15.8.25

VOM RECHTEN HÖREN



Wenn wir mit der Seele lauschen,

hören wir die Liebe singen

und des Friedens Flügel rauschen,

fliegen aufwärts wie auf Schwingen,

und das Herz fühlt sich verwandt

Himmelskräften unbekannt!


©️ RKS 2020 

14.8.25

DEFINIERT

 (Epigrammatisches)


Leben —

ein kurzes Öffnen der 

Augen in der Zeit 


Tod —

ein kurzes Schließen der 

Augen vor der Ewigkeit


©️ RKS 2023

KINDHEITSERINNERUNG

 (Sommerliche Szenerie)


Blaupfeile schweben

über den schlammigen Tümpeln

der sonnenverwöhnten Tongrube. 

Gelbbauchunken tauchen ab

bei der geringsten Bewegung. 

Nach erfolgreicher Jagd

genießt die Ringelnatter

ihr Sonnenbad, und lauscht

dem Gezeter der Rohrammer. 

Ein Rehbock verschwindet

gemessenen Schrittes

zwischen den jungen Birken. 

Das Heuschreckenorchester

sorgt für die musikalische

Begleitung, — und ist

plötzlich still ….


© RKS 2025 

SPÄTSOMMERWIND

 (Naturszene) 


Der Ortolan singt

dem scheidenden Sommer

ein Abschiedslied. 

Die Schatten

sammeln sich 

am Waldrand. 

Träge wälzt sich

der Fluss durch die Ebene. 

Libellen schweben 

rubinrot und lapislazuliblau

am Ufer entlang. 

Ich lache und tanze

mit dem Spätsommerwind,

der die Blätter schon

vor den Herbststürