Eins und zwei und drei,
wer ist wirklich frei? -
vier, fünf, sechs und sieben, -
und wer je frei geblieben? -
acht und neun und zehn, -
Du Glücklicher darfst geh'n!
©️ RKS 2018
Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
Eins und zwei und drei,
wer ist wirklich frei? -
vier, fünf, sechs und sieben, -
und wer je frei geblieben? -
acht und neun und zehn, -
Du Glücklicher darfst geh'n!
©️ RKS 2018
Durch verträumte, dunkle Wälder,
über Wiesen, Raine, Felder,
durch die Täler, auf den Wegen,
über Bächen und auf Stegen,
auf der Heide, durch die Lüfte,
über Bergen, durch die Klüfte,
von den Blättern alter Bäume,
selbst in Düften wilder Träume,
aus der Freude und aus Klagen,
in den Nächten, an den Tagen,
in der Nähe, in den Fernen,
her vom Mond und von den Sternen,
von Räumen, wo die Engel singen,
höre ich, als wenn’s mich riefe,
sanft in allen Dingen schliefe,
leis’ ein Zauberlied erklingen ...
©️ RKS 2018
Kahle Birken, schneebestäubte Heide,
Raureif, Einsamkeit und Leere,
des Winters glitzerndes Geschmeide,
Krähen sammeln sich wie Heere,
kein einz'ger Mensch sonst auf den Wegen,
nur Stille ist hier mein Begleiter.
Das scheint mir wahrhaft wie ein Segen,
drum geh' ich froh und sinnend weiter ...
©️ RKS 2018
Ach, du suchst das Licht des Lebens,
siehst oft Nacht und Dunkel nur,
meinst, dein Streben sei vergebens
in des Daseins finstrer Spur?
Blicke auf zu diesem Sterne,
der mit seinem milden Licht,
dir dort scheinet in der Ferne,
auf ihn all dein Hoffen richt‘!
Gott ist worden Mensch hienieden,
er hält Licht und Heil bereit,
Engel künden dir den Frieden
und der Gnaden frohe Zeit.
Lass die finstren Truggestalten
nie in Dir bestimmend sein,
denn dies Kindlein will Dich halten,
will Dein treuer Heiland sein!
©️ RKS 2018
Ich wünscht‘, gleich einem Geigenspiel,
könnte mein Herz Dir singen.
Es wär‘ des Klanges wohl zuviel, —
die Saiten würden springen.
Ich wünscht‘, ich könnte voller Macht
den Drang, Dich zu liebkosen,
in Blumen wandeln in der Nacht, —
doch wär’n es zuviel Rosen!
Ich wünscht‘, mir träumte noch einmal,
Dich innig heiß zu küssen,
doch wär‘s mir eine wilde Qual,
erwachen dann zu müssen.
©️ RKS 2018
Wohin das Auge Du schickest,
stets rote Rosen aufsprießen.
Wohin Du immer auch blickest,
sich duft'ge Blüten erschließen.
Weil Deine Augen mich meiden,
erwachsen um mich lauter Ranken
von kummervoll trauernden Weiden
voll heimlicher Liebesgedanken.
© RKS 2018
Durch Winternächte Töne gleiten,
ein Lied in Moll elegisch schwingt.
Wie sehr man mit dem Leben ringt,
wenn Dämmerschatten schreiten ...
Erschallt durch sommerliche Weiten
ein Lied in Dur, das jauchzt und singt,
so spür' ich, dass es hohl doch klingt, —
wenn Dämmerschatten schreiten ...
© RKS 2018
(wider Claudius Appius Caecus)
Liebste, ach, wie wünsche ich,
dass Dein Auge selig sich,
wenn Du in der stillen Nacht
aufschaust zu des Himmels Pracht,
mög' am Sternenlicht erquicken!
Doch ich wünsche noch viel mehr,
dass ich dieser Himmel wär',
dann möcht' innig liebend ich
mit den Sternenaugen Dich
so vieltausendfach anblicken!
©️ RKS 2018
Überm Walde sprühet
Regendunst empor.
Wenig ist zu sehen
durch den trüben Flor.
Winde wehen heftig
über Feld und Rain.
Liebes Herz, Du fernes,
bitte denke mein!
©️ RKS 2018
Gott gebe gnädig, was mir frommt,
an Lebensglück und Leiden!
Ich dank’ dem Herrn bei beiden,
weil von ihm ja nur Gutes kommt.
Er halte vom Glück
auch manches zurück, —
ich möcht‘ sonst leichtsinnig werden.
Er send‘ nicht nur Schmerz
in Leben und Herz,
dass ich nicht verzweifle auf Erden.
Ich bitte voll Ehrfurcht und kindlichem Mut,
Gott möge mir geben, was nötig und gut!
Und was Er an Freuden und Leiden mir gibt,
will dankbar ich nehmen, weil er mich ja liebt.
©️ RKS 2018
Wie eine edle Rose
glühst Du, so mild und rein.
Ich seh‘ Dich an, und Liebe
zieht in das Herz mir ein.
Ach, ewig soll mir bleiben
vor Augen dieses Bild:
Du, schönste aller Rosen,
blühst mir so rein und mild!
©️ RKS 2018
Stille liegen alle Matten,
und es schweigt der Vögel Chor,
aus des bunten Waldes Schatten
steigt mein Liebeslied empor.
Ach, wie glühen Deine Blicke,
und wie ist Dein Mund so rot!
Mit Dir schwelge ich im Glücke,
bin enthoben Herbst und Tod!
©️ RKS 2018
Die müden Augen sind so traurig,
wollen nichts mehr seh'n.
Der dichte Nebel wirkt so schaurig
und die Winde weh'n.
Die müden Ohren sind verbittert,
hören schier nichts mehr.
Die alten Berge sind verwittert
und das Meer ist leer.
Die müde Seele hat beschlossen,
sie will nur noch Ruh'.
Die grauen Tage unverdrossen
geh'n dem Winter zu.
©️ RKS 2018
Ich wachte auf in finstrer Nacht,
es strahlte hell die Dunkelheit
wie lichte, klare Morgenzeit
in wunderbarer Pracht.
Da so es mich in dieser Nacht
empor aus meinen Träumen riss,
hast Du, o Liebste, ganz gewiss
voll Sehnsucht liebend mein gedacht!
©️ RKS 2018
Ein Zauber webt in allen Dingen,
zu jeder Zeit, an jedem Ort.
Und die, so dichten oder singen,
die kennen auch sein Losungswort.
Drum, was vom Zauber je Dich schied,
das lass‘ Dich nicht verdrießen, —
weil Dichterwort und Bardenlied
ihn Dir aufs Neu‘ erschließen!
© RKS 2018
Ganz leise sinkt die Nacht hernieder
und stille wird es im Gemüt.
Ich schließe meine Augen wieder,
da Hypnos‘ Blume mir erblüht.
Sogleich hat Morpheus mich umstricket,
es öffnet Phantasos sein Tor, —
was nun mein geistig Aug‘ erblicket,
sah niemals noch ein Mensch zuvor!
Mich füllet Angst, und doch auch Wonne,
ich finde weder Rast noch Ruh‘!
Doch kurz bevor sich zeigt die Sonne,
deckt Lethe die Erinn‘rung zu.
Am Morgen wühlt in meiner Seele
das Brennen still geahnter Pracht.
Mein Herz, als ob ihm etwas fehle,
sehnt schon herbei die nächste Nacht.
© RKS 2018