26.10.25

WALDESFRIEDEN

 

Süßer, stiller Waldesfrieden,
Sehnsuchtsort im Lärm der Zeit,
in dir kann aufs Neu’ ich spüren,
wie du auftust alle Türen
meiner Seele weit, so weit. 


Golden glänzt auf deinen Pfaden
milden Lichtes holder Schein.
Abseits von den lauten Gassen
möchte neuen Mut ich fassen.
Flöß‘, ach, flöße ihn mir ein!


© RKS 2021

25.10.25

HERBSTVORSATZ

 (Kreuzreime, Kadenz wechselt mit der Strophe)

                                                                   R   K *

Diese tiefe, dunkle Zeit.                           a   m
zeigt uns allen Lebens Lauf;                   b   m
Klage der Vergänglichkeit.                      a   m
kommt ganz still im Herzen auf.             b   m


Sprossen, wachsen und verblühen, —   c   w
das beschreibt das Erdenleben.             d   w
Jenseits aller Sterne Glühen                    c   w
sollten wir ein Sein erstreben!                 d   w


© RKS 2020



* =  R — Reim   K — Kadenz

        abab cdcd   männlich/weiblich

AUF MEINER LIEBSTEN TOD I

 

Du bist heut‘ so still verschieden.

Ach, mein Herz ist gramerfüllt,

findet Ruhe nicht, noch Frieden,

nichts, was diesen Kummer stillt. 


Es durchbittert mir den Sinn,

dass ich ohne Dich nun bin.

Tränen netzen mir die Wange,

da ich weine heiß und lange.


© RKS 2018 

UNÜBERWINDLICH

 (Vierzeilig, 6 Strophen, umarmende Reime, durchgehend stumpfe Kadenz)


Mein Herze, wank‘ und zage nicht,

ob tausend Wolken zieh‘n daher,

ob stürmisch braust das wilde Meer, — 

sei Du der Fels, der Wogen bricht!


Oh Herz, sei ruhig, denn Du trägst

in Dir ja beides, Schmerz und Glück,

selbst wenn ein wütendes Geschick

Dich trennt von ihr, für die Du schlägst!


Wie weit entfernt sie immer sei,

sie bleibt Dein einzig Glück, Dein Gut,

und weil Dir eigen starker Mut,

bricht Dich kein Schicksal je entzwei. 


Auf ewig wird sie in Dir sein

in Schmerz und Glück, in Leid und Lust,

selbst wenn Du alles lassen musst, —

ihr gilt Dein Pochen ja allein. 


Drum, Herze, schlag‘ nur froh und leicht, 

selbst wenn der Himmel dunkel wär‘,

wenn um Dich brüllt’ der Hölle Heer, —

Du bist der Fels, der niemals weicht!


Durch Deiner Liebe Macht allein

wirst Du für alle Ewigkeit,

in allem Glück und jedem Leid,

allzeit unüberwindlich sein. 


© RKS 2018

VATERSEGEN

 

Die Tage gehen rasch zu Ende,
die Zeit rast schneller als man glaubt. 
Ich lege segnend meine Hände
dir auf das jugendliche Haupt. 

Bei dir sind in den künft‘gen Tagen
das Herz und die Gedanken mein. 
Es mag im Leben manches Fragen
auf Dauer ohne Antwort sein. 

Dann suche, sie in dir zu finden;
du gibst dem Leben seinen Sinn. 
Und will die Klarheit sich entwinden,
dann nimm es manchmal einfach hin. 

Ich lege segnend meine Hände
dir auf das jugendliche Haupt. 
Mein Sommertag ist längst zu Ende,
mein Lebensbaum steht bald entlaubt. 

© RKS 2019 

EXISTENZ

 

Streichend über

das Tuch der Zeit

lebe ich

im Auf und Ab

folge stetig

den Streifen der Tage

und blicke

im Keller der Seele

auf den losen

Ballen der Unendlichkeit


© RKS 2023 

24.10.25

GEDANKEN ZUR NACHT

 

Sollte ich der 
Liebe nicht würdig sein,
so verzeiht mir!

Die Welt ist da,
und Myriaden Sterne. 
Und ich. 

Sollte ich den
Hass verdienen,
so vergebt mir!

Die Welt ist da,
und Myriaden Sterne. 
Und ihr. 

Liebe und Hass,
Würde und Verdienst?

Die Welt ist da,
und Myriaden Sterne. 
Und wir. 

