Aus dem „Gesang der Erschaffung“, den
die Menschen „Schöpfungslied“ nennen,
welcher in den ersten Tagen der Menschheit von Bwan-Awa N’yimbo, dem ersten und ältesten Barden der Menschen, gedichtet und gesungen wurde. Seit Urzeiten kennen die Menschen diesen Gesang, und gaben ihn an ihre Kinder und Kindeskinder weiter, dass er nicht vergessen würde, bis einst das Letzte Wort erschallt, und alles mit ihm und an ihm vergehen würde. Doch über die Zeiten hin gelang es den Menschen, die Worte in Zeichen und Symbole zu bannen. Sie kerbten diese in Stein und feuchten Ton, malten sie auf Häute, und verflochten und verleimten Pflanzenstängel, um auf ihnen die Worte festzuhalten. Es gab warnende Stimmen, die den Tod des Wortes durch das Bannen auf Dingliches vorhersagten. Aber die Barden schworen, auch fürderhin das Wort noch durch Geist und Stimme in der Welt zu halten.
Wakar Halitta
Wort
ist Anfang und Ende,
ist Licht und Dunkel,
ist Werden und Vergehen,
ist Geburt und Sterben,
ist Aussaat und Ernte,
ist Leben und Tod,
ist Wahrheit und Lüge,
ist Frieden und Krieg,
ist Liebe und Hass,
ist Hoffnung und Verzweiflung,
ist Segen und Fluch,
ist Glück und Verderben,
ist Alles und Nichts.
Aber das war nicht immer so.
Bevor Welt und Zeit ihren Anfang nahmen,
war das Wort
bei dem Einzigen, dem Ungenannten,
und Er selbst war Wort.
Der Geist des Wortes begleitete
seinen ewigen Flug über die formlose Tiefe
der Ödnis über den Wassern.
Alles, was gemacht ist,
wurde durch sein Wort erschaffen,
und nichts entstand ohne sein Wort,
denn im Wort des Einzigen waren
allein Leben und Licht.
Das Wort erweckte Willen und Macht,
es allein verlieh allem das Sein.
Und so sprach der Einzige*,
der Ewig-Ungenannte, zum
Geist des Wortes, welcher Wort war:
„Sei in und aus mir, und erschaffe!“
Anmerkung des Übersetzers:
In der Ersten Sprache gab es die Unterscheidung von ‚Er‘ und ‚Sie‘ nicht. Eigentlich müsste es in unserer heutigen Sprache ‚Es‘ oder ‚Das‘ heißen — ‚das Einzige, Ewig-Unbenannte‘ oder ‚das einzig Namenlose‘ vielleicht besser noch ‚das Einzige, das keines Namens bedarf‘
„Wakar Halitta“ bedeutet in etwa ,Lied (oder Gesang) der Schöpfung‘.
Es ist teils schwierig, die volle Bedeutung der Worte in der Ersten (oder Alten) Sprache wiederzugeben, da sie seit ,Whakararuraru‘, der „großen Verwirrung“ nicht mehr gesprochen wird. Bei vielem ist der Übersetzer auf Vermutung und Intuition angewiesen, was seine Arbeit anfällig macht für Fehler. Das möge der Leser beachten.
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