30.9.25

DORT

 

noch fern überm Wald

gräbt sich ein Leuchten herauf

sichelt Glanz in die Nacht 

gebiert seltsame Wesen 

bleich und unheimlich 

nicht lebendig nicht tot

Das kalte Licht des Mondes


©️ RKS 2025 

PUBLIKUM

 (Freie Lyrik)


WIND

feiert ein rauschendes Fest 


WORTE

schwelgen in tonlosen Romanzen


WIR 

sind nur Beobachter am Rande


©️ RKS 2025

OTOÑAL

 (Freie Lyrik) 


Hörst Du

mich schreibt

eine Stimme

in die Lautlosigkeit 

durch ein Grau

ahne ich

deuten blinde

Augen auf mich

und die Straße 

vollkommen leer


©️ RKS 2025 

MEINE ROSE

 (Vierzeiler, 3 Strophen, Paarreime, Kreuzreime)


Die Rose, sie tanzt keinen Reigen,

denn die Rose ist Schweigen. 

Die Rose, sie brüstet sich nicht,

denn die Rose ist schlicht. 


Die Rose zur Sonne stets bricht,

denn die Rose ist Licht. 

Die Rose ist still immerzu,

denn die Rose ist Ruh‘. 


Im schlichten Schweigen,

in lichter Ruh‘

will ich Dir zeigen:

Meine Rose bist Du!


©️ RKS 2020 

29.9.25

AN DIE STILLE

(Kreuzreime, wechselnde Kadenz)


Ich danke Dir, Du liebe Stille,

dass Du das Sein mir nahebringst!

Und dass Du, so wie es mein Wille,

das wilde Leid in mir verschlingst. 

Du öffnest tief in mir die Truhe,

aus der des Herzens Regen quillt,

und füllst mich mit der Kraft der Ruhe,

die Dunkel, Angst und Beben stillt. 


©️ RKS 2020 

SEUFZEN IN DER NACHT

 (Paarreime, durchgehend stumpfe Kadenz)


Wenn Träume kommen in der Nacht,

sind sie es, was mich seufzen macht. 

Zwar lieb‘ ich‘s, wenn erstirbt das Licht,

wenn kaum durchs Laub der Mondschein bricht,

und Sternenglanz liegt auf dem See …

Wenn ich dann müd’ nach Hause geh‘,

mich sehnend nach der Seele Ruh‘,

so fliegt mein Geist der Einen zu,

die immer neu mich träumen macht. —

Das lässt mich seufzen in der Nacht. 


©️ RKS 2020 

RAT AN DIE JUGEND

 (Sechszeiler, Spiegelreim, abccba)


Verströme Deiner Liebe Gaben,

verschenke ohne Arg und List

das Gute, das Du in Dir hast!

Die Schönheit ist ein flücht‘ger Gast,

der allzu bald gegangen ist,

doch Liebe wirst Du ewig haben. 


©️ RKS 2019 

EGAL

 (Vierzeiler, 2 Strophen, Paarreime, stumpfe Kadenz)


Komme, was auch kommen mag,

es komm‘ bei Nacht, es komm‘ am Tag,

auch scheide, was da scheiden will,

es scheide laut, es scheide still,


seh‘ ich nur stets Dein Angesicht,

so kümmert mich das alles nicht!

Liebst Du mich, mögen weit und breit

vergehen Welt und Raum und Zeit! 


©️ RKS 2020 

DEREINST

 (Vierzeiler, 2 Strophen, Kreuzreime, wechselnde Kadenz)


Die Tage, sie kommen, sie gehen,

und so sinken die Jahre hinfort. 

Doch eines bleibt allzeit bestehen:

ein innig liebendes Wort. 


Und muss ich dereinst selbst enteilen,

weil das Grab und die Zeit rufen mich,

dann möcht‘ ich nur kurz noch verweilen,

und Dir sagen: Ich liebe Dich! 


©️ RKS 2020 

28.9.25

SCHERZO AUTUNNALE

 (Vierzeiler, 5 Strophen, Paarreime) 


Wie goldner Nebel allzumal 

glänzt noch ein linder Sonnenstrahl, 

nur eine Wolke treibt im Blau, 

des Waldes Bunt verschönt die Au, 


die Kraniche, schon winterbang, 

zieh'n südwärts über Tal und Hang, 

vom See her klingt der Gänse Lied 

geschäftig durch das dichte Ried.


Manch letzte Frucht an Strauch und Baum 

erinnert an den Sommertraum, 

nur an den Reben hängen fein 

noch Trauben für den späten Wein. 


Wo Ufersand im Fluss abtaucht 

ist's oft schon glänzend überhaucht, 

denn wie des Todes fahle Hand 

berührt ein kalter Wind das Land. 


Für eines Kusses Atemlänge 

streift nun den Wald und seine Hänge 

voll Zärtlichkeit ein letztes Mal 

ein tief geneigter Sonnenstrahl. 


©️ RKS 2020

27.9.25

SO STILLE …

 (Fünfzeiler, 3 Strophen, umarmende Reime)


So stille liegt der Hafen,

ein friedensreicher Ort. 

Man hört kein einz‘ges Wort,

die Menschen alle schlafen,

der Mond strahlt sanft darein. 


Nur oben, dort im Blauen,

in sternenstiller Nacht,

ziehet dahin ganz sacht

ein Schifflein wie an Tauen;

es treibt dahin allein.


Es fährt ganz leis durchs Dunkel

im nächtlich milden Schein,

zieht in den Himmel ein

bei lichten Sterngefunkel … —

So soll mein Tod einst sein. 


©️ RKS 2021

DIE NACHT

 (Vierzeiler, 3 Strophen, umarmende Reime)


Die Nacht, sie gleicht der weiten See,

da Freude, Leid und tausend Fragen

wellengleich ans Ufer schlagen,

und ich sinnend mich ergeh‘ …


Meine Wünsche sind wie Sterne

hoch in weiten Himmelsräumen. 

Ist es Planen, ist es Träumen, —

wer erkennt das aus der Ferne?


Ich verschließ’ nun Herz und Wollen,

nichts entkommt ins weite Rund,

nur im tiefsten Herzensgrund

sanft die Wellen strandwärts rollen. 


©️ RKS 2020

DEM VATER ZUM ABSCHIEDE I

 

Die Blätter erglühten
im herbstlichen Wald,
die Blumen verblühten,
und nachts war es kalt,

da rief dich ganz leise,
des Todes Gesell‘ …
Du gingst auf die Reise
so schnell, viel zu schnell! 

©️ RKS 2022


26.9.25

WORTLOS …

 

Wie gern hätt‘ ich geschrieben

ein ernstes Dichterwort

vom Leben und vom Lieben,

und von der Wahrheit Ort. 


Doch Worte schnell vergehen,

der Mensch hetzt durch die Zeit;

Wahrheit und Liebe stehen

wortlos in Ewigkeit. 


©️ RKS 2015

DE SPECULAE

 

Aus den Spiegeln

wachsen mir Worte zu, 

die Narben nennen,

Wunden beleuchten, 

Sehnsucht zeigen, 

und mich drängen,

ich möge schweigen. 


© RKS 2023 

WIR

 

Trümmer sind wir 

Treibgut am Strand 

der Einsamkeit 


An fremdem Ort

von den Sehnsüchten 

verstümmelt 


Unerkannte Schätze

verstreut ins Sein


© RKS 2023