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19.6.26

DER GRUFO

 

Der Grufo empft dux Wolgehurz

und astert urpfig blose.

Die Polke lüdert schwiebelknurz,

und pluckert eine Krose.


Da glurrt der Grufo föndelquilt,

ihm zwollt der Kümmy tranze,

doch ist die Polke omfestrillt,

und dregt sich omm die Klanze.


Dem Grufo glötzt der Knokus grim,

die Polke znirft den Krubel,

da walkt das Schnicker prödel flim, —

und Grufo glynzt der Schnubel.


©️ RKS 2022 


15.5.26

KUNSTFRAGE

 (kann Einstein zugeschrieben werden)


Lächelt die Mona Lisa

auch nachts, wenn der

Louvre geschlossen hat,

also definitiv keiner hinsieht?


©️ RKS 2026 


24.4.26

PREMIERE

 

An einem Strande nah bei Kiel

Fritz Trauer in die Ostsee fiel. 

Das war, von Fällen ohne Zahl,

der erste Kieler Trauerfall. 


©️ RKS 2026 


23.4.26

KONSEQUENZ

 
In Anzing, Dachau und in Dorfen
hat früher Mäuler man geworfen. 
Dann gab es dabei einen Toten. 
Seitdem ist MAULWURF streng verboten. 

©️ RKS 2017 

1.4.26

15.2.26

DUBITO

 

Ich sing‘ (die Noten ausgedruckt)

das „Dreimal Sanctus“ fromm und frei,

als plötzlich Zweifel mich durchzuckt, 

ob ich genügend heilig sei …


©️ RKS 2026 

27.1.26

WINTERLICHES GEDICHT

 

Ich sitze da und warte. 

Warte der Worte wegen. 

Doch es scheint umsonst,

sie kommt und kommt nicht. 

Was soll ich ohne sie schreiben? 

Dichter, so sagt man, seien

darauf angewiesen, dass 

die Muse sie küsst. 


Aufgrund der Witterung 

kommt es bundesweit

zu Verspätungen und Zugausfällen. 


Ach, deshalb!

Na, dann eben morgen. 


©️ RKS 2026 


17.12.25

WARNZEICHEN

 

Der Hosenträger klemmt am Bund.

Der Gürtel liegt auf diesem rund.

Sie sollen Wirkung dort entfalten, 

damit des Menschen Hosen halten.


Doch nur der Gürtel ganz allein 

lässt sich auch and'ren Zwecken weih'n:

An ihm lässt sich in Krankheitstagen 

ein Zeichen für das Leiden tragen.


Der Patient trägt an der Hose 

dann warnend eine Gürtelrose.


©️ RKS 2017 



6.12.25

YNDYSCH

 

Schon als kleyne Kynder
essen vyele Ynder
weder Kyh' noch Rynder;
man sagt, das sey gesynder.

Doch mampfen dye Schlawyner
ohne Skrupel Hyhner.
Und auch fryscher Fysch
landet auf dem Tysch. 

Gemyse, sagen Ynder,
sey aber noch gesynder.
Drum essen sye myt Grynsen
Erbsen, Bohnen, Lynsen ... 

©️ RKS 2017 


21.11.25

VORSORGLICH

 

Oft hört man in den Pyrenäen 

die Schafe auf den Matten mähen. 

Dort kann man aber auch entdecken, 

wie Ziegen meckernd Mäuler lecken. 

Es lässt der Krach von Ziegen, Schafen,

den armen Wandersmann nicht schlafen. 

Die Basken tragen drum nebst Mützen

auch Stöpsel, die die Ohren schützen. 


©️ RKS 2019

16.11.25

RÜCKSICHTSVOLL

 

Der Balzgesang der Hornagamen

bleibt lautlich in sehr engem Rahmen.

Sein strenges Pianissimo

macht lärmsensible Wesen froh. —

Sie werden kaum bis nie gestört,

weil man so gut wie gar nichts hört.


©️ RKS 2021

15.11.25

HERBSTPHANTASIE

 

Lange Nächte, wirre Träume, 

bunte Blätter, kahle Bäume, 

Krähen krächzen hinter Steinen, 

fahle Wesen mit drei Beinen 

und fünf Armen dort im Nebel, 

jemand drückt auf einen Hebel, 

und ich stürz' ins Bodenlose.

Blut strömt aus der Zuckerdose, 

tote Augen dort im Keller, 

alles dreht sich, immer schneller, 

schwarze Angst tropft von den Wänden.

