28.11.25

TRANSIENCE

 

Urd blickt gleichgültig

im Ungenannten auf 

frostigen Pfaden jagen 

wirbelnd lauter modernde

Blätter im Irgendwo

des Herbstes rauschend

zu Boden gesunken 


©️ RKS 2025 

LA VIE ÉTERNELLE

 

Das Irdische sinkt in den Tod hinab,
denn dem Vergänglichen folgt stets das Grab. 
Doch unbegrenzt von aller Zeiten Lauf, 
steht Ewiges in unsern Seelen auf. 

Ein Leben, welches nie verlöschen kann,
das ewig bleibt, weil es in Gott begann. 
Es stirbt nicht, ist vom Leben selbst entfacht,
und rettet uns aus aller Todesnacht. 

© RKS 2024 

UNBEKANNT

 

Es ist durch die Stille der Nacht

ein Klang mir zugeflogen,

und wieder fortgezogen.

Seither schwebt im Herzen ganz sacht, 

als käm's vom sanften Winde,

ein Lied, das ich nicht finde, 

weil's niemals ein Mensch hat erdacht. 


©️ RKS 2024 



25.11.25

SENZA TITOLO …

 geborgen 


endlose Waldwege

abseits vom undurchsichtigen

Gestrüpp der Erinnerung

die Umarmung der 

Stille


©️ RKS 2025 

UNTAMED

 

Ohne Frage • von Schmerz 

— zu Projektilen geformt : Tränen

auf hartem Fels • unverwittert

Dennoch • im Leben 

— eingesperrt : Labyrinth 

aus Gedanken • unzähmbar


©️ RKS 2025

DA—SEINS—FRAGE

Schlaf 

unerklärliches Rätsel

tief und undurchsichtig

unbedachte Undenkbarkeit 

unbewusste Bewusstseinsferne

Nichtsein das im Dunkel 

ist — es träumt? …


©️ RKS 2025 

AB IMO PECTORE

 

Wessen Seele hat empfunden
diese süßeste der Wunden,
die da schlägt der Liebe Sehnen,
kennt das Glück und kennt die Tränen. 


Manchmal brennt vor Schmerz die Kehle,
dann schwappt Lust durch Herz und Seele,
oft ein Nehmen, stets ein Geben, —
das ist Liebe, das ist Leben! 


©️ RKS 2019 



NIGHT LEAVES

 

Langsam bricht der Tag 

aus dem Schummer


Die alte Platane wirft

Krähenschreie in die Luft 


Regen schraffiert den

Platz auf Hochglanz 


Wind blättert Laub

auf das Pflaster


Zeit weicht auf

kommt ins Rutschen


©️ RKS 2025



TROSTLICHT

 

Wenn Dunkel dräut, wenn flieht das Licht, 

wenn es der Seel’ an Trost gebricht, 

wenn ihr kein Stern der Hoffnung scheint,

wird manche Träne still geweint.


O dunkle Stunde, schwere Zeit, 

da rasch vergehen Freud' und Lust, 

da alles scheint durchglüht von Leid, 

und Schmerz erfüllt die arme Brust! 


Wie tröstet dann der Kerze Schein, 

nimmt still den dunklen Kummer fort, 

und flößt dir neu die Hoffnung ein:

Das Weh hat nicht das letzte Wort!


©️ RKS 2025



Eigentlich aus 2020, jetzt überarbeitet. 

CON TE

 Mit dir 


auf dem bunten Floß 

der Phantasie dahintreiben 

still fort bis jenseits 

der Nimmerländer 

durchs endlos weite

Meer der Träume

an die fernen Ufer 

des du und ich


©️ RKS 2025 



WINTERLICHE SZENE

 

Schnee erhellt 

mild die Nacht 

auf dem Antlitz 

weicher Geigenklang 

sterngleich strahlend 

Augen verglimmen 

in der Finsternis 

ein Heulen

fern

das Unbekannte 

tief in uns

Zweifel 


©️ RKS 2024



24.11.25

AUSRUHEN

 


Hinlegen

und lauschen


auf die Musik des Lichts

auf das Lied der Lüfte 

auf den Gesang des Sandes


den Worten 

Stille gönnen

im stummen Flug

der Gedanken


©️ RKS 2022 



22.11.25

WIE EIN SONNENAUFGANG

 

Wild schäumend eilt dahin der Fluss,

der Himmel ist so grau wie Guss

und nirgendwo ein helles Band, —

ich suche bangend deine Hand ...

Ein Lächeln kommt auf dein Gesicht, —

und schon ist alles voller Licht!


©️ RKS 2020 



EIN LEIS‘ GEBET

 (Triolett)


Ich schau‘ dich an und sprech’ ein leis’ Gebet,

dass nimmermehr du gehen woll‘st von hinnen. 

Wenn Zweifel plötzlich nagend in mir steht,

schau‘ ich dich an und sprech‘ ein leis’ Gebet,

worin mein Herze bittet, hofft und ringt und fleht,

es mög‘ das deine bis in Ewigkeit gewinnen. 

Ich schau‘ dich an und sprech‘ ein leis’ Gebet,

dass nimmermehr du gehen woll‘st von hinnen. 


©️ RKS 2020 



MOONLIGHT SERENADE

  

Einsamer Trabant

zieht vorausberechnete

Bahn bar jeder 

— Regung 


Ich schaue 

über Offensichtliches 

hinweg in deine 

: Augen


© RKS 2023



21.11.25

DAS EINE

 
Was frag‘ ich nach der lauten Welt?
Was kümmert mich ihr ganzes Streben?
Was, ob sie mich verachtet eben?
Was, ob mein Dichten wohlgefällt?

Was sollen Ehren mir und Würden?
Was frage ich nach Geld und Gut?
Was gilt mir leiblich Fleisch und Blut?
Was fürcht‘ ich Angst und Not und Bürden?

Was frage ich nach Raum und Zeit?
Was frage ich nach irdscher Gabe?
Was frag‘ ich selbst noch nach dem Grabe?

Nun nichts, wenn mir dies Eine bliebe:
der Liebsten Huld und zarte Liebe! —
Sind sie mein, hab‘ ich Ewigkeit!

©️ RKS 2017 

VORSORGLICH

 

Oft hört man in den Pyrenäen 

die Schafe auf den Matten mähen. 

Dort kann man aber auch entdecken, 

wie Ziegen meckernd Mäuler lecken. 

Es lässt der Krach von Ziegen, Schafen,

den armen Wandersmann nicht schlafen. 

Die Basken tragen drum nebst Mützen

auch Stöpsel, die die Ohren schützen. 


©️ RKS 2019

20.11.25

ZWIESPRACHE

 

Zwiesprache 

im Schweigen


zwischen Werden

und Sein

zwischen Wiege

und Bahre

offen nach innen

nach oben


Antwort

fraglos


© RKS 2023