die Rast ist dem Wanderer heilig. 

©️ RKS 2017 

ERLERNTES

 

Bin am Fluss

aufgewachsen. 

Habe gelernt, 

dass das Sein

teilnahmslos

an uns vorbeifließt. 

Und wenn wir

uns zu weit

hineinwagen,

ertränkt es uns. 


© RKS 2023 

REDUKTION

 

: Allerlei 

lässt sich reduzieren auf 

: Vielerlei

und ist letztendlich

: Einerlei 


©️ RKS 2023

DU - ICH - WIR

 

Du Ich Du Ich Du Ich Du

Ich Du Ich Du Ich Du Ich

Du Ich      W I R     Ich Du

Ich Du Ich Du Ich Du Ich 

Du Ich Du Ich Du Ich Du


© RKS 2023 

WALDESFRIEDEN

 

Süßer, stiller Waldesfrieden,
Sehnsuchtsort im Lärm der Zeit,
in dir kann aufs Neu’ ich spüren,
wie du auftust alle Türen
meiner Seele weit, so weit. 


Golden glänzt auf deinen Pfaden
milden Lichtes holder Schein.
Abseits von den lauten Gassen
möchte neuen Mut ich fassen.
Flöß‘, ach, flöße ihn mir ein!


© RKS 2021

25.10.25

HERBSTVORSATZ

 (Kreuzreime, Kadenz wechselt mit der Strophe)

                                                                   R   K *

Diese tiefe, dunkle Zeit.                           a   m
zeigt uns allen Lebens Lauf;                   b   m
Klage der Vergänglichkeit.                      a   m
kommt ganz still im Herzen auf.             b   m


Sprossen, wachsen und verblühen, —   c   w
das beschreibt das Erdenleben.             d   w
Jenseits aller Sterne Glühen                    c   w
sollten wir ein Sein erstreben!                 d   w


© RKS 2020



* =  R — Reim   K — Kadenz

        abab cdcd   männlich/weiblich

AUF MEINER LIEBSTEN TOD I

 

Du bist heut‘ so still verschieden.

Ach, mein Herz ist gramerfüllt,

findet Ruhe nicht, noch Frieden,

nichts, was diesen Kummer stillt. 


Es durchbittert mir den Sinn,

dass ich ohne Dich nun bin.

Tränen netzen mir die Wange,

da ich weine heiß und lange.


© RKS 2018 

UNÜBERWINDLICH

 (Vierzeilig, 6 Strophen, umarmende Reime, durchgehend stumpfe Kadenz)


Mein Herze, wank‘ und zage nicht,

ob tausend Wolken zieh‘n daher,

ob stürmisch braust das wilde Meer, — 

sei Du der Fels, der Wogen bricht!


Oh Herz, sei ruhig, denn Du trägst

in Dir ja beides, Schmerz und Glück,

selbst wenn ein wütendes Geschick

Dich trennt von ihr, für die Du schlägst!


Wie weit entfernt sie immer sei,

sie bleibt Dein einzig Glück, Dein Gut,

und weil Dir eigen starker Mut,

bricht Dich kein Schicksal je entzwei. 


Auf ewig wird sie in Dir sein

in Schmerz und Glück, in Leid und Lust,

selbst wenn Du alles lassen musst, —

ihr gilt Dein Pochen ja allein. 


Drum, Herze, schlag‘ nur froh und leicht, 

selbst wenn der Himmel dunkel wär‘,

wenn um Dich brüllt’ der Hölle Heer, —

Du bist der Fels, der niemals weicht!


Durch Deiner Liebe Macht allein

wirst Du für alle Ewigkeit,

in allem Glück und jedem Leid,

allzeit unüberwindlich sein. 


© RKS 2018

VATERSEGEN

 

Die Tage gehen rasch zu Ende,
die Zeit rast schneller als man glaubt. 
Ich lege segnend meine Hände
dir auf das jugendliche Haupt. 

Bei dir sind in den künft‘gen Tagen
das Herz und die Gedanken mein. 
Es mag im Leben manches Fragen
auf Dauer ohne Antwort sein. 

Dann suche, sie in dir zu finden;
du gibst dem Leben seinen Sinn. 
Und will die Klarheit sich entwinden,
dann nimm es manchmal einfach hin. 

Ich lege segnend meine Hände
dir auf das jugendliche Haupt. 
Mein Sommertag ist längst zu Ende,
mein Lebensbaum steht bald entlaubt. 

© RKS 2019 

EXISTENZ

 

Streichend über

das Tuch der Zeit

lebe ich

im Auf und Ab

folge stetig

den Streifen der Tage

und blicke

im Keller der Seele

auf den losen

Ballen der Unendlichkeit


© RKS 2023 

24.10.25

GEDANKEN ZUR NACHT

 

Sollte ich der 
Liebe nicht würdig sein,
so verzeiht mir!

Die Welt ist da,
und Myriaden Sterne. 
Und ich. 

Sollte ich den
Hass verdienen,
so vergebt mir!

Die Welt ist da,
und Myriaden Sterne. 
Und ihr. 

Liebe und Hass,
Würde und Verdienst?

Die Welt ist da,
und Myriaden Sterne. 
Und wir. 

© RKS 2024

TREIBGUT II

 

Laute umherirrend

durchs Wortmeer treibend

als Stammeln angeschwemmt

am Gedankenstrand


©️ RKS 2025 

CHERCHEUR

 

tief in mir 

forsche ich 

nach sprache

der heimstatt für

all die gedanken 

für das ungesagte

und das unsagbare

das in mir wuchert 


muss suchend 

im exil leben

wie lange wohl

die worte mir 

noch asyl gewähren


© RKS 2023 

FRÜHSOMMER

 (Haiku) 


Blühendes Rapsfeld

lässt mein Herz im Innersten

glücksgelb aufleuchten


© RKS 2023 




TERRA NULLIUS

 

Jenseits aller Grenzen Strich,

wohin je er auch entwich,

fand er ausgestoßen sich. 


Stets jagte ihn ein jeder fort,

keiner fand ein gutes Wort, 

nirgends war ein sich‘rer Ort. 


Aus allen Landen nur verbannt, 

hat in die Seel‘ sich eingebrannt:

Heimat, — für mich ein Niemandsland!


© RKS 2024