Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
23.4.26
KONSEQUENZ
17.12.25
WARNZEICHEN
Der Hosenträger klemmt am Bund.
Der Gürtel liegt auf diesem rund.
Sie sollen Wirkung dort entfalten,
damit des Menschen Hosen halten.
Doch nur der Gürtel ganz allein
lässt sich auch and'ren Zwecken weih'n:
An ihm lässt sich in Krankheitstagen
ein Zeichen für das Leiden tragen.
Der Patient trägt an der Hose
dann warnend eine Gürtelrose.
©️ RKS 2017
15.12.25
ANDACHT
In der lichten Kathedrale
der spätherbstlichen Chaussee
läutet der Wind die Glocken.
Letzte Blätter verwehen
wie erlöschende Kerzen,
die im Weihrauch
des Nebels verschwimmen.
Schwarz stehen die Linden
wie Obsidiansäulen,
die voller Demut das
Dach des Himmels tragen.
Und der frische Schnee
sinkt wie Segen nieder,
und deckt gnädig
alles Sündige zu.
©️ RKS 2017
11.12.25
HERBSTLICH
Die Sonne entzündet
den Himmel von Westen her.
Der Mond strahlt bleich und
fahl durch Lücken im Wolkenmeer.
Wattiger Nebel
verbirgt uns Gefühle und Orte.
Strömender Regen
spült mit sich Gedanken und Worte.
Stürmischer Wind treibt Blätter
wild durch den Hain.
Nächtlicher Reif glänzt
silbern auf Baum, Feld und Rain.
Zitterndes Herz,
erbebend von eisgrauer Zeit.
Ströme von Tränen, —
ein Salzmeer der Traurigkeit.
©️ RKS 2017
6.12.25
YNDYSCH
Schon als kleyne Kynder
essen vyele Ynder
weder Kyh' noch Rynder;
man sagt, das sey gesynder.
Doch mampfen dye Schlawyner
ohne Skrupel Hyhner.
Und auch fryscher Fysch
landet auf dem Tysch.
Gemyse, sagen Ynder,
sey aber noch gesynder.
Drum essen sye myt Grynsen
Erbsen, Bohnen, Lynsen ...
©️ RKS 2017
21.11.25
DAS EINE
20.11.25
NEBELMOND
buntblattteppich
gänsezugschreien
herbstzeitlosblüte
kahlbaumskulpturen
tiefsonnenglanz
alleewindgetöse
waschküchennebel
herbstnasswolken
raureifgeglitzer
frostbissnächte
wintererwartung
©️ RKS 2017
17.11.25
IN ERWARTUNG
Der Winter kommt, er naht mit kalten Lüften,
der Ostwind pfeift schon wild durch die Allee.
Der Nächte Frost in Feld und Wald und Klüften
sagt es uns an: bald kommt der erste Schnee!
Der deckt dann zu das rote, gelbe, braune,
vom Herbststurmwüten hingefegte Blatt.
Sein striktes Weiß tut wohl Gemüt und Laune,
die Nebelgrau so lang verdüstert hat.
Es scheint, die Welt ruht aus in tiefem Frieden,
auch klingt uns nirgends noch ein Vogelsang,
nur aus den Erlen, und dort aus den Rieden
klingt Krähenkrächzen keck den Bach entlang.
Bald liegt‘s wie Zuckerguss auf Tannen, Fichten,
ein Glitzern strahlt durch Wald und Feld und Flur,
und auch auf Häusern glänzen weiße Schichten.
Wie feierlich wird’s Herzen und Natur!
© RKS 2017
15.11.25
HERBSTPHANTASIE
Lange Nächte, wirre Träume,
bunte Blätter, kahle Bäume,
Krähen krächzen hinter Steinen,
fahle Wesen mit drei Beinen
und fünf Armen dort im Nebel,
jemand drückt auf einen Hebel,
und ich stürz' ins Bodenlose.
Blut strömt aus der Zuckerdose,
tote Augen dort im Keller,
alles dreht sich, immer schneller,
schwarze Angst tropft von den Wänden.
Nebel nagt an meinen Händen,
Grau hüllt alles Leben ein,
plötzlich bin ich schrecklich klein,
Kälte greift nach meiner Seele,
etwas fasst an meine Kehle.
Eig’ne Stimme klingt erst laut,
dann, als hätt' man umgebaut,
plötzlich wie aus weiter Ferne.
Mond ist rot, und blau die Sterne,
Himmel, Wolken, alles wirr.
Als ich mich im Wald verirr',
kann ich voll Entsetzen hören,
wie es kichert hinter Föhren,
ächzt und stöhnt dort bei den Buchen,
panisch meine Augen suchen
einen Weg, um zu entweichen
dem Geheule bei den Eichen.
Ist da nicht ein grauses Wittern?
Ach, es schüttelt mich ein Zittern,
fühle mich gejagt, gehetzt ....
Nun zwing' ich mich ins Hier und Jetzt,
wo ich Blick und Traum entwirre ...
Der November macht mich kirre!
©️ RKS 2017
FLÜCHTIG IM DUNST
gedanken verschwinden
im nebel des nichts
ziehen mich mit sich fort
und ich verliere mich an
eine blinde trostlosigkeit
die gedanken und seele
blutend hinterlässt
ohne spur oder
erinnern
dein schrei klingt mir nach
ich eile ihm hinterher
doch er verhallt
im stimmengewirr
wispernder gestalten
die flüchtig im dunst
entschwinden
allein und stumm
im dunkel des herzens
verirrt im innern des ich
schmerz oder lust
schwarz oder weiß
sein oder vergehen
nichts
©️ RKS 2017
3.11.25
ÜBERSCHÄTZT
(Limerick)
Ein ambitionierter Gockel aus Wicken
ließ sich bei den Hühnern nie blicken;
sprach: "Meine Domäne
sind Gänse und Schwäne!"
Und so endete er als McChicken.
© RKS 2017
INNENLIED
von Freude und Leid.
Was auch immer geschieht
in der Welt, in der Zeit, —
hör das Lied ich nur klingen,
fange an ich zu singen,
und bin wieder zu allem bereit.
©️ RKS 2017