30.10.25

EN HIAGSD

 (in niederbayerischer Mundart)


Bladl hand gejb und roud

und in da Friah geh‘ i

in d‘Schwamma

Stoabejsdal und Rähgoiß

fanga damid‘s an Middog

a Berflaisch mid Gneel gibt. 

Und da Woid riachd

so guad das ma‘s iatz

scho kaam dawoat



Übersetzung ins Hochdeutsche:


Im Herbst


Blätter sind gelb und rot

und in der Frühe geh‘ ich

Pilze sammeln

Steinpilze und Pfifferlinge

fangen damit es zu Mittag 

Bergfleisch* mit Knödeln gibt

Und der Wald riecht

so gut dass man es jetzt

schon kaum erwarten kann


©️ RKS 2025



* Regionaler Ausdruck für Pilzgerichte

SUCHEND

 

Im Stand der Dinge

eingekesselt, 


beim Flug der Gedanken

abgesunken, 


vom Redefluss

fortgespült, 


suche ich im

Koffer der Möglichkeiten

nach neuen Zielen. 


© RKS 2023

RINGBAHNMALAISE

 (in Berlin)


Bin jetzt viermal
in Gesundbrunnen
ausgestiegen, —
und immer noch erkältet!

©️ RKS 2021 

TATKRÄFTIG

 Unbeirrt


senkt die Herbstsonne 

gleißend Lichtlanzen in die 

scherbenbekränzt gähnenden

Fensterruinen der alten Fabrikhalle

Vom Sims grüßt hoffnungsfroh

ein unbeschwerter Birkenschössling

Ein Zaunkönig wippt auf der

Brombeerranke gegen den 

Rhythmus des Windes

Die Welt hält inne

nur das Herz schlägt

unbeirrt


©️ RKS 2025 

HERBSTFARBEN

 

Golden und rot ist Blattwerk

vom Maler der Natur eingefärbt.


Blau sind Himmel und See,

stillstrahlend im Winde liegend.


Grün sind Tannen und die Augen

der Liebsten, die mir lächeln.


Farben will ich speichern, und mitnehmen 

ins Grau der kommenden Tage. 


© RKS 2016

29.10.25

GEDANKENVERSUNKEN

 (in Prag / v Praze)


Eine unbestimmte Melodie

vor mich hinsummend

spazierte ich allein 

die Altstädter Uferpromenade

entlang Richtung Rudolfinum, 

ungestört vom Autolärm, 

der vom Dvořák-Ufer herdrang. 


Wie automatisch zog 

ich den Hut, und der 

ältere Herr erwiderte 

lächelnd meinen Gruß. 


Beim Anblick der Tram,

die über die Mánesbrücke 

rumpelte, kam mir ein

Gemälde Ludvík Kubas

in den Sinn, und plötzlich

fühlte ich mich auf 

den Balkan versetzt. 


©️ RKS 2025 



Die ‚Altstädter Uferpromenade‘ und das ‚Dvořák-Ufer’

sind Straßen entlang der Moldau in Prag. 

Das ‘Rudolfinum’ ist ein Konzert- und Galeriebau im 

Stil der Neorenaissance am rechten Moldauufer in der 

Prager Altstadt. 

Die Mánes-Brücke führt unweit des Rudolfinums über die Moldau. 

Ludvík Kuba (1863 - 1956) war ein tschechischer Maler 

des Impressionismus. 

UNVERGESSLICH

 

Es haben die Vöglein geschwiegen,

der Himmel erblaute so tief,

als Deine Liebe mich rief. —

Gern wollt’ ich zu Füßen Dir liegen.  


Wie selig, wie glücklich ich war,

als ich Dich durfte liebkosen!

Deine Wangen glühten wie Rosen

und duftend wallte Dein Haar ...


Ich kann jene herrliche Nacht

nun ewig nimmer vergessen,

die unter duft‘gen Zypressen

wir zärtlich liebend verbracht. 


© RKS 2018

HERBSTMÜDE

 

Die müden Augen sind so traurig, 

wollen nichts mehr seh'n.

Der dichte Nebel wirkt so schaurig 

und die Winde weh'n.


Die müden Ohren sind verbittert, 

hören schier nichts mehr.

