27.12.25

HEIMWEH

 

Wo fern im letzten Sonnenstrahl
so rot des Meeres Welle blinket,
und Nacht nun sanft herniedersinket,
da endet all mein wildes Wähnen
im Dunkel. Unter heißen Tränen
und ganz die Seele voller Bangen,
frag‘ ich mit herzlichem Verlangen:
Seh’ ich die Heimat wohl nochmal?

©️ RKS 2019 


WALDESRUH‘

 

Ein Seufzen geht durchs Ried,
die Welt scheint schon zu schlafen.
Den weißen Wolkenschafen
singt sanft der Mond sein Lied. 


Im finster stummen Wald
lässt sich kein Ton erlauschen.
Kein menschlich lautes Plauschen
stört meinen Aufenthalt. 


Ich hör‘ dem Schweigen zu.
Aus lautlos dunklen Gründen
lässt Stille mir verkünden:
Hier findest Ruhe du! 


©️RKS 2019 


26.12.25

OHNE TITEL

 

Zur Vermeidung

des Verstummens

hartes Arbeiten

am eigenen Schweigen


Gedichte ein erstes 

sanftes Räuspern

der Seele wenn

Worte auftauchen


©️ RKS 2025 


ANNÄHERUNG

 

aus dem schatten

deiner augen strahlen 

punkte von sternen 

aus der zeit

gefallen ins jetzt

nach dem fühlen

suchend legt sich

deine hand auf 

meine brust irgendwo 

zerbirst in unseren herzen

das schimmernde dunkel

wie dünnes glas 

nur ein sanftes regen

doch zunehmend

nähe


©️ RKS 2025


24.12.25

UNBILL MIT GEISTLOSEN

 

Das Denken

in Kreisen eingeschlossen 

in Labyrinthen 

ohne Ausgang herumirrend 


Das Tor 

des Mundes flutet

die Welt 

mit nutzlosen Worten


©️ RKS 2025

WEIHNACHTSWUNSCH

 

Komm, öffne Dich, mach’ weit Dein Herz,

dass mehr es sei als nur Kommerz,

auch mehr als scheinbar frommes Singen,

und mehr als süßer Glocken Klingen! 


Es sei nicht nur ein Fest der Gaben,

ein Feiern, Schlemmen, alles haben …

Mach‘ es zum Fest der Menschlichkeit, —

komm, öffne Dich, Dein Herz mach‘ weit!


©️ RKS 2025


Gedicht von 2019 überarbeitet. 

WEIHNACHTSHOFFNUNG

 

Ach, du suchst das Licht des Lebens,
siehst oft Nacht und Dunkel nur,
meinst, dein Streben sei vergebens
in des Daseins finstrer Spur?


Blicke auf zu diesem Sterne,
der mit seinem milden Licht,
dir dort scheinet in der Ferne,
auf ihn all dein Hoffen richt‘! 


Gott ist worden Mensch hienieden,
er hält Licht und Heil bereit,
Engel künden dir den Frieden
und der Gnaden frohe Zeit. 


Lass die finstren Truggestalten
nie in Dir bestimmend sein,
denn dies Kindlein will Dich halten,
will Dein treuer Heiland sein!


©️ RKS 2018


JENSEITS DER WORTE

(der Einzigen gewidmet)
 

Ich liebe Dich und werd‘ es immer,
zu aller Zeit, an jedem Ort.
Ich find’, wie für der Sterne Schimmer,
dafür in mir kein rechtes Wort. 


Und dennoch will der Mund mir beben
um Worte, wo es keine gibt …
Ich liebe dich, wie ich im Leben
noch niemals habe je geliebt!


©️ RKS 2020 


DER EINSAME

 

Alte Freundin Einsamkeit,
kamest leis‘ einst in mein Zimmer,
und wichst von mir seither nimmer,
machtest lang mir manche Zeit ... 


Winktest mir nur grüßend zu,
sprachst, ich müsste dich nicht hassen.
Hast mich niemals mehr verlassen,
legtest dich bei mir zur Ruh‘. 