Nebel nagt an meinen Händen, 

Grau hüllt alles Leben ein, 

plötzlich bin ich schrecklich klein, 

Kälte greift nach meiner Seele, 

etwas fasst an meine Kehle.

Eig’ne Stimme klingt erst laut, 

dann, als hätt' man umgebaut, 

plötzlich wie aus weiter Ferne.

Mond ist rot, und blau die Sterne, 

Himmel, Wolken, alles wirr. 

Als ich mich im Wald verirr',

kann ich voll Entsetzen hören, 

wie es kichert hinter Föhren, 

ächzt und stöhnt dort bei den Buchen, 

panisch meine Augen suchen 

einen Weg, um zu entweichen 

dem Geheule bei den Eichen.

Ist da nicht ein grauses Wittern?

Ach, es schüttelt mich ein Zittern, 

fühle mich gejagt, gehetzt ....

Nun zwing' ich mich ins Hier und Jetzt, 

wo ich Blick und Traum entwirre ...

Der November macht mich kirre!


©️ RKS 2017



12.11.25

WEIMARER NÄCHTE

 

Der Dichter sprach: Dies ist ein Gleichnis!
An sich ist Käse kein Ereignis,
doch wer nie sein Brot mit Käse aß
nach einer dieser Hungernächte,
in denen man vor‘m Kühlschrank saß,
— ein Schelm, der Böses dabei dächte! —
und griff nach Gürkchen schon am Morgen, 
— na, der hat vermutlich andre Sorgen! 

©️ RKS 2019 



2.11.25

MIR WIRD‘S ZU BUNT

 

Ich sehe heute schöne Dinge:

Am Himmel grüne Pfifferlinge, 

im Teiche schwimmt ein weißes Rind, 

im Stalle muht das Schwanenkind, 

dort drüben fliegt ein blaues Schaf, 

die Krähe singt sich in den Schlaf, 

ein gelber Hund kommt aus der Schule, 

der Adler wälzt sich in der Suhle, 

dieweil der Keiler krächzend fliegt, 

ein Kaulbarsch auf der Wiese liegt, 

wo er gemütlich wiederkäut ...


Mir schwant allmählich, dass ich heut', 

als morgens ich mein Müsli aß, 

dann wohl „die Arzeney" vergaß.


Die Bilder werden so extrem 

nur, wenn ich keine Pillen nehm'!


RKS 2019

30.10.25

RINGBAHNMALAISE

 (in Berlin)


Bin jetzt viermal
in Gesundbrunnen
ausgestiegen, —
und immer noch erkältet!

©️ RKS 2021 

26.10.25

SPRACHPROBLEM

 (Quatrain)


Neulich hat der Stachelrochen
mit dem Tigerhai gesprochen.
Worum es ging, kann ich nicht sagen;
ich muss den Babelfish mal fragen ...


© RKS 2015 

MYSTERIUM AUSTRALIS

 

Am Fuß des Berges Uluru
sitzt neben einem Kakadu
ein Rotes Riesenkänguru
und hält sich seinen Beutel zu.  


Nun fragt man sich sofort, wozu
sitzt nun das Riesenkänguru
am Fuß des Berges Uluru,
und hält sich seinen Beutel zu? 


Warum am Fuß des Uluru
das Rote Riesenkänguru
sich krampfhaft hält den Beutel zu,
das wissen weder ich noch Du!


© RKS 2019

15.10.25

REZEPT ZUM ENTSCHLUMMERN

 

Knöpf’ die Müdigkeit in den Pyjama,

schalt‘ das Singen in dir aus,

klapp‘ es zu, das Seelendrama,

hol‘ die Schnecke aus dem Haus!


Fahr‘ die Augenjalousien runter,

sperr‘ das Mondlicht in den Schrank,

tauch‘ im dunklen Zimmer unter

oder sage, du seist krank!


Zähl‘ die Schafe und die Ziegen,

spiele nicht mehr mit dem Hund,

lass‘ die Schmetterlinge fliegen

und denk‘ alle Ecken rund!


Stell‘ dir vor, du lutschst an Seife

und der Schaum schmeckt wie Gemüs‘,

bind’ den Schlaf wie eine Schleife

um die Händ’ dir und die Füß‘!


Höre auf mit deinem Zittern,

mach‘ die Augen einfach zu,

lass‘ die Träume in dir schlittern

und denk‘ an die blinde Kuh!


Kriech‘ in eine kleine Kiste,

stopfe sie mit Watte aus,

schreibe keine lange Liste,

sondern denk‘ an eine Maus!


©️ RKS 2020