3.11.25

SZENERIE

 

Langsam dunkeln 

die Kornraden ein 

Ein Kätzchen mauzt 

gute Gründe dafür habend 

Der Fuchs schnürt umher 

schleicht leise durch die 

in der Wiese tief verankerten Schatten


Er aber sitzt nachdenklich 

dort am Gatter und 

schaut zu den Bergen 

obwohl sich längst 

schon Sterne zeigen

Er fühlt die Wolken wie sie 

sich langsam zu ihm drehen 

stumm verharrend 


Seine ganze Habe ist 

ein alter Benz O 319 

aus dritter oder vierter Hand 

damals viel zu teuer gekauft 


Dann nimmt er das Kätzchen 

setzt es behutsam zärtlich 

in sein Hemd und 

fährt los in die Nacht 

Der Fuchs kümmert ihn nicht


© RKS 2024 

FREMD

 Fremder


war ich und 

zu Gast lang 

genug in der Ferne 

die Grate hinauf 

wollte ich nicht schauen 

tief verborgen dort 

in den Schluchten 

bitteres Kraut zwischen losen 

Steinen in den Nächten 

erstarrte der Wald 

zu kalter Schwärze mein 

Blick ersehnte das 

Glimmen des Morgens 

segelte windlos dahin 

auf Wassern der Schwermut


© RKS 2024

DAS NIE

 Einst lag


die Nacht ganz locker 

zwischen den Fingern und 

der Name irgendwie 

fast auf der Zunge 

etwas Undefiniertes auch 

in der Luft oder 

alles an den Anderen 

vielleicht Licht auf 

den Bergen aber 

eben keinesfalls Staub 

auf den Gedichten 

das nie ... 


© RKS 2024 

ÜBERSCHÄTZT

 (Limerick) 


Ein ambitionierter Gockel aus Wicken 

ließ sich bei den Hühnern nie blicken;

sprach: "Meine Domäne 

sind Gänse und Schwäne!" 

Und so endete er als McChicken.


© RKS 2017

KOPFSCHMUCK

 (Limerick)


Ein Tourist erstand einst in Stams, 

nebst dem Hut, auch den „Bart einer Gams".

Seine Frau — nicht entzückt! — 

rief: „Ich werd' noch verrückt!" 

und entsorgte den Hut mit dem Krams.


© RKS 2016

DIE WEIDE

 (Umarmende Reime)


Eine Wolke schmiegte abendlich heiter 
an die Weide am Flusse sich an. 
Als der Wind dort sein Tagwerk begann, 
zog am Morgen sie frühe schon weiter. 


Wie ein Hauch aus todkalten Grüften 

liegt's nun auf den trauernden Zweigen.

Der Baum scheint sich gramvoll zu neigen, 

und sein Weinen verrinnt in den Lüften.


© RKS 2020 


NOVEMBER

 (Haiku)


Die Blätter fallen

Modernde Buntheit bedeckt

Boden und Seele 


RKS 2022 


INNENLIED

 

Tief in mir klingt ein Lied 
von Freude und Leid.
Was auch immer geschieht 
in der Welt, in der Zeit, — 
hör das Lied ich nur klingen, 
fange an ich zu singen, 
und bin wieder zu allem bereit.

©️ RKS 2017

IN DER BRANDUNG

 

Den beharrlich schweigsamen Frost 

kann ich zwar nicht leiden, 

aber bald kommen die Fluten. 

Sie werden alles bedecken, 

alles überschwemmen. 


Doch ich bin ein Felsen.

Ich werde still daliegen und warten, 

denn Eile ist mir fremd. 


Dem Wasser hingegen nicht; 

es ist meist so geschäftig, 

will immer weiter und 

faselt ständig vom Meer.


Mir ist das zu hektisch.

Ich habe Zeit. Schon 

seit Jahrtausenden.


© RKS 2020

DASEIN

 

Der Raum trocknet 

in die Zeit hinaus 


Die Zeit verdampft 

in die Weite des Raumes


Das Sein kristallisiert 

irgendwo dazwischen aus


© RKS 2015

2.11.25

WO?

 

Oben in Stürmen 

die Wolken sich türmen, —

mit ihnen treibet das Denken ins Weit. 


Unten am Strande, 

im knirschenden Sande

fließet die schummrige, herbstliche Zeit. 


Hinter den Mauern 

wohnet viel Trauern, —

dort liegt der Tod mit dem Leben im Streit.


RKS 2020

NCHI ILIYOCHOMWA *

 

dieses Brennen 

in der Nacht 

glühende Finsternis 

hat Asche hinterlassen 

sie verweht 


und wie kalter Rauch 

zieht es wabernd 

hinweg übers Herz.


©️ RKS 2025 


* = Swahili: verbranntes Land

Eigentlich aus 2022, überarbeitet. 


MIR WIRD‘S ZU BUNT

 

Ich sehe heute schöne Dinge:

Am Himmel grüne Pfifferlinge, 

im Teiche schwimmt ein weißes Rind, 

im Stalle muht das Schwanenkind, 

dort drüben fliegt ein blaues Schaf, 

die Krähe singt sich in den Schlaf, 

ein gelber Hund kommt aus der Schule, 

der Adler wälzt sich in der Suhle, 

dieweil der Keiler krächzend fliegt, 

ein Kaulbarsch auf der Wiese liegt, 

wo er gemütlich wiederkäut ...


Mir schwant allmählich, dass ich heut', 

als morgens ich mein Müsli aß, 

dann wohl „die Arzeney" vergaß.


Die Bilder werden so extrem 

nur, wenn ich keine Pillen nehm'!


RKS 2019

NACH DEM ABSCHIEDE

 

Keine Begegnung mehr 

Blicke treffen sich nicht 

Worte bleiben lautlos


Nur die Sehnsucht

Tränen geweint

das Herz wund 


: Leere 


RKS 2022

ALLEIN IM HERBST

 (Quartain)


Anstatt uns im Abschied zu üben,

lavierten wir seltsam herum. 

Nun wand‘re ich seufzend im Trüben, 

— Allein! — Herz und Seele sind stumm. 


© RKS 2022

GLOWING

 (Quartain)


Wie dort im Herde rot die Kohlen glühen,

brennt eine Sehnsucht tief in meinem Herzen.

Mag‘s dunkeln auch, ich fühle doch erblühen 

ein Licht in mir, als strahlten tausend Kerzen. 


© RKS 2022

ANFANG NOVEMBER

 (Quartain)


Krähen fliegen übers Feld,

zanken krächzend in den Bäumen. 

Rings um mich versinkt die Welt

still in grauen Herbstesträumen … 


© RKS 2018

1.11.25

FREIHEIT

 

Ich komme 
und gehe
ohne zu fragen
wie der Wind
wie das Licht
wie die Morgensonne
wie der Abendschatten
wie der Vogel und
wie der Löwenzahn
lasse ich all
mein Sein fliegen
fort ins Irgendwo 

©️ RKS 2025    

THERE‘S MUSIC IN THE AIR

 

Wie dünner Rauch
stieg ein Lied
empor und Atem
und Atem sank Nacht
auf die Stadt
die Melodie überall
ziellos verteilend und
der Tanz begann …

©️ RKS 2025