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23.4.26

KONSEQUENZ

 
In Anzing, Dachau und in Dorfen
hat früher Mäuler man geworfen. 
Dann gab es dabei einen Toten. 
Seitdem ist MAULWURF streng verboten. 

©️ RKS 2017 

17.12.25

WARNZEICHEN

 

Der Hosenträger klemmt am Bund.

Der Gürtel liegt auf diesem rund.

Sie sollen Wirkung dort entfalten, 

damit des Menschen Hosen halten.


Doch nur der Gürtel ganz allein 

lässt sich auch and'ren Zwecken weih'n:

An ihm lässt sich in Krankheitstagen 

ein Zeichen für das Leiden tragen.


Der Patient trägt an der Hose 

dann warnend eine Gürtelrose.


©️ RKS 2017 



15.12.25

ANDACHT

 

In der lichten Kathedrale 

der spätherbstlichen Chaussee 

läutet der Wind die Glocken.


Letzte Blätter verwehen 

wie erlöschende Kerzen, 

die im Weihrauch 

des Nebels verschwimmen. 


Schwarz stehen die Linden 

wie Obsidiansäulen, 

die voller Demut das 

Dach des Himmels tragen.


Und der frische Schnee 

sinkt wie Segen nieder, 

und deckt gnädig 

alles Sündige zu.


©️ RKS 2017 



11.12.25

HERBSTLICH

 

Die Sonne entzündet 

den Himmel von Westen her. 


Der Mond strahlt bleich und 

fahl durch Lücken im Wolkenmeer. 


Wattiger Nebel

verbirgt uns Gefühle und Orte.


Strömender Regen

spült mit sich Gedanken und Worte.


Stürmischer Wind treibt Blätter 

wild durch den Hain. 


Nächtlicher Reif glänzt 

silbern auf Baum, Feld und Rain. 


Zitterndes Herz, 

erbebend von eisgrauer Zeit. 


Ströme von Tränen, — 

ein Salzmeer der Traurigkeit. 


©️ RKS 2017 



6.12.25

YNDYSCH

 

Schon als kleyne Kynder
essen vyele Ynder
weder Kyh' noch Rynder;
man sagt, das sey gesynder.

Doch mampfen dye Schlawyner
ohne Skrupel Hyhner.
Und auch fryscher Fysch
landet auf dem Tysch. 

Gemyse, sagen Ynder,
sey aber noch gesynder.
Drum essen sye myt Grynsen
Erbsen, Bohnen, Lynsen ... 

©️ RKS 2017 


21.11.25

DAS EINE

 
Was frag‘ ich nach der lauten Welt?
Was kümmert mich ihr ganzes Streben?
Was, ob sie mich verachtet eben?
Was, ob mein Dichten wohlgefällt?

Was sollen Ehren mir und Würden?
Was frage ich nach Geld und Gut?
Was gilt mir leiblich Fleisch und Blut?
Was fürcht‘ ich Angst und Not und Bürden?

Was frage ich nach Raum und Zeit?
Was frage ich nach irdscher Gabe?
Was frag‘ ich selbst noch nach dem Grabe?

Nun nichts, wenn mir dies Eine bliebe:
der Liebsten Huld und zarte Liebe! —
Sind sie mein, hab‘ ich Ewigkeit!

©️ RKS 2017 

20.11.25

NEBELMOND

 nebelmond 

buntblattteppich 

gänsezugschreien 

herbstzeitlosblüte 

kahlbaumskulpturen

tiefsonnenglanz 


alleewindgetöse 

waschküchennebel 

herbstnasswolken 

raureifgeglitzer

frostbissnächte


wintererwartung



©️ RKS 2017 


17.11.25

IN ERWARTUNG

 

Der Winter kommt, er naht mit kalten Lüften,

der Ostwind pfeift schon wild durch die Allee. 

Der Nächte Frost in Feld und Wald und Klüften 

sagt es uns an: bald kommt der erste Schnee!


Der deckt dann zu das rote, gelbe, braune,

vom Herbststurmwüten hingefegte Blatt. 

Sein striktes Weiß tut wohl Gemüt und Laune,

die Nebelgrau so lang verdüstert hat. 


Es scheint, die Welt ruht aus in tiefem Frieden,

auch klingt uns nirgends noch ein Vogelsang,

nur aus den Erlen, und dort aus den Rieden

klingt Krähenkrächzen keck den Bach entlang. 


Bald liegt‘s wie Zuckerguss auf Tannen, Fichten,

ein Glitzern strahlt durch Wald und Feld und Flur,

und auch auf Häusern glänzen weiße Schichten. 

Wie feierlich wird’s Herzen und Natur!


© RKS 2017 



15.11.25

HERBSTPHANTASIE

 

Lange Nächte, wirre Träume, 

bunte Blätter, kahle Bäume, 

Krähen krächzen hinter Steinen, 

fahle Wesen mit drei Beinen 

und fünf Armen dort im Nebel, 

jemand drückt auf einen Hebel, 

und ich stürz' ins Bodenlose.

Blut strömt aus der Zuckerdose, 

tote Augen dort im Keller, 

alles dreht sich, immer schneller, 

schwarze Angst tropft von den Wänden.

Nebel nagt an meinen Händen, 

Grau hüllt alles Leben ein, 

plötzlich bin ich schrecklich klein, 

Kälte greift nach meiner Seele, 

etwas fasst an meine Kehle.

Eig’ne Stimme klingt erst laut, 

dann, als hätt' man umgebaut, 

plötzlich wie aus weiter Ferne.

Mond ist rot, und blau die Sterne, 

Himmel, Wolken, alles wirr. 

Als ich mich im Wald verirr',

kann ich voll Entsetzen hören, 

wie es kichert hinter Föhren, 

ächzt und stöhnt dort bei den Buchen, 

panisch meine Augen suchen 

einen Weg, um zu entweichen 

dem Geheule bei den Eichen.

Ist da nicht ein grauses Wittern?

Ach, es schüttelt mich ein Zittern, 

fühle mich gejagt, gehetzt ....

Nun zwing' ich mich ins Hier und Jetzt, 

wo ich Blick und Traum entwirre ...

Der November macht mich kirre!


©️ RKS 2017



FLÜCHTIG IM DUNST

 

gedanken verschwinden 

im nebel des nichts 

ziehen mich mit sich fort 

und ich verliere mich an 

eine blinde trostlosigkeit 

die gedanken und seele 

blutend hinterlässt

ohne spur oder

erinnern


dein schrei klingt mir nach 

ich eile ihm hinterher

doch er verhallt 

im stimmengewirr 

wispernder gestalten 

die flüchtig im dunst

entschwinden


allein und stumm 

im dunkel des herzens 

verirrt im innern des ich 

schmerz oder lust 

schwarz oder weiß 

sein oder vergehen

nichts


©️ RKS 2017



3.11.25

ÜBERSCHÄTZT

 (Limerick) 


Ein ambitionierter Gockel aus Wicken 

ließ sich bei den Hühnern nie blicken;

sprach: "Meine Domäne 

sind Gänse und Schwäne!" 

Und so endete er als McChicken.


© RKS 2017

INNENLIED

 

Tief in mir klingt ein Lied 
von Freude und Leid.
Was auch immer geschieht 
in der Welt, in der Zeit, — 
hör das Lied ich nur klingen, 
fange an ich zu singen, 
und bin wieder zu allem bereit.

©️ RKS 2017