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10.6.26

ABZÄHLVERS

 

Eins und zwei und drei,

wer ist wirklich frei? -


vier, fünf, sechs und sieben, -

und wer je frei geblieben? -


acht und neun und zehn, -

Du Glücklicher darfst geh'n!


©️ RKS 2018


8.1.26

DAS ZAUBERLIED

 

Durch verträumte, dunkle Wälder,

über Wiesen, Raine, Felder,

durch die Täler, auf den Wegen,

über Bächen und auf Stegen,


auf der Heide, durch die Lüfte,

über Bergen, durch die Klüfte,   

von den Blättern alter Bäume,

selbst in Düften wilder Träume,


aus der Freude und aus Klagen,

in den Nächten, an den Tagen,

in der Nähe, in den Fernen,

her vom Mond und von den Sternen,


von Räumen, wo die Engel singen,

höre ich, als wenn’s mich riefe,

sanft in allen Dingen schliefe,

leis’ ein Zauberlied erklingen ...


©️ RKS 2018 


6.1.26

WINTERSPAZIERGANG

 

Kahle Birken, schneebestäubte Heide, 

Raureif, Einsamkeit und Leere, 

des Winters glitzerndes Geschmeide, 

Krähen sammeln sich wie Heere, 

kein einz'ger Mensch sonst auf den Wegen, 

nur Stille ist hier mein Begleiter.

Das scheint mir wahrhaft wie ein Segen, 

drum geh' ich froh und sinnend weiter ...


©️ RKS 2018 

24.12.25

WEIHNACHTSHOFFNUNG

 

Ach, du suchst das Licht des Lebens,
siehst oft Nacht und Dunkel nur,
meinst, dein Streben sei vergebens
in des Daseins finstrer Spur?


Blicke auf zu diesem Sterne,
der mit seinem milden Licht,
dir dort scheinet in der Ferne,
auf ihn all dein Hoffen richt‘! 


Gott ist worden Mensch hienieden,
er hält Licht und Heil bereit,
Engel künden dir den Frieden
und der Gnaden frohe Zeit. 


Lass die finstren Truggestalten
nie in Dir bestimmend sein,
denn dies Kindlein will Dich halten,
will Dein treuer Heiland sein!


©️ RKS 2018


23.12.25

AMBIVALENTE WÜNSCHE

 

Ich wünscht‘, gleich einem Geigenspiel,
könnte mein Herz Dir singen.
Es wär‘ des Klanges wohl zuviel, —
die Saiten würden springen. 


Ich wünscht‘, ich könnte voller Macht
den Drang, Dich zu liebkosen,
in Blumen wandeln in der Nacht, —
doch wär’n es zuviel Rosen!


Ich wünscht‘, mir träumte noch einmal,
Dich innig heiß zu küssen, 
doch wär‘s mir eine wilde Qual,
erwachen dann zu müssen.


©️ RKS 2018 



19.12.25

TRAURIG

 

Wohin das Auge Du schickest, 

stets rote Rosen aufsprießen.

Wohin Du immer auch blickest, 

sich duft'ge Blüten erschließen.


Weil Deine Augen mich meiden, 

erwachsen um mich lauter Ranken 

von kummervoll trauernden Weiden 

voll heimlicher Liebesgedanken.


© RKS 2018 


WENN DÄMMERSCHATTEN SCHREITEN

 

Durch Winternächte Töne gleiten, 

ein Lied in Moll elegisch schwingt.

Wie sehr man mit dem Leben ringt, 

wenn Dämmerschatten schreiten ... 


Erschallt durch sommerliche Weiten 

ein Lied in Dur, das jauchzt und singt, 

so spür' ich, dass es hohl doch klingt, — 

wenn Dämmerschatten schreiten ...


© RKS 2018 


18.12.25

ABNEIGUNG

 (wider Claudius Appius Caecus)


Wenn mir immer wieder gesagt wird,
dass jeder seines Glückes Schmied sei, 
dann muss ich einmal anmerken, 
dass mir schon als Kind der Geruch 
der Arbeitskleidung von Angehörigen
aus metallverarbeitenden Berufen 
aus tiefsten Herzen zuwider war. 

©️ RKS 2018 


17.12.25

WUNSCH DES LIEBENDEN

 

Liebste, ach, wie wünsche ich, 

dass Dein Auge selig sich, 

wenn Du in der stillen Nacht 

aufschaust zu des Himmels Pracht, 

mög' am Sternenlicht erquicken! 


Doch ich wünsche noch viel mehr, 

dass ich dieser Himmel wär', 

dann möcht' innig liebend ich 

mit den Sternenaugen Dich 

so vieltausendfach anblicken!


©️ RKS 2018 



REGENTAG

 

Überm Walde sprühet 

Regendunst empor.

Wenig ist zu sehen 

durch den trüben Flor.

Winde wehen heftig 

über Feld und Rain.

Liebes Herz, Du fernes, 

bitte denke mein! 


©️ RKS 2018 



16.12.25

DEMÜTIGE BITTE

 

Gott gebe gnädig, was mir frommt,
an Lebensglück und Leiden!
Ich dank’ dem Herrn bei beiden,
weil von ihm ja nur Gutes kommt. 


Er halte vom Glück
auch manches zurück, —
ich möcht‘ sonst leichtsinnig werden. 


Er send‘ nicht nur Schmerz
in Leben und Herz,
dass ich nicht verzweifle auf Erden. 


Ich bitte voll Ehrfurcht und kindlichem Mut,
Gott möge mir geben, was nötig und gut!
Und was Er an Freuden und Leiden mir gibt,
will dankbar ich nehmen, weil er mich ja liebt.


©️ RKS 2018 



MA ROSE

 

Wie eine edle Rose
glühst Du, so mild und rein.
Ich seh‘ Dich an, und Liebe
zieht in das Herz mir ein. 


Ach, ewig soll mir bleiben
vor Augen dieses Bild:
Du, schönste aller Rosen,
blühst mir so rein und mild!


©️ RKS 2018 



15.12.25

ERHEBUNG

 

Stille liegen alle Matten,

und es schweigt der Vögel Chor,

aus des bunten Waldes Schatten

steigt mein Liebeslied empor. 


Ach, wie glühen Deine Blicke,

und wie ist Dein Mund so rot! 

Mit Dir schwelge ich im Glücke,

bin enthoben Herbst und Tod!


©️ RKS 2018 



DER WINTER NAHT

 

Die müden Augen sind so traurig, 

wollen nichts mehr seh'n.

Der dichte Nebel wirkt so schaurig 

und die Winde weh'n.


Die müden Ohren sind verbittert, 

hören schier nichts mehr.

Die alten Berge sind verwittert 

und das Meer ist leer. 


Die müde Seele hat beschlossen, 

sie will nur noch Ruh'. 

Die grauen Tage unverdrossen 

geh'n dem Winter zu.


©️ RKS 2018

8.12.25

IN FINSTRER NACHT

 

Ich wachte auf in finstrer Nacht,
es strahlte hell die Dunkelheit
wie lichte, klare Morgenzeit
in wunderbarer Pracht. 


Da so es mich in dieser Nacht
empor aus meinen Träumen riss,
hast Du, o Liebste, ganz gewiss
voll Sehnsucht liebend mein gedacht!


©️ RKS 2018



17.11.25

TRÖSTLICH

 

Ein Zauber webt in allen Dingen,

zu jeder Zeit, an jedem Ort. 

Und die, so dichten oder singen,

die kennen auch sein Losungswort. 


Drum, was vom Zauber je Dich schied,

das lass‘ Dich nicht verdrießen, —

weil Dichterwort und Bardenlied

ihn Dir aufs Neu‘ erschließen!


© RKS 2018 



13.11.25

SCHLAFES GEHEIMNIS

 

Ganz leise sinkt die Nacht hernieder

und stille wird es im Gemüt. 

Ich schließe meine Augen wieder,

da Hypnos‘ Blume mir erblüht. 


Sogleich hat Morpheus mich umstricket,

es öffnet Phantasos sein Tor, —

was nun mein geistig Aug‘ erblicket,

sah niemals noch ein Mensch zuvor!


Mich füllet Angst, und doch auch Wonne,

ich finde weder Rast noch Ruh‘!

Doch kurz bevor sich zeigt die Sonne,

deckt Lethe die Erinn‘rung zu. 


Am Morgen wühlt in meiner Seele

das Brennen still geahnter Pracht. 

Mein Herz, als ob ihm etwas fehle,

sehnt schon herbei die nächste Nacht. 


© RKS 2018