20.11.25

LICHTES BLAU

  

Über mir der Himmel

ist wie immer lichtes Blau,

das seidene Innenfutter eines

dunklen und leeren

Universums der Stille. 


©️ RKS 2023 



GREUNE STEE

  

Sonne lächelt durch

die blattlosen Schwarzerlen. 

Hinter dem Ried 

lautstarke Wortgeplänkel 

kommunikativer Wildgänse. 

Das Rauschen der Brandung

schleicht über die Salzwiesen daher. 

Zwischen den Birkenstämmen

plötzlich vier Lauscher,

und kurz darauf zwei springend

ins Unterholz hastende Spiegel. 

Der ganze Sumpfwald atmet 

goldenen Winterfrieden. 


©️ RKS 2023 



VERSINKEN IM GRAU

 es ist

dieses farblose meer auf

dem begriffe wie boote

segeln und dazwischen dunkel

ein weg in grauer borke auf

dem tage vertrocknen und

der alte häute öffnet für

gedanken und imaginationen

vom rande des universums

an dem laute mit worten 

eingestickt im grau versinken


© RKS 2025 


NEBELMOND

 nebelmond 

buntblattteppich 

gänsezugschreien 

herbstzeitlosblüte 

kahlbaumskulpturen

tiefsonnenglanz 


alleewindgetöse 

waschküchennebel 

herbstnasswolken 

raureifgeglitzer

frostbissnächte


wintererwartung



©️ RKS 2017 


INSELHERBST

 

Die Hundsrose in spärlichem 

Herbstgelb mit roten Perlen 

durchsetzt duckt sich 

vor den Winden in 

den Hang schon träumend 

vom Duft neuer Blüten


© RKS 2024


TRISTE REISE

 

Unter Wolkengrau 

zieht Stadt um Stadt 

am Fenster vorbei. 

Unbeirrt lässt sich

der Strom von uns queren, 

denn ihn kümmern 

unsere Wege und 

Ziele nicht. 

Traurig stehen

die Bäume entlaubt. 


©️ RKS 2025 


TROTZ ALLEM

 

Deine Gunst will ich erstreben, 

was auch ferner kommen mag, 

jedem Unbill hier im Leben 

will ich trotzen Tag für Tag.


Wonne sind ja deine Blicke, 

brächten sie mir einst auch Not.

Streben will ich nach dem Glücke, 

selbst wenn Kummer darin droht.


Seh' ich deiner Augen Strahlen, 

kümmert mich das Leiden nicht.

Wer gedenkt der Hölle Qualen, 

sieht er solch ein himmlisch Licht?


©️ RKS 2020 


MONDLIPPENGEDICHTE

 

Blasse Strophen

Vers um Vers


perlen im Dunkel 


im Dunkel 

der Nacht


sinken nieder

sinken


auf das Pflaster 

das Pflaster


flüstert 

lauthals 


Mondlippengedichte 



©️ RKS 2022 



NACHT ZUM TOTENSONNTAG

 
Ferner Sterne fahler Schein 
perlt vom schwarzen Himmel nieder
auf den totenstillen Hain. 
Lang verstummt sind Klag‘ und Lieder. 

Lautlos stehen Busch und Baum,
alles Sein wirkt wie geronnen,
und die Welt ist, wie im Traum,
ganz in Stille eingesponnen. 

Meines Herzens sehnend Beben
geht zu all den Lieben hin,
die schon schritten aus dem Leben, — 
ach, wie schwer wird da mein Sinn!

Plötzlich dringt durch all dies Schweigen
neuer Mut mir tief ins Herz,
da der Sterne lichter Reigen
ihren Gruß schickt erdenwärts. 

© RKS 2024 


19.11.25

SYLLABUS

 

Bis sanft sich öffnet die Blüte,

die sprossende Knospe begleiten,

vom Sterne still lassen sich leiten,

der vor Äonen dort glühte?


Ach, es bleibt wohl manche Frage,

wenn man kraftlos wird und matt,

und zur Erde sinkt das Blatt 

welk am End‘ der Lebenstage. 


©️ RKS 2025 



IM APFELBAUM

 

Großvaters Murmeln

im Garten zwischen den 

Bohnen und Hochstammrosen

klammert sich an jedes 

Blatt und versteckt

sich schließlich lächelnd 

im Apfelbaum


©️ RKS 2025 



18.11.25

WALDESEINSAMKEIT

 

Ich lieb’ des Waldes Einsamkeit,

wo leis’ im Grunde unter Bäumen

die kleinen Bächlein murmelnd schäumen

in trauter Abgeschiedenheit. 


Ein Rehbock schreckt zu mancher Zeit,

dann wieder Stille in den Räumen,

dort ist der Ort zum Sinnen, Träumen, —

im Walde, von den Menschen weit. 


Hier kommen andere Gedanken,

hier wird das Herz so froh und weit,

hier weichen Weh und Ach und Leid,


hier gelten nicht des Daseins Schranken,

hier schwinden Welt und Raum und Zeit …

— Ich lieb‘ des Waldes Einsamkeit!


© RKS 2024 



NUR DICH

 (Triolett)


Was mir bieten Erd‘ und Meere,

ließ’ ich alles liebend gern!

Eins nur ist‘s, das ich begehre,

was auch bieten Erd‘ und Meere:

Aus des Himmels weitem Heere

dich, den einzig holden Stern!

Was mir bieten Erd‘ und Meere,

ließ‘ ich alles liebend gern! 


©️ RKS 2024 



EMOTIONS

 emotions


die stille zittert ein gerücht 
aufgelöst in triftigeren versionen
weint das leiden erneut im park 
und dämmerstunden fließen 
den entflammten mond entlang

©️ RKS 2023 


ÜBERDRUSS

 

Leer und lautlos steh‘n die Felder,

Nebel hängen in der Luft,

still ermattet liegen Wälder 

karg entlaubt im Morgenduft. 


Frost bedrängt die späte Blüte, 

schwindend ist des Lichtes Macht. 

Schauernd zieht mir durchs Gemüte 

Ahnung naher Winternacht. 


Grau ragt auf die Gartenmauer,

Krähen kreischen laut im Flug,

und mein Herz füllt sich mit Trauer …

Herbst, ich hab‘ von dir genug! 


© RKS 2020