Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
3.6.26
FEHLFUNKTION ?
8.1.26
ODEUR DE LA MORT
Eine Frau liess einst mich erbeben;
ich wünschte mir, sie würde mein,
denn mit ihr nur wollte ich leben,
und sie wollt‘ ich lieben allein.
Ich habe mit brennendem Herzen
ihr ein singend‘ Vöglein gebracht,
doch sie empfand dessen Schmerzen,
und liess es frei in der Nacht.
Sie widerstand all meinem Werben,
sprach schließlich dies traurige Wort:
„Hier riecht überall es nach Sterben;
wie atmest Du an diesem Ort?
In deinem Reich kann ich nicht bleiben,
hier ist soviel Leid, Schmerz und Nacht.
Und bei uns würd‘ man Dich vertreiben,
weil den Tod Du mit hast gebracht.“
Am Morgen auf schlängelnden Pfaden
schritt dann sie zum Tale hinaus,
zart glänzten da an ihren Waden
wie Perlen die Tropfen des Taus …
Ich sah lang ihr nach ohne Worte,
wie sollte ich ohne sie sein? —
Das Morgenlicht wurd‘ mir zur Pforte
aus Glut — in die Hölle hinein.
©️ RKS 2020
30.12.25
VOM ENDEN
Bald kommt die Nacht.
Wie man‘s dreht oder wendet,
der Tag einfach endet,
— die Sonne entflieht.
Rasch kommt das Leid.
Wie man‘s dreht oder wendet,
das Glück einfach endet,
— die Liebe entflieht.
Schnell kommt der Tod.
Wie man‘s dreht oder wendet,
die Zeit einfach endet,
— das Leben entflieht.
© RKS 2020
24.12.25
JENSEITS DER WORTE
Ich liebe Dich und werd‘ es immer,
zu aller Zeit, an jedem Ort.
Ich find’, wie für der Sterne Schimmer,
dafür in mir kein rechtes Wort.
Und dennoch will der Mund mir beben
um Worte, wo es keine gibt …
Ich liebe dich, wie ich im Leben
noch niemals habe je geliebt!
©️ RKS 2020
23.12.25
TROSTLIED
Als ich in Seelennot geklagt,
hat niemand Mut mir zugesprochen.
Als mir das Herze ward gebrochen,
hat nirgends Hilfe mir getagt.
Dann kam aus Himmelshöh‘n gezogen
ein Trostlied fein, zu hören kaum:
Und plötzlich war mein Leid wie Schaum,
wie Nebel aller Schmerz verflogen ...
©️ RKS 2020
22.12.25
TEMPUS OMNIA MUTAT
Halt' nicht fest an deinem Jammer!
Weinen bringt vergang'nes Glück
niemals aus der tristen Kammer
des Gewesenen zurück.
Lass das Wissen in dich dringen:
Steten Wandel bringt die Zeit;
zwar hat Freude Adlerschwingen,
— doch die hat auch jedes Leid.
© RKS 2020
17.12.25
LIEBEN HEIẞT …
Lieben heißt, sich ganz versenken
in des Andern Sein und Leben,
sich mit Allem zu verschenken
und das Herz ganz hinzugeben.
Lieben heißt, sich zu verschreiben
ganz dem Glücke eines Andern;
manchmal auch, allein zu bleiben
und in tiefem Leid zu wandern.
©️ RKS 2020
16.12.25
KLAG‘ NICHT
Du klagst es mir ja schon geraume Zeit,
dass ich dir wenig, herzlich wenig schriebe.
Bei Andren stünde Wort um Wort bereit,
du müsstest nehmen, was dann übrigbliebe.
Uns beide eint ein deutlich stärk‘res Band;
das Lieben wird mit Worten nicht gemessen.
Weil ich in dir so süße Liebe fand,
bin ich auf Worte nicht so sehr versessen.
Denkst du der Zeit, wenn ich dich halt‘ umschlungen?