© RKS 2024

TREIBGUT II

 

Laute umherirrend

durchs Wortmeer treibend

als Stammeln angeschwemmt

am Gedankenstrand


©️ RKS 2025 

CHERCHEUR

 

tief in mir 

forsche ich 

nach sprache

der heimstatt für

all die gedanken 

für das ungesagte

und das unsagbare

das in mir wuchert 


muss suchend 

im exil leben

wie lange wohl

die worte mir 

noch asyl gewähren


© RKS 2023 

FRÜHSOMMER

 (Haiku) 


Blühendes Rapsfeld

lässt mein Herz im Innersten

glücksgelb aufleuchten


© RKS 2023 




TERRA NULLIUS

 

Jenseits aller Grenzen Strich,

wohin je er auch entwich,

fand er ausgestoßen sich. 


Stets jagte ihn ein jeder fort,

keiner fand ein gutes Wort, 

nirgends war ein sich‘rer Ort. 


Aus allen Landen nur verbannt, 

hat in die Seel‘ sich eingebrannt:

Heimat, — für mich ein Niemandsland!


© RKS 2024 

STRANDGEDANKE

 (Haiku)


Vertreiben lautstark 

das Grau rings um mich — Schreie

aus Möwenkehlen 


© RKS 2024 

GANZ GEWÖHNLICH

 (zu: ‚Joseph und seine Brüder‘ von Thomas Mann)


habe keine neun Brüder 
nicht einen und keine 
zwei Söhne Brüder 
zu sein nicht einen
wurde wohl auch schon 
verraten aber nicht verkauft 
bin kein stellvertretender Herrscher
aber unmittelbarer Untertan
ich denke auch 
nicht an Rache 
bin ohne Macht und 
doch nicht lächerlich 
nur so erschreckend 
durchschnittlich und normal
Mensch eben 
will ich sein 
den Rest muss 
Gott hinzufügen 

©️ RKS 2025 


Dieses Gedicht wurde in Heft 68 des Literaturmagazins 
„DICHTUNGSRING - Zeitschrift für Literatur“ abgedruckt, das sich anlässlich des 150. Geburtstages von Thomas Mann mit dessen Werk auseinandersetzte. 


HIMMELREICH*

 

hoch über der Stadt

lagst du einst einsam

und wild im Wind

leise sprach das Gras

mir von der Erde

und die Büsche wispernd

von den hohen Lüften

zum Flusse mich weisend

der unten in der Ebene glänzend

zum fernen Meere floh

meine Augen suchten

den Bussard im Blau 

der mir den Himmel kündete

mich innen reich machend


© RKS 2025 


* = „Himmelreich“ wird eine — in Kindertagen vom Bundesgrenzschutz als Übungsplatz genutzte — Hochfläche am Westrand meiner Geburtsstadt genannt. 

AD FINEM

 

Welt in Weiß und Grau getaucht
Mondlicht brennt auf der Stirn
Ich neige sie zu den Worten
Eis und Tod und lange Nacht


Es zeigt die Kürze der Tage
Belastende Umstände der Horizont
Verschwimmt in weiß bedeckten Wiesen


Die schneeigen Lieder der nahen Nacht
Atme ich tief hinab in die Seele
Noch letzten Klang von Stimmen im Ohr


©️ RKS 2021 

EIN WUNDER

 (Quatrain)


Dringt dein Bildnis in den Sinn mir ein,
weicht die finstre Nacht dem Sonnenschein,
blühen tausend bunte Blumen auf,
steht des Himmels Tor der Seele auf …

© RKS 2021

AUF DER INSEL

 (Tanka)


Oktober — Nordost 
weht würzigen Duft vom Meer
in meine Nase,

erweckt die Sehnsucht der Seele,
den Traum der Ferne in mir. 

© RKS 2022

DER RASTLOSE I

 

Siehst du die Mauersegler dort

am hohen Himmel kreisen?

Auch ich hab‘ keinen festen Ort,

muss immer reisen, reisen

nur immerzu von Land zu Land,

so wie die Winde weh‘n,

drum küss‘ ich nochmal deine Hand, —

Leb‘ wohl! Auf Wiederseh‘n! 


©️ RKS 2020 



23.10.25

DANSE SAUVAGE

 (vierzeilig, 3 Strophen, Kreuzreime, wechselnde Kadenz)


Es hat den Wald mit finsterem Glanz

die Nacht so mattschwarz beleuchtet. 

Der Tau hat nun mit glitzerndem Kranz

die Au am Morgen befeuchtet. 


Rasch eilten als stumme, spukenden Schar 

hin über die waldigen Wellen,

mit wallenden Nebelbändern im Haar,

die Sylphen und ihre Gesellen. 


Sie flogen hin in rastlosem Tanz,

bis Tau die Gräser befeuchtet‘, 

und kaum den Wald mit finsterem Glanz

die Nacht noch mattschwarz beleuchtet. 


©️ RKS 2025



Das Gedicht schrieb ich bereits 2020. Ich habe es überarbeitet, und in die vorliegende Form gebracht.