Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
31.5.26
ÜBER MATERIE
19.5.26
POÈME HUMAIN
Lass mich
dich lesen Silbe
für Silbe und
Wort für
Wort mit
meiner Seele
dich auswendig
lernen wie
ein Gedicht
© RKS 2024
ÜBERALL
(Frieden gesucht)
überall da wo
kein gefühl und wo
kein gespräch wo
kein miteinander wo
kein sinn ist
und überall dort wo
ein ausgrenzen wo
ein totschreien wo
ein gegeneinander wo
ein hass ist
genau da hört
der frieden auf
der mensch fängt an
sein menschsein zu
: vergessen
©️ RKS 2024
15.5.26
KUNSTFRAGE
(kann Einstein zugeschrieben werden)
Lächelt die Mona Lisa
auch nachts, wenn der
Louvre geschlossen hat,
also definitiv keiner hinsieht?
©️ RKS 2026
8.5.26
KOSTBARER FUND
Das Schatzkästlein
Neulich stieß ich auf einem Dachboden auf einen kleinen Behälter mit Klappdeckel, der aus poliertem Buchholz gefertigt war, und in ungelenker Schrift die Bezeichnung „Schatzkästlein“ aufwies. Der Inhalt schien mir so kurios wie wertvoll. Das Behältnis enthielt allerlei Bemerkenswertes:
Die getrocknete Essenz eines Traumes, und die Eierschalen eines längst wiedergeborenen Phoenix, das verwelkte Kelchblatt einer Kompassrose und die abgerissene Gürtelschlaufe von einer Wasserhose.
Weiters das kleine Bruchstück eines versteinerten Blickes, das gebrauchte Hufeisen eines Kentauren, sowie den kurzen Rest eines Gesprächsfadens.
Dann fand sich noch das unterste Steinchen eines Hochgebirges, der abgebrochene Fingernagel einer Oberhand und das Zepter eines Zaunkönigs, neben Hornspänen vom Minotaurus, fünf Haaren aus einem Feuerschweif, sowie eine Taschenuhr, die zu Sternstunden schlägt.
©️ RKS 2026
7.5.26
DIE GESCHICHTE DER WELT III
Halittar Duniya
Und das Wort schied nun die Wasser der Höhe von den Wassern der Tiefe, dass beide ihren Ort haben sollten.
Der Geist des Wortes, welcher Wort war, sprach zu den Wassern der Tiefe: „Fließt und sammelt euch an Orten, die ich euch zeige, damit man das Feste sehe!“ Und so versammelten sich die Wasser zum Meer, und noch immer eilen Flüsse dorthin. Wo aber die Wasser wichen, zeigte sich das Feste, das noch seines Namens harrte, welches wir heute Land nennen.
Abermals befahl das Wort, und die Inseln der Welt erhoben sich aus dem Meer, und die Winde, welche das Wort rief, erhoben sich, und trockneten lobsingend das Land.
Und der Geist des Wortes, welcher Wort war,
sprach zu verschiedenen Inseln: „Fahret dort gegen das Feste, und drängt es zurück!“ Also geschah es, und sie fuhren gegen das Feste bis ihnen das Wort Einhalt gebot. Und es falteten sich gewaltige Gebirge auf, die aller Kreatur die gewaltige Macht des Einzigen, Ewig-Ungenannten zeigen sollten.
Wiederum sprach der Geist des Wortes, welcher selbst Wort war, zu dem Festen: „Tue da und dort deine Haut auf, und lass dein Innerstes herausfließen!“ Also geschah es, und mit großem Donnern tat sich das Feste auf, und sein Innerstes floss rot wie Blut heraus, und verbrannte, was ihm im Wege stand. Doch alsbald erstarrte es, und türmte sich zu rauchenden Bergen auf.
Zu den Flüssen aus den Wassern der Tiefe sprach der Geist des Wortes, der Wort war: „Macht euch auf, und ritzt tiefe Kerben in das Feste, und tragt Erde fort mit euch, dass fruchtbares Land entstehe!“ Und also geschah es, dass Flüsse das Feste kerbten, selbst durch Berge schnitten, und fruchtbare Erde mit ihren Fluten überallhin trugen. Die mächtigsten unter ihnen schoben ihre Last bis weit in das Meer hinein.
Der Geist des Wortes, der selbst Wort war, sprach: „Das Feste lasse erstehen allerlei Bewuchs, kleinen und großen, der aus sich heraus Frucht trägt, und Samen in sich birgt!“ Und also geschah es, denn nichts kann dem Wort des Einzigen, Ewig-Ungenannten, und seinem Geist, der selbst das Wort ist, widerstehen.
Und abermals sprach der Geist des Wortes, welcher selbst Wort war: „In den Wassern der Tiefe, und auf dem Festen und den Lüften über dem Festen, bilde sich allerlei Getier, groß und klein, ein jedes nach seiner Art, welche fruchtbar seien und sich vermehren mögen!“ Und also geschah auch dies, da es der Wille des Einzigen, des Ewig-Ungenannten war.
Anmerkung des Übersetzers:
„Halittar duniya“
bedeutet in etwa ‚Die Erschaffung der Erde (oder Welt)‘.
Es ist teils schwierig, die volle Bedeutung der Worte in der Ersten (oder Alten) Sprache wiederzugeben, da sie seit ,Whakararuraru‘, der „großen Verwirrung“ nicht mehr gesprochen wird. Bei vielem ist der Übersetzer auf Vermutung und Intuition angewiesen, was seine Arbeit anfällig macht für Fehler. Das möge der Leser beachten.
©️ RKS 2026
DIE GESCHICHTE DER WELT II
Der Einzige, der Ewig-Ungenannte, sprach zum Geist des Wortes, welcher selbst Wort war: „Teile mein Licht!“ Und es erschien ein großes Licht, das durch die noch formlose Welt eilte. Und so schied das Wort Dunkel und Licht.