Denkst du des Lichts, das uns am Tag umgibt? —
Ich hab’ nicht oft in Versen dich besungen,
doch dich mit mehr als Worten stets geliebt.
©️ RKS 2020
1.12.25
DU ALLEIN
Nur für dich hat meine Seele Raum, —
alle andern Ziele sind versunken!
Du allein bist meines Lebens Traum,
nur für dich hat meine Seele Raum!
Was es sonst noch gibt, ist lauter Schaum,
der das Herz mir wirr macht und betrunken.
Nur für dich hat meine Seele Raum, —
alle andern Ziele sind versunken!
©️ RKS 2020
22.11.25
EIN LEIS‘ GEBET
(Triolett)
Ich schau‘ dich an und sprech’ ein leis’ Gebet,
dass nimmermehr du gehen woll‘st von hinnen.
Wenn Zweifel plötzlich nagend in mir steht,
schau‘ ich dich an und sprech‘ ein leis’ Gebet,
worin mein Herze bittet, hofft und ringt und fleht,
es mög‘ das deine bis in Ewigkeit gewinnen.
Ich schau‘ dich an und sprech‘ ein leis’ Gebet,
dass nimmermehr du gehen woll‘st von hinnen.
©️ RKS 2020
20.11.25
TROTZ ALLEM
Deine Gunst will ich erstreben,
was auch ferner kommen mag,
jedem Unbill hier im Leben
will ich trotzen Tag für Tag.
Wonne sind ja deine Blicke,
brächten sie mir einst auch Not.
Streben will ich nach dem Glücke,
selbst wenn Kummer darin droht.
Seh' ich deiner Augen Strahlen,
kümmert mich das Leiden nicht.
Wer gedenkt der Hölle Qualen,
sieht er solch ein himmlisch Licht?
©️ RKS 2020
18.11.25
ÜBERDRUSS
Leer und lautlos steh‘n die Felder,
Nebel hängen in der Luft,
still ermattet liegen Wälder
karg entlaubt im Morgenduft.
Frost bedrängt die späte Blüte,
schwindend ist des Lichtes Macht.
Schauernd zieht mir durchs Gemüte
Ahnung naher Winternacht.
Grau ragt auf die Gartenmauer,
Krähen kreischen laut im Flug,
und mein Herz füllt sich mit Trauer …
Herbst, ich hab‘ von dir genug!
© RKS 2020
17.11.25
MORGENGLANZ
Es hüllt sich ein in buntes Laub
der Berge herbstlich stiller Wald.
Der Dunst wie leichter Silberstaub
ob den verborg‘nen Schlüften wallt.
In grauem Schimmer liegt das Land,
und durch die Morgennebel bricht
ein blasser Strahl vom Felsenrand.
Des Tales Weiten sieht man nicht.
Von Osten steigt ein Licht herauf,
der Morgenglanz die Nebel frisst,
ein neuer Tag nimmt seinen Lauf,
wie er von Gott bestimmet ist.
© RKS 2020
16.11.25
NOVEMBERBLUES
Sehnsucht nach der Frühlingszeit
füllt mir jetzt schon alle Träume.
Sinnbild der Vergänglichkeit
sind die schrecklich kahlen Bäume.
Ach, von manchen sinken matt
noch des Laubes letzte Reste,
schweben nieder, Blatt um Blatt, —
und der Herbststurm feiert Feste ...
Nebel senkt sich auf den Wald,
Wolkengrau ist aufgezogen,
zu mir kommt so wild und kalt
rauher Wind herangeflogen.
Lärmend fliegt der Krähen Schar
ob den herbstlich tristen Fluren,
und in mir — ganz sonderbar —
zieht die Wehmut ihre Spuren ...
© RKS 2020
IN NEBULA
Die stillen Nebel sinken,
wie Blei liegt‘s auf den Tiefen,
kein Mensch hört mehr den andern ...
Nicht Mond noch Sterne blinken,
die Hoffnungen entschliefen,
einsam im Grau wir wandern ...
© RKS 2020