Die alten Berge sind verwittert 

und das Meer ist leer. 


Die müde Seele hat beschlossen, 

sie will nur noch Ruh'.

Die grauen Tage unverdrossen 

geh'n dem Winter zu.


©️ RKS 2018 

27.10.25

GRUNDSATZFRAGE

 

Durchs Leben treiben
An Worten sich reiben
Das Wenige schreiben

— doch was wird bleiben?

©️ RKS 2022

26.10.25

MUTMAẞUNG

 

Wenn Gedanken sich finden und werden zu Worten,

die sich fügen zu Reimen an inneren Orten,

und wenn dann schlussendlich ein kleines Gedicht

zu euch aus Versen, aus Strophen spricht,

dann sagt ihr oft, — als ob‘s einer wüsst‘! —

mich hätte Erato, die Muse, geküsst.


©️ RKS 2018 

GEDANKE IM ABENDSCHEIN

 

Wenn im trauten Abendschein
still mein Blick zum Himmel geht,
sprechen diese Augen mein
für Dich wortlos ein Gebet. 


Ach, und wenn die Augen Dein
durch den Himmel geh‘n,
mög‘ ich eingeschlossen sein
in Dein liebend‘ Fleh‘n! 


©️ RKS 2018 

DICHTERWUNSCH

 

Ein Gedicht möcht‘ ich werfen, ganz kurz und prägnant,

worinnen der Sinn dieses Alls wird erkannt,

in welchem benannt sind die göttlichen Taten,

und außerdem sollte es jedem verraten

die Tiefe der Liebe, die ich für Dich spür‘ …

Das wünsche ich mir!


©️ RKS 1992 



Das mit Abstand älteste Gedicht, das hier eingestellt ist. Es stammt aus den Anfangsjahren meiner lyrischen Versuche. 

SPRACHPROBLEM

 (Quatrain)


Neulich hat der Stachelrochen
mit dem Tigerhai gesprochen.
Worum es ging, kann ich nicht sagen;
ich muss den Babelfish mal fragen ...


© RKS 2015 

AUF MEINER LIEBSTEN TOD IV

 

Oft gingen wir spazieren
dort an des Flusses Saum.
Im Sommersand Dich spüren
und lieben, welch ein Traum!


Wie still die Wasser rinnen
hin in das ferne Meer,
so eiltest Du von hinnen;
mein Leben wurde leer. 


Nun herbstlich Winde klingen
in Bäumen über mir.
Ich weine leis, — ihr Singen
ist wie ein Gruß von Dir.


© RKS 2018 

MYSTERIUM AUSTRALIS

 

Am Fuß des Berges Uluru
sitzt neben einem Kakadu
ein Rotes Riesenkänguru
und hält sich seinen Beutel zu.  


Nun fragt man sich sofort, wozu
sitzt nun das Riesenkänguru
am Fuß des Berges Uluru,
und hält sich seinen Beutel zu? 


Warum am Fuß des Uluru
das Rote Riesenkänguru
sich krampfhaft hält den Beutel zu,
das wissen weder ich noch Du!


© RKS 2019

WORTVERWANDT

 

Der Ast wächst seitlich am Baume.
Der Bast ist als Röckchen nicht trendig.
Das Fast ist zumeist unvollständig,
und der Gast reist nicht nur im Traume.

Die Hast hat es fast immer eilig.
Die Last ist meistens beschwerend.
Die Mast wirkt figürlich verheerend,
und die Rast ist dem Wanderer heilig. 

©️ RKS 2017 

ERLERNTES

 

Bin am Fluss

aufgewachsen. 

Habe gelernt, 

dass das Sein

teilnahmslos

an uns vorbeifließt. 

Und wenn wir

uns zu weit

hineinwagen,

ertränkt es uns. 


© RKS 2023 

REDUKTION

 

: Allerlei 

lässt sich reduzieren auf 

: Vielerlei

und ist letztendlich

: Einerlei 


©️ RKS 2023

DU - ICH - WIR

 

Du Ich Du Ich Du Ich Du

Ich Du Ich Du Ich Du Ich

Du Ich      W I R     Ich Du

Ich Du Ich Du Ich Du Ich 

Du Ich Du Ich Du Ich Du


© RKS 2023