12.8.25

ZURÜCKKEHREN

 

Immer wieder

zurückkehren in

das Herz des Waldes

mit Baum und Waldgeist

mit Tier und Stein per Du

sich verwandeln in 

Tanne und Sylph

Eule und Monolith 

die geheimsten Worte

hören und sprechen

in völliger Freiheit

durch die tausend Reiche

kindlicher Träume

ins eigene Herz

zurückkehren


© RKS 2025

11.8.25

OIS A GLOANA BUA …

 (in niederbayerischer Mundart)


Ois a gloana Bua

wenn‘s wieda‘ra Fuchzgal

dalitt‘n hod nochand

bin i mid mei‘m Ra‘l

af Mett‘n ins Glousda g‘fôhn

I hon no ned g‘wißd 

wos Bibbljodeek bedeit

owa de oidn Biachln 

mid Babbirus, Bergament und Leda 

und woas da Deife wos nõ oiss

de hamand mar’a so g‘foin 

das‘e bliebm bin bis de Paddan

g‘sôgd ham das‘e gèh muaß

Und dô hôn a me schõ

g‘fraid af‘s neggsdmoi


© RKS 2025 


Übersetzung:


Als kleiner Junge

wenn mal wieder fünfzig Pfennig

übrig waren dann bin 

ich mit meinem Fahrrad

nach Metten zum Kloster gefahren

Ich wusste noch nicht

was Bibliothek bedeutet

aber diese alten Bücher

mit Papyrus Pergament und Leder

und weiß der Teufel was noch allem

die haben mir so gefallen

dass ich geblieben bin bis 

die Patres sagten ich müsse gehen

und da habe ich mich schon

auf das nächste Mal gefreut


©️ RKS

EL CIEGO

 (Der Blinde)


Hab‘ niemals Bilder, Farben je gesehen,
doch hör‘ ich mehr als Laute, Worte, Lieder,
erkenne selbst nach vielen Jahren wieder
auch jedes noch so zarten Duftes Wehen. 

Und nahen sich der lieben Freunde Schritte,
so ist mein Dasein nicht mehr länger dunkel:
der Sonne und der Sterne Lichtgefunkel
erglüht in mir, bin ich in ihrer Mitte! 

© RKS 2024

BLUE

 (nach einer älteren Idee)


Lautlos wie Fledermäuse

jagen Gedanken ins Weit

: Abendstille


Das edle Nachtblau

mutiert ins Konturlose

: Dunkelheit


Die Perseiden streuen mir

Leuchtspurgeschosse entgegen

: Zeit der Wünsche


©️ RKS 2025

AM MORGEN

 (Kreuzreime mit wechselnder Kadenz)


Das Frühlicht kriecht schon über Hügel, 

betastet lautlos Wald und Feld, 

betupft der Mühle mächt‘ge Flügel, 

beäugt die morgenstille Welt. 


Wie Rauch verweht der Glanz der Sterne. 

Bald steigt der Sonnenball empor. 

Vom Dorfe in der Dämm‘rung Ferne

klingt leis‘ der Glocken heller Chor. 


© RKS 2022


SOMMERLICHES GEFÜHL

 

Ein lichter Glanz von heißen Sommertagen

legt sanfte Ruh‘ auf Wiese, Wald und Feld. 

Der Glocke Ton, des Bussards Laut durchgellt

die warme Luft und wird durchs Tal getragen. 


Im stillen Grund erschreck’ ich auf den Wegen

die Käfer bunt, der Bienen ems‘ge Schar ...

Fasan fliegt auf, der Himmel ist so klar,

und tief in mir fühl‘ ich ein seltsam Regen. 


Mir ist, als wär‘ mein Leib von Schmetterlingen

ganz ausgefüllt, und in der Sonne Licht

strahlt wie im Traum mir hold dein Angesicht

aus einem Busch voll blühender Syringen ...


© RKS 2020 

AUGUSTNACHT

 


Es dringt ein bleiches Strahlen

aus sterngetränktem Raum. —

Der Mond kennt keine Qualen,

und Leid ist ihm nur Schaum. 


Rings wie im Schlafe schweigen

die Linden um mich her,

vom Rauschen müde neigen

sich Äste blätterschwer. 


Nur manchmal, wie in Träumen,

erklingt ein leises Lied,

wenn schaurig zwischen Bäumen

der Nachtwind seufzend zieht. 


Mein Herz, von Ruh‘ durchzogen,

ist frei von Last und leicht,

geglättet sind die Wogen,

und alles Stürmen weicht. 


Nur manchmal regt recht leise

sich doch der alte Schmerz,

dann blickt zum Monde weise,

sich tröstend, auf mein Herz. 


© RKS 2019

10.8.25

ZUM NACHDENKEN

 (Epigrammatisches)


Alles Sorgen ist dir Hürde,

liegt mit deinem Glück im Streit. 

Wirf der eig‘nen Sorgen Bürde

frohgemut ins Meer der Zeit!


©️ RKS 2020

VÖLLIG VERÄNDERT

 (Triolett   ABaAabAB)


Seit wir vom Becher der Liebe getrunken,

haben der Weltlust wir ganz uns entwandt!

Der Ewigkeit Kraft ist ins Herz uns gesunken,

seit wir vom Becher der Liebe getrunken. 

Seliges Glück hat uns zu sich gewunken,

wie wir es niemals zuvor noch gekannt!

Seit wir vom Becher der Liebe getrunken,

haben der Weltlust wir ganz uns entwandt. 


©️ RKS 2025

DU ALLEIN

 (Triolett   ABaAabAB)


Nur für dich hat meine Seele Raum, —

alle andren Ziele sind versunken.

Du allein bist meines Lebens Traum,

nur für dich hat meine Seele Raum!

Was es sonst noch gibt, ist lauter Schaum,

der das Herz mir wirr macht und betrunken.

Nur für dich hat meine Seele Raum, —

alle andren Ziele sind versunken.


©️ RKS 2019

BAND DER LIEBE

 (Triolett  ABaAabAB)


Auf uns sinkt vom Himmel nieder

reiner Liebe zartes Band.

Glück, durchströmend alle Glieder, 

auf uns sinkt vom Himmel nieder.

Rings umher blüht süß der Flieder, 

still wir gehen Hand in Hand, 

auf uns sinkt vom Himmel nieder

reiner Liebe zartes Band.


©️ RKS 2020 

GEGEN DEN TREND

 

das Model

und die Kluft

 

der Reifen  

und die Luft 


der Kaffee 

und sein Duft 


die Leichen 

in der Gruft 


alles wird dünner —

nur ich nehm' zu! 


© RKS 2017 

MUSIK …

 (Triolett  ABaAabAB)


Musik ist jedes Wort gewesen,
und jeder Ton war voller Klang!
Ich hab‘ in Deiner Seel‘ gelesen, —
Musik ist jedes Wort gewesen!
Mein Herze ist daran genesen
und stimmte ein in den Gesang.
Musik ist jedes Wort gewesen,
und jeder Ton war voller Klang!

©️ RKS 2020 


Die beiden Eingangszeilen stammen aus dem Gedicht „Gesang“ (letzte Strophe, Verse 1 und 2) von Hermann Oelschläger (1839 - 1908). 

ERSTER BLICK

 (Triolett  ABaAabAB)


Der Sonne milde Morgenstrahlen

auf deinem holden Angesicht! —

Es sind mit Geld nicht zu bezahlen

der Sonne milde Morgenstrahlen. 

Ganz wunderbare Linien malen

bei jungen Tages klarem Licht

der Sonne milde Morgenstrahlen

auf deinem holden Angesicht. 


©️ RKS 2019

9.8.25

MEMENTO MORI I

 (Umarmende Reime, wechselnde Kadenz, abba abba)


Das Leben wird des Todes Raub. 

Ich werde jährlich mehr mich schinden,

zuletzt des Alters Last empfinden, 

und welken hin wie alles Laub. 


Erst werden meine Ohren taub,

danach die Augen mein erblinden,

vom Leibe wird man letztlich finden

nur kalte Asche, Erdenstaub. 


© RKS 2025 

SOMMERLICH

 (freie Verse)


mit dem Winde kommen

getragen von ihm gehen 

ganz ohne zu fragen

frei wie die Mauersegler

an die geheimen Orte jagen

von der Saat der Gedanken

lebend und unbeschwert fröhlich

die Parachutisten des Taraxacum 

ins Irgendwo segeln lassen


© RKS 2025

BUCHE

 (Fagus sylvatica)


Wie eine Tänzerin 

wird sie sich wiegen

dem Winde ihr Grün

wie Engelshaar schenken

dass er damit spiele

bis sie es Hekate 

überlassen muss und Notos 

es ihr zu Füßen legt

Ihren verzweifelten Ruf hören 

Hexen

der Mond

und die Dichter


© RKS 2025 

AUFGABE

 Was mein Herz wach hält, ist die bunte Stille. *


In durchdringendem Schweigen

nicht abstumpfen 

nicht zurücksinken 

ins gleichgültig Gedankenlose

sondern aus ihm mit der Kraft

des vollen Herzens Worte reißen 

sie dieser Lautlosigkeit abringen 

um den Preis der Ruhelosigkeit

nicht das Schweigen besiegen

sondern sich selbst

Worte geben 


© RKS 2025 


*  Aussage von Claude Monet 

EINE ART VERTRAUEN

 Nur die Hoffnung kauert erblindet im Licht.*


dort im Hellen doch

am Rand der Schatten

zusammengesunken kniend

eine traurige Gestalt

nur den Kopf erhoben

unverwandt nach oben 

die verdorrten Augen noch 

ins Ungewisse richtend

ein irgend Besseres erwartend

gegen jedes Wissen

oder trotzdem

sich keiner Illusion hingebend

nur vertrauend 

in was auch immer


© RKS 2025 


*  Zeile aus „Früher Mittag“ 

    von Ingeborg Bachmann