Wer kann schon sagen
wo es ist wenn
keiner es sieht
Keiner weiß
woher es kommt
Niemand weiß
wohin es geht
Und doch ist da
dieses Licht unter dem
immer wieder der Kern
des Seins sichtbar wird
und die Tiefe der
Seele erleuchtet
©️ RKS 2025
Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
Wer kann schon sagen
wo es ist wenn
keiner es sieht
Keiner weiß
woher es kommt
Niemand weiß
wohin es geht
Und doch ist da
dieses Licht unter dem
immer wieder der Kern
des Seins sichtbar wird
und die Tiefe der
Seele erleuchtet
©️ RKS 2025
(Quatrain)
Ich begeb’ mich in die Ferne,
überwinde Raum und Zeit,
und versenk’ mich nur zu gerne
in des Traums Unendlichkeit ...
©️ RKS 2020
(Sestain)
Erschaudernd dehnt die Erde alle Glieder,
dann streicht sie, noch ganz sonnetrunken,
sich aus dem Haar die letzten Lichtesfunken,
sagt ihr „Adieu!“ der hingeschied‘nen Sonne,
fühlt nun ganz mild um sich des Dunkels Wonne,
begebend tagesmüd‘ zur Ruh’ sich wieder.
©️ RKS 2020
(Septett)
Der Sommer geht. Ich will auch dieses Jahr
euch viel von ihm in meinem Liede sagen:
von schwarzen Nächten und von blauen Tagen,
vom Wald, von Feldern, die viel Früchte tragen
von Lerchen, von der Nachtigallen Schlagen,
von junger Liebe und den alten Klagen,
und von der Luft, die voller Düfte war ...
©️ RKS 2020
Will nun schlingen meine Arme
um dein steinern kaltes Bild,
bis sich dir der Leib erwarme,
Blut durch deine Adern quillt.
Bis des Steines starre Rinde
durch den Kuss der Liebe fällt,
und ich so Erfüllung finde ….
Nichts sonst will ich auf der Welt!
©️ RKS 2021
Ich schaue in des Kruges Tiefe,
erblick‘ darin den Himmel mild,
und plötzlich ist‘s, als ob da riefe
geheimnisvoll ein Zauberbild …
Ins Herz dringt lockend mir das Rufen,
weckt Sehnsucht, tief und voller Macht,
lässt sehen mich des Himmels Stufen,
und tausend Dinge reiner Pracht.
Dann fallen plötzlich meine Tränen
hinein, und löschen aus den Trug.
Da flieht das zauberische Wähnen, —
nur Wein glänzt dort! — mir ist‘s genug.
©️ RKS 2021
Wie gern ging ich zum Himmelsrand
mit Dir, ganz zärtlich Hand in Hand,
die Blicke still empor gewandt …
Die Schau durchstreift das Himmelsweit,
wir blicken hin durch Raum und Zeit
in liebevoller Zweisamkeit.
Zwei Herzen mit dem gleichen Schlag,
ziehen wir so durch Nacht und Tag,
so weit der Himmel reichen mag.
© RKS 2018
Noch gemeinsames Singen
in gutgelaunter Traurigkeit.
Betreutes Verdämmern,
die weißen Flecken
nehmen langsam zu.
Erinnerungen verweigern
sich mehr und mehr,
bis irgendwann
alles weiß wird.
Und früher oder später
kommt die finale Schwärze.
© RKS 2024
(Quatrain)
Was je mich traf in meines Lebens Spiel
an Leid und Glück zu allen Tagen,
das musst‘ ich dir im Stillen sagen,
drum warst du, Gipfel, gar so oft mein Ziel.
Und wieder bist du mir der rechte Ort
mit deiner Winde trautem Rauschen ...
Doch will ich heute lieber lauschen, —
ich überlasse dir, o Berg, das Wort!
©️ RKS 2020
negativliste
vergessener horizont
schieferhimmel
über galenitmeer
voll ermordeter zeit
leere
überfüllt mit
: warten
© RKS 2023
Zwischen den Zeilen
führen verwunschene Wege
mitten ins Selbst.
Das Lesen geschieht
auf eigene Gefahr.
© RKS 2023
(Quintain)
Verstreut schlafen seitwärts die Häuser.
Das einsame Schild langweilt sich zu Tode.
Der Straße merkt man nichts an.
Am Gartenzaun gammelt eine Warntafel.
Der Dobermann verkündet freundlich,
dass er hier wache. Unsichtbar.
Das scharrende Huhn des Bauern
bringt plötzlich einiges zutage …
Die Polizei bittet um Hinweise.
© RKS 2023
Unten an den Hängen
noch viel Gehölz,
in der Weite des Tales
das satte Grün,
wo Orangenbäumchen,
diszipliniert in Reih‘ und Glied,
gegen die Sonne
ihre Stellung tapfer halten.
Oben der nackte, rotgraue Fels,
nur noch vereinzelt
von niedrigen Pinien bestanden,
der das wenige Wasser
in seinen karstigen Tiefen
verschwinden lässt, um es
zu reinigen, und am Fuße
in Quellen wieder auszuspeien.
Auf den höchsten Höhen
herrscht heilige Ruhe,
um die verwunderten Augen
nicht zu stören
bei ihren Blicken
in beschauliche Täler
und zum glitzernden Meer.
©️ RKS 2022
* Valencià** für „Auf den Höhen des Mondúver“
Der Mondúver (val. Mondúber) ist ein Bergmassiv
etwa 60 km südlich von València.
** Valencià (span. Valenciano) ist die Selbstbezeichnung der valenzianischen Sprache, einer Varietät des Katalanischen.
(geschrieben zum 5. Todestag)
Ingo Baumgartner (1944 - 2015) gewidmet
Dichtend hast einst Du gelebt;
hast in Worte gegossen,
was in den Geist Dir geflossen
und tief Deine Seel‘ hat durchbebt.
Wie oft berührtest Du mich,
wenn lesend und träumend ich sann —
und plötzlich ein Lächeln gewann;
wie jetzt im Gedenken an Dich!
©️ RKS 2020
ich sitze
hier am klavier
und fühle
wie meine finger
langsam einfrieren und erstarren
als mich
die weißen und schwarzen
tasten so vorwurfsvoll
anstarren und mich
wortlos fragen warum
ich ihnen gedankenlos
töne entreiße
und im zimmer verteile
obwohl doch
krisenzeit ist
©️ RKS 2020