Wär’ ich nun nach langer Zeit
plötzlich deinem Griff entrissen,
würd’ ich dich wohl gar vermissen,
alte Freundin Einsamkeit!


©️ RKS 2021 


23.12.25

AMBIVALENTE WÜNSCHE

 

Ich wünscht‘, gleich einem Geigenspiel,
könnte mein Herz Dir singen.
Es wär‘ des Klanges wohl zuviel, —
die Saiten würden springen. 


Ich wünscht‘, ich könnte voller Macht
den Drang, Dich zu liebkosen,
in Blumen wandeln in der Nacht, —
doch wär’n es zuviel Rosen!


Ich wünscht‘, mir träumte noch einmal,
Dich innig heiß zu küssen, 
doch wär‘s mir eine wilde Qual,
erwachen dann zu müssen.


©️ RKS 2018 



TROSTLIED

 

Als ich in Seelennot geklagt,
hat niemand Mut mir zugesprochen.
Als mir das Herze ward gebrochen,
hat nirgends Hilfe mir getagt. 


Dann kam aus Himmelshöh‘n gezogen
ein Trostlied fein, zu hören kaum:
Und plötzlich war mein Leid wie Schaum,
wie Nebel aller Schmerz verflogen ...


©️ RKS 2020 



22.12.25

AIRMAIL

 

Ach, ich trag‘ dein lieblich Bild 

stets in meines Herzens Grunde,

das so süß und wundermild 

mir vergoldet jede Stunde. 


Täglich drum in mir erklinget 

froh ein zärtlich‘ Liebeslied, 

das sich jauchzend aufwärts schwinget,

und dann eilends zu dir zieht. 


©️ RKS 2022 


TEMPUS OMNIA MUTAT

 

Halt' nicht fest an deinem Jammer!

Weinen bringt vergang'nes Glück 

niemals aus der tristen Kammer 

des Gewesenen zurück. 


Lass das Wissen in dich dringen:

Steten Wandel bringt die Zeit; 

zwar hat Freude Adlerschwingen, 

— doch die hat auch jedes Leid.


© RKS 2020 



NISI HOC MODO

 
Oft hab‘ ich dir geschrieben,
was sich in mir geregt,
welch innig tiefes Lieben 
mein Herze für dich hegt. 

Ach, ich kann dieses Wühlen 
tief in der Seele mein,
dies wundersame Fühlen
nur künden so allein. 

©️ RKS 2025 

Überarbeitung der Verse von 2022. 

SILENTIUM

 (Sestain)

Ich spür‘, wie aus der Seele Grund 

ein Wort, das nie noch ausgesprochen,

sich auf die Zunge schleichen will. 


Da küsset mich dein roter Mund, 

ich fühl‘ des Herzens wildes Pochen, 

— und schweige still. 


©️ RKS 2022 



DONAU IM HERBST

 

Von den Vorbergen grüßt 

in buntem Kleid der Wald.

Der Wind singt von den fernen Weiten 

des Ostens auf seinem Flug 

hinaus in die weite Ebene. 

Die Isar bringt den Alpengruß,

und die Glocken von Sankt Mauritius 

klingen den Fluss entlang.

Träge wälzen sich die Wasser 

auf ihrem Weg zum fernen Meer.

Laub tanzt verspielt am Ufersaum, 

nimmt meine Sehnsucht mit sich,

lässt Gedanken und Träume fliegen.


©️ RKS 2025 


Überarbeitung eines Gedichts von 2019. 


HEAVEN ON EARTH

 

Reglos liegt das Land,

den launischen Herbst

gleichmütig ertragend. 

Das Wäldchen duckt sich 

unter dem kalten Novemberwind. 

In den Pfützen des letzten Schauers

spiegeln sich Wolken und Blau. 

Mir scheint, der Himmel ist

auf die Erde gefallen. 


©️ RKS 2025 



SCHUTZMAẞNAHME

 

Ein frostiger Wind 

rupft an mir. 

Ich ziehe deshalb 

die Decke der Träume 

etwas enger,

und tauche wieder

ab ins Märchenhafte. 


©️ RKS 2025