Die Erhabenheit
Größe und Würde
der gewaltigen Dünen
der namibischen Wüste lassen
mein kleinliches Denken
versanden und lehren
mich Stille
©️ RKS 2026
Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
Die Erhabenheit
Größe und Würde
der gewaltigen Dünen
der namibischen Wüste lassen
mein kleinliches Denken
versanden und lehren
mich Stille
©️ RKS 2026
Vor der Größe der Berge
und der Tiefe der Canyons
wirken die Erhebungen
und Vertiefungen der
menschlichen Verfasstheit
so völlig bedeutungslos
Ich will die aus den Tiefen
sich erhebende Hoffnung
die von den Höhen fließende
Kraft und Ruhe
in mich saugen
und ihre Begrenzungen
als Weite in mich nehmen
©️ RKS 2026
Links des Weges
die Weite der Kalahari
rechts die ersten Ausläufer
der weiten Namib
darüber die Weite
des namibischen Himmels
In der Ferne
ragen Berge auf
die das Auge nur streift
die den Blick aber
nicht festhalten sondern
sich in die Weite schmiegen
Man kann sich kaum vorstellen
wie ob dieser wunderbaren Weite
in den Herzen und Hirnen
soviel Enge sein kann
©️ RKS 2026
Noch macht es
mir viel Mühe,
die natürliche Gelassenheit
der Schildkröte zu lernen,
aber ich möchte ein
gelehriger Schüler sein.
©️ RKS 2026
beinah lautlos tritt
der prächtige Kudu-Bulle
zwischen den Bäumen hervor
wittert und lauscht
schreitet majestätisch
ans Wasserloch
um zu trinken
seine Würde berührt
mein Innerstes
©️ RKS 2026
Auf uraltem, rotem Fels
unter einem Baum sitzend,
sinniere ich in die endlose,
grüne Weite der Kalahari hinaus,
über der sich — ebenso endlos —
ein blauer, sonnendurchglühter Himmel
ausspannt, auf dem eine Wolkenherde
in aller Stille dahinzieht,
jenes Schwere und Laute,
das vielleicht noch in mir drängte,
einfach mit sich nimmt,
während um mich herum
die Geräusche der Natur beruhigend
in meinen Geist fließen.
Mein Herz fängt an zu singen.
©️ RKS 2026
Ein plötzlich einsetzender
Regenschauer zieht den Vorhang
zur Ebene zu, und sein
lautes Trommeln
auf dem Wellblechdach
lässt in mir alles still werden.
Nachdem die Natur
sich eine kurze Atempause
gönnte, öffnet die Sonne
wieder den Blick ins Weit, —
innen wie außen.
©️ RKS 2026
Vom tiefschwarzen Nachthimmel
blinkt mir unter den unzähligen Sternen
das Kreuz des Südens entgegen.
Um mich her die Geräusche der Natur,
in mir zunehmend eine Fülle von Stille;
das Schwarz der afrikanischen Nacht
erhellt wundersam meine Seele.
©️ RKS 2026
Wolken sperren die Sonne aus,
der leichte Wind lässt mich
nach der Regendusche frösteln.
Das warme Gefühl in mir wächst.
Und wenn der Heimatstern sich
durch das Gewölk gefressen hat,
wird auch die Hitze zurückkommen.
Ich werde dann beide wieder
herzlich willkommen heißen.
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* Afrikaans für ‚Wechsel, Veränderung‘
(Gewitter am Waterberg)
Vor dem Fenster
bildet das Wasser
des heftigen Gewitterschauers
eine regelmäßige Reihe
von Perlenschnüren.
Der Wind zaubert mit dem Regen
ein Stakkato von Trommelwirbeln
auf das blecherne Hüttendach.
Vom nahen Plateau fällt krachend
Donnergrollen zu uns herab.
Und dennoch nehmen
in mir Ruhe und Frieden
mit jedem Augenblick zu.
©️ RKS 2026
* Afrikaans für ‚Gewitter, Unwetter‘
unter alten bäumen
: ein steinernes heer
namen und zahlen
: in formation erstarrt
über menschlichen resten
: geordnete felsstücke
unbeteiligt schweigend aber
: vogelgezwitscher
©️ RKS 2026
Nachdem Samson auf ihre Veranlassung die Haare geschnitten wurden, konnte er Delila einfach nicht mehr sehen.
©️ RKS 2026
Es zeigt sich mir hoch am nächtlichen Himmel
ein sanftes Drängen, ein Schieben und Dehnen,
als wären die Lüfte erfüllet von Sehnen,
in ziehender Wolken dichtem Gewimmel.
Es gleitet stumm und ganz ohne Hast
voll Majestät und Anmut ihr Flug
dahin in stetem, lautlosen Zug,
als wär‘ von Magneten er heimlich erfasst.
Und plötzlich spür‘ ich im mondfahlen Glanz
ein Drängen, ein Glühen und Brennen im Herzen,
als ob es gequält wär‘ von seltsamen Schmerzen,
als drehte die Seele selbst wild sich im Tanz.
Das innere Stürmen wird sanfter und milder,
ist ebenso rasch, wie es hatte begonnen,
den Sinnen entglitten, vergangen, zerronnen.
Ins Dunkel sinken die wogenden Bilder,
bevor noch den Sinnen gelingt ein Verstehen,
ein rasches, wenn auch nur ein flücht‘ges Begreifen.
Ich ahne das Fühlen ins Dunkel entschweifen,
der Zauber, die Bilder entflieh‘n und vergehen.
Verblasste Gefühle im Herzen nun gleiten
wie am Himmel die Wolken lautlos ins Leere.
Wie jene enthoben der irdischen Schwere,
zieh’n stille sie fort in die blauenden Weiten.
©️ RKS 2026