Des Käuzchens Ruf bei Nacht
vom Schatten naher Bäume,
schleicht sich ganz zart und sacht
in meine wilden Träume.
Er setzt mein Herz gefangen,
raubt keck mir jede Ruh‘:
An einer soll ich hangen,
und das bist Du, nur Du!
©️ RKS 2026
Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
Des Käuzchens Ruf bei Nacht
vom Schatten naher Bäume,
schleicht sich ganz zart und sacht
in meine wilden Träume.
Er setzt mein Herz gefangen,
raubt keck mir jede Ruh‘:
An einer soll ich hangen,
und das bist Du, nur Du!
©️ RKS 2026
Ich ahne es: Nichts hat Bestand,
nicht Erd‘ noch Lüfte, Meer und Sand.
Das Gestern still und heimlich schwand,
das Morgen muss erst werden.
Das Heute ist der Flecken Land,
der aufragt aus der Flut der Zeiten.
Die Stunde eilt, die Tage schreiten,
ich fühl‘ das Leben mir entgleiten,
verrinnen meine Zeit auf Erden …
Ich bin gewiss: Nichts hat Bestand!
©️ RKS 2026
* Alles ist vergänglich
Осип Эмильевич* hat sie
wenigstens niedergeschrieben
und ich habe keine Надежда**
meine inexistenten Gedichte
auswendig zu lernen
sie der Nachwelt zu bewahren
da ich sie nicht zu Papier bringe
aber ich werde auch
nicht verfolgt
©️ RKS 2026
* Ossip Emiljewitsch (Vorname und Vatersname von Ossip Mandelstam)
** Nadeshda (Vorname seiner Frau), bedeutet: Hoffnung
Der Wind treibt
Nachtwolken dahin.
In einer Lücke dazwischen
glänzt silbern eine Sichel.
Licht tropft leise
herab, rinnt still
in meine Seele.
Weder Wind noch
Wolken bemerken es.
©️ RKS 2026
Das Leben birgt vieltausend Fragen,
Geheimnisse, von Gott gestellt.
Zu lösen gilt‘s in unsern Tagen
das größte Rätsel dieser Welt.
Doch — wenn wir lieben, küssen, singen,
dann mag‘s gelingen!
©️ RKS 2026
Es kostete ihn
viel Zeit und Abwägung,
endlich zu entscheiden,
was selbst am helllichten Tag
besser im Dunkeln bleibt,
und was auch in der Nacht
nicht ans Licht kommen soll.
©️ RKS 2026
Aus unseren Augen
leuchtet die Nacht.
Wie letzter Dämmer
auf herbstlichen Beeren
quillt sie herab.
Der Himmel ist unsere Heimat,
die Straßen sind unser Raum.
Neue Nachrichten flüstert
uns der Wind entgegen,
und nimmt unsere Lieder mit.
In unsere Hände
schmiegt sich die Nacht,
ihre Kinder zu trösten,
das Leid zu bedecken,
und all unser Dunkel
still fortzutragen.
©️ RKS 2026
* Unsere Mutter
Im jungen Licht vor mir das Land,
sich dehnend bis zum Himmelsrand,
mit Vogelliedern reich beschenkt,
die Wiesen satt und taugetränkt,
die Äcker goldnen Wogen gleich,
der Wind voll Duft, die Luft so weich,
bald geht die Sonne strahlend auf,
und neu beginnt des Tages Lauf …
©️ RKS 2019
Mich dünkt, es singt der Engelchor,
des Leids mich zu entheben,
und ruft aus Tiefen selbst empor
mein innerstes Erleben.
©️ RKS 2026
* Horch!
Rasch nähert sich die Abendzeit,
da sich der Tag entfernt.
Zur Nacht sinkt ein die Dunkelheit,
und zeigt sich reich besternt.
©️ RKS 2026
* Wechsel
Der Raum geht, weitet sich, expandiert.
Die Zeit vergeht, verdichtet sich, kontrahiert.
Und ich bin an beide gebunden.
Wen wunderte da meine Zerrissenheit?!
©️ RKS 2025
Ich bin irgendwer,
der irgendwo
irgendwem Verse
für irgendwen aufschreibt,
die irgendwie
auf irgendwas hindeuten,
das irgendwann
passieren könnte.
©️ RKS 2026
noch immer
dieses helle Lachen
die Schaukel
die Wippe
die Rutsche
nur die Haare
sind jetzt grau
irgendein Griesgram
ruft die Polizei
Spielverderber
©️ RKS 2026
längst ist unsere
Arche auf Grund
gelaufen kein Rabe
keine Taube nur
glühende Sonne seit
ungezählten Tagen die
Menschen ertrinken jetzt
woanders aber nun
verhungern verdursten verrecken
tun stets genug
und viele halten
das für normal
©️ RKS 2026
oberhalb
des Friedhofs grasen
friedlich Kühe ungestört
vom gleichmäßigen Drehen
der Windräder wandert
mein Blick immer
wieder verstohlen zu
dir
©️ RKS 2026