Da teilte der Geist des Wortes, welcher selbst Wort war, das Licht des Einzigen, Ewig-Ungenannten, in das Licht der Höhe und das Licht der Tiefe. Und er sprach: „Das Licht der Tiefe sei ein Abbild des Lichtes der Höhe, welches das wahre Licht des Einzigen, Ewig-Ungenannten, ist, das niemand durchdringen und ergründen kann!“ Da begann das Licht der Tiefe zu leuchten wie das Licht der Höhe, jenes Licht des Einzigen, des Ewig-Ungenannten, das seit jeher leuchtete.
Der Geist des Wortes, welcher selbst Wort war, schuf einen großen Fels, warf ihn machtvoll in die Höhe und befahl ihm, dort zu bleiben, damit er das Licht der Nacht werde.
Er schied die Lichter der Tiefe in das Licht des Tages und das Licht der Nacht. Und damit der Fels des Nachts nicht alleine war, gesellte er ihm die Sterne zu, dass sie ihm von der Ferne des Tages den Weg wiesen, denn sie zählten zu den Lichtern des Tages, und sollten Nacht und Tag verbinden, wie das Licht der Höhe mit dem Einzigen, Ewig-Unbenannten, von Anfang an verbunden war.
Und an das Licht der Tiefe band das Wort das Wesen der Zeit, dass man am Lauf des Lichtes zugleich den Strom der Zeiten erkennen sollte. Dem Tag und der Nacht entfließt die Zeit, und am Licht der Tiefe sollte sie erkennbar sein.
Das Licht der Höhe jedoch kann die Zeit,
welche an das Licht der Tiefe gebunden ist,
nicht berühren, denn es ist das wahre Licht
des Einzigen, Ewig-Ungenannten, der vor und jenseits aller Zeit ist und war und sein wird.
Anmerkung des Übersetzers:
„Halittar haske“ bedeutet in etwa ‚Die Erschaffung des Lichtes‘.
Es ist teils schwierig, die volle Bedeutung der Worte in der Ersten (oder Alten) Sprache wiederzugeben, da sie seit ,Whakararuraru‘, der „großen Verwirrung“ nicht mehr gesprochen wird. Bei vielem ist der Übersetzer auf Vermutung und Intuition angewiesen, was seine Arbeit anfällig macht für Fehler. Das möge der Leser beachten.
©️ RKS 2026
DIE GESCHICHTE DER WELT I
Aus dem „Gesang der Erschaffung“, den
die Menschen „Schöpfungslied“ nennen,
welcher in den ersten Tagen der Menschheit von Bwan-Awa N’yimbo, dem ersten und ältesten Barden der Menschen, gedichtet und gesungen wurde. Seit Urzeiten kennen die Menschen diesen Gesang, und gaben ihn an ihre Kinder und Kindeskinder weiter, dass er nicht vergessen würde, bis einst das Letzte Wort erschallt, und alles mit ihm und an ihm vergehen würde. Doch über die Zeiten hin gelang es den Menschen, die Worte in Zeichen und Symbole zu bannen. Sie kerbten diese in Stein und feuchten Ton, malten sie auf Häute, und verflochten und verleimten Pflanzenstängel, um auf ihnen die Worte festzuhalten. Es gab warnende Stimmen, die den Tod des Wortes durch das Bannen auf Dingliches vorhersagten. Aber die Barden schworen, auch fürderhin das Wort noch durch Geist und Stimme in der Welt zu halten.
Wakar Halitta
Wort
ist Anfang und Ende,
ist Licht und Dunkel,
ist Werden und Vergehen,
ist Geburt und Sterben,
ist Aussaat und Ernte,
ist Leben und Tod,
ist Wahrheit und Lüge,
ist Frieden und Krieg,
ist Liebe und Hass,
ist Hoffnung und Verzweiflung,
ist Segen und Fluch,
ist Glück und Verderben,
ist Alles und Nichts.
Aber das war nicht immer so.
Bevor Welt und Zeit ihren Anfang nahmen,
war das Wort
bei dem Einzigen, dem Ungenannten,
und Er selbst war Wort.
Der Geist des Wortes begleitete
seinen ewigen Flug über die formlose Tiefe
der Ödnis über den Wassern.
Alles, was gemacht ist,
wurde durch sein Wort erschaffen,
und nichts entstand ohne sein Wort,
denn im Wort des Einzigen waren
allein Leben und Licht.
Das Wort erweckte Willen und Macht,
es allein verlieh allem das Sein.
Und so sprach der Einzige*,
der Ewig-Ungenannte, zum
Geist des Wortes, welcher Wort war:
„Sei in und aus mir, und erschaffe!“
Anmerkung des Übersetzers:
In der Ersten Sprache gab es die Unterscheidung von ‚Er‘ und ‚Sie‘ nicht. Eigentlich müsste es in unserer heutigen Sprache ‚Es‘ oder ‚Das‘ heißen — ‚das Einzige, Ewig-Unbenannte‘ oder ‚das einzig Namenlose‘ vielleicht besser noch ‚das Einzige, das keines Namens bedarf‘
„Wakar Halitta“ bedeutet in etwa ,Lied (oder Gesang) der Schöpfung‘.
Es ist teils schwierig, die volle Bedeutung der Worte in der Ersten (oder Alten) Sprache wiederzugeben, da sie seit ,Whakararuraru‘, der „großen Verwirrung“ nicht mehr gesprochen wird. Bei vielem ist der Übersetzer auf Vermutung und Intuition angewiesen, was seine Arbeit anfällig macht für Fehler. Das möge der Leser beachten.
©️ RKS 2026