15.11.25

HERBSTPHANTASIE

 

Lange Nächte, wirre Träume, 

bunte Blätter, kahle Bäume, 

Krähen krächzen hinter Steinen, 

fahle Wesen mit drei Beinen 

und fünf Armen dort im Nebel, 

jemand drückt auf einen Hebel, 

und ich stürz' ins Bodenlose.

Blut strömt aus der Zuckerdose, 

tote Augen dort im Keller, 

alles dreht sich, immer schneller, 

schwarze Angst tropft von den Wänden.

Nebel nagt an meinen Händen, 

Grau hüllt alles Leben ein, 

plötzlich bin ich schrecklich klein, 

Kälte greift nach meiner Seele, 

etwas fasst an meine Kehle.

Eig’ne Stimme klingt erst laut, 

dann, als hätt' man umgebaut, 

plötzlich wie aus weiter Ferne.

Mond ist rot, und blau die Sterne, 

Himmel, Wolken, alles wirr. 

Als ich mich im Wald verirr',

kann ich voll Entsetzen hören, 

wie es kichert hinter Föhren, 

ächzt und stöhnt dort bei den Buchen, 

panisch meine Augen suchen 

einen Weg, um zu entweichen 

dem Geheule bei den Eichen.

Ist da nicht ein grauses Wittern?

Ach, es schüttelt mich ein Zittern, 

fühle mich gejagt, gehetzt ....

Nun zwing' ich mich ins Hier und Jetzt, 

wo ich Blick und Traum entwirre ...

Der November macht mich kirre!


©️ RKS 2017



FLÜCHTIG IM DUNST

 

gedanken verschwinden 

im nebel des nichts 

ziehen mich mit sich fort 

und ich verliere mich an 

eine blinde trostlosigkeit 

die gedanken und seele 

blutend hinterlässt

ohne spur oder

erinnern


dein schrei klingt mir nach 

ich eile ihm hinterher

doch er verhallt 

im stimmengewirr 

wispernder gestalten 

die flüchtig im dunst

entschwinden


allein und stumm 

im dunkel des herzens 

verirrt im innern des ich 

schmerz oder lust 

schwarz oder weiß 

sein oder vergehen

nichts


©️ RKS 2017



EN OTOÑO

 

Jauchzer und Klagen 

Seit' an Seit' 


Fallen und Farben

Ton in Ton


Seufzend

ruft uns die Erde 

nach Haus zu sich


RKS 2023



QUADRATUR

 

als wir innehielten 

sank die Nacht herab 

auf unsere Augen Lider 

und Brauen unter dem 

stillen Murmeln des Mondes 

zitterten die Blatter wissend dass 

es Zeit ist für warme Kleidung 

während wir am Ufer zusahen 

wie der Regen das Wasser 

des Flusses durchlöcherte 

als wir die immer gleichen Worte 

in immer anderer Weise 

aneinander vorbei redeten

ohne innezuhalten

sank die Nacht herab 


© RKS 2023 



14.11.25

DEINE AUGEN

 

Aus deinen wunderschönen Augen 

fließt lauter Zärtlichkeit mir zu. 

Ach, ich spür’, wie sie fort mir saugen 

die Unrast, und mir geben Ruh'.


Du hast zu Dir damit gezogen 

mein Herz und meine Seele ganz. 

Ich hab' verliebt mich festgesogen 

an deiner Augen lichtem Glanz.


RKS 2025



Eigentlich aus 2019, nun überarbeitet. 

WAS BLEIBEN MAG

 

Ich weiß, ich werde weiterleben,

wenn niemand mehr gedenket mein. 

Ein neues Sein wird mich umgeben,

schaut einst Gevatter Tod herein. 


Was bleiben mag, sind meine Lieder

von Dasein, Liebe, Glück und Schmerz. 

Sie mögen klingen immer wieder,

trösten vielleicht ein wundes Herz. 


©️ RKS 2025 



Eigentlich aus 2020, jetzt überarbeitet. 

13.11.25

SCHLAFES GEHEIMNIS

 

Ganz leise sinkt die Nacht hernieder

und stille wird es im Gemüt. 

Ich schließe meine Augen wieder,

da Hypnos‘ Blume mir erblüht. 


Sogleich hat Morpheus mich umstricket,

es öffnet Phantasos sein Tor, —

was nun mein geistig Aug‘ erblicket,

sah niemals noch ein Mensch zuvor!


Mich füllet Angst, und doch auch Wonne,

ich finde weder Rast noch Ruh‘!

Doch kurz bevor sich zeigt die Sonne,

deckt Lethe die Erinn‘rung zu. 


Am Morgen wühlt in meiner Seele

das Brennen still geahnter Pracht. 

Mein Herz, als ob ihm etwas fehle,

sehnt schon herbei die nächste Nacht. 


© RKS 2018



ONCE UPON A TIME

 

Mit dem Geruch

von Salz treibt 

mein Sehnen lautlos

an den Strand. 


Das Meer flüstert

von den Schatten

meiner Seele,

singt von Grenzenlosigkeit

und Liebe. 


Da klingt irgendwo

noch etwas mit,

eine Melodie,

die ich längst vergaß. 


Und so graben

meine Zehen im Sand

nach den lichten Tagen 

vergangener Kinderzeit. 


©️ RKS 2025 



DURÉE

 

Nur weil wir 

etwas permanent tun,

bedeutet das 

noch lange nicht

Dauer. 


Ob wir tanzen

wie Staub im Sonnenlicht,

ob wir verschwimmen

wie Regen an der Scheibe,

wir sind dennoch 

nie dieselben Menschen. 


Selbst im Vergessen

ändern wir jede Sekunde

uns selbst. 


©️ RKS 2025