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19.6.26

DER GRUFO

 

Der Grufo empft dux Wolgehurz

und astert urpfig blose.

Die Polke lüdert schwiebelknurz,

und pluckert eine Krose.


Da glurrt der Grufo föndelquilt,

ihm zwollt der Kümmy tranze,

doch ist die Polke omfestrillt,

und dregt sich omm die Klanze.


Dem Grufo glötzt der Knokus grim,

die Polke znirft den Krubel,

da walkt das Schnicker prödel flim, —

und Grufo glynzt der Schnubel.


©️ RKS 2022 


14.6.26

MATCHBOX

 

Matchbox


Auf dem Fußweg lagen Eicheln. Ein Mann wich ihnen sorgfältig aus, um sie nicht zu zertreten. Am Zebrastreifen überquerte er die Straße und ging nach links.  Etwas weiter betrat er ein Haus. Im zweiten Stock war seine Wohnung. Und dort begab er sich ins Wohnzimmer, das in seiner Vorstellung eine Theaterbühne war, auf der er Dramen, Komödien, das Herzzerreißende seines Lebens zum besten gab. Das große Panoramafenster war von dicken, bordeauxroten Vorhängen eingerahmt. Wenn er sie öffnete, waren die Menschen in den Wohnungen auf der anderen Straßenseite sein Publikum. Und im Publikum, des konnte man gewiss sein, saß immer auch ein missgelaunter Kritiker. Den galt es, für sich einzunehmen, zu überzeugen, seine Begeisterung zu entzünden. Ein Ding der Unmöglichkeit. 


Eine tiefe Erschöpfung und diese unendliche Müdigkeit machten es ihm schwer, manchmal gar unmöglich, Bücher, Zeitschriften und Journale zu lesen. Oder Musik zu hören. Schon gar keine mit Gesang. Das Fernsehen und die Nachrichten waren ihm ein Gräuel. Er schreckte vor dem Neuen, dem Unbekannten, dem Fremden, letztlich vor der gesamten Welt zurück. Er konnte das alles einfach nicht ertragen. Am liebsten hätte er zum Fenster hinausgebrüllt: „Lasst mich endlich in Ruhe und verschwindet!“ Er war Photojournalist bei einer großen Wochenzeitung, und von Berufs wegen stets auf der Suche nach Neuigkeiten, nach dem Interessanten, dem Packenden, dem Außergewöhnlichen, den Quotenbringern seines Metiers. Er wartete täglich auf den „Lucky Shot“. 


Doch nun hatte er beschlossen, eine weite Reise zu machen. Seine Angst verhinderte ein Reisen per Flugzeug, und so betrat er ein Reisebüro und buchte ein lange Zugfahrt irgendwo in den Süden. Das Ticket verstaute er umständlich, aber höchst sorgfältig in seiner Brieftasche. Er trug es beständig bei sich, färbte seine Haare schwarz und lackierte sich die Fingernägel mit Klarlack. Auf seine Zehennägel hatte er Nagellack in einer Farbe aufgetragen, die er als krapprot bezeichnet hätte. Abends nahm er im Restaurant lustlos ein Menü zu sich, und ging danach in eine der Bars der Stadt. Als er schließlich an der Theke saß, dachte er über sich nach, was ihm ebenso unangenehm wie die Welt erschien. In sich vernahm er also: „Jeden Tag höre ich Dinge, und sortiere sie in große Schubladen, riesige Schachteln, manche von enormer Größe, andere etwas weniger groß. Ich stamme aus gut situiertem Hause, meine Eltern sind weltläufige Menschen. Und dennoch fehlt es mir an der Größe des Denkens und Fühlens. Ich bin eben seinerzeit beim Kleinen, Unbedeutenden hängengeblieben. Meine Existenz würde in einer Streichholzschachtel ausreichend, ja, wohl üppig Platz finden.“ 

Und weil jemand, dessen Leben in einer Matchbox — er verwandte in Gedanken tatsächlich dieses Wort! — Platz fand, auf keinen Fall einfach den Zug besteigen und in den Süden fahren konnte, blieb er in der Stadt. Da war die Welt irgendwie auch bedrohlich, aber weniger als anderswo. 


©️ RKS 2022 


24.2.26

BEYOND

 

Wo hinter uns

letzte Lichter nur 

noch sanft glimmmen,

werden wir über

das Endes des Weges,

und den Rand des Meeres

hinausgehen. 


Wo hinter dem

Horizont der Zeit

wir ein Ewiges

erwarten, ist uns 

das Universum nur

ein schmaler Spalt. 


Wir erhoffen uns

eine Zunge voll Rühmens,

einen Mund voll Lachens,

und ein gnädiges Vergessen

allen Unbills. 


Wohl selbst jene,

die sich einreden,

dann sei einfach alles

zu Ende. 


©️ RKS 2022 


22.2.26

DER TRAUERNDE

 

Die Wasser tosen wild und schäumen

rings um den alten Felsen her …

Ein Mensch sitzt dort, mag nimmer träumen, —

er hat ja nun kein Liebchen mehr. 


Zu ihrem Grabe trug er Rosen,

jetzt rinnt sein Aug’ von Tränen leer,

und Wasser schäumen wild und tosen

rings um den alten Felsen her. 


©️ RKS 2022 


22.12.25

AIRMAIL

 

Ach, ich trag‘ dein lieblich Bild 

stets in meines Herzens Grunde,

das so süß und wundermild 

mir vergoldet jede Stunde. 


Täglich drum in mir erklinget 

froh ein zärtlich‘ Liebeslied, 

das sich jauchzend aufwärts schwinget,

und dann eilends zu dir zieht. 


©️ RKS 2022 


SILENTIUM

 (Sestain)

Ich spür‘, wie aus der Seele Grund 

ein Wort, das nie noch ausgesprochen,

sich auf die Zunge schleichen will. 


Da küsset mich dein roter Mund, 

ich fühl‘ des Herzens wildes Pochen, 

— und schweige still. 


©️ RKS 2022 



15.12.25

EREMIT

 

Der grau gestromte Kater, 

der hinter dem Fenster scheinbar döst, 

ist ein schweigsamer Weiser, 

den die Welt nicht einmal wahrnimmt; 

er dagegen straft sie mit Nichtachtung.


©️ RKS 2022 



11.12.25

BROKEN HEART

 

Es zerfiel 

in unzählige Stücke.

Nur der Schmerz 

bildet nun ein Ganzes.

Und die Sehnsucht.

Sie will nicht zerfasern.

Die Gründe sind unbekannt.

Vielleicht habe ich 

ein Sollbruchherz.

Oder ich neige 

generell zum Bröckeln.


©️ RKS 2022 



8.12.25

TERRA INCOGNITA

 

In den weißen Flecken

der Vernunft

grünt das Dunkel

und hofft darauf

unerforscht zu bleiben


©️ RKS 2022 



INNERLICH

 

Aufheben

für später


Im Schweigen

bleiben


Zwischen

Himmel und Erde


Worte

verwahren


: in sich


©️ RKS 2022 



AUSRUHEN

 

Hinlegen

und lauschen


auf die Musik des Lichts

auf das Lied der Lüfte 

auf den Gesang des Sandes


den Worten 

Stille gönnen

im stummen Flug

der Gedanken


©️ RKS 2022 



2.12.25

HEIMAT

 (Epigrammatisches) 


Süßer Liebe zartes Band

macht zur Heimat jedes Land. 

Wo man ihren Zauber misst,

alle Welt uns Fremde ist. 


©️ RKS 2022 



1.12.25

GUTE NACHT!

 

Wie sehr man jagt und kämpft und strebt, —

nur kurz währt unsres Lebens Zeit. 

In manches Glück sich plötzlich webt 

ein Schmerz, ein Weh, ein herbes Leid …


Und eilends ist in kurzer Frist 

bald Tag um Tag vollbracht. 

Wer weiß, wie nah‘ das Ende ist, 

drum, Freunde, — Gute Nacht!


©️ RKS 2022 



24.11.25

AUSRUHEN

 


Hinlegen

und lauschen


auf die Musik des Lichts

auf das Lied der Lüfte 

auf den Gesang des Sandes


den Worten 

Stille gönnen

im stummen Flug

der Gedanken


©️ RKS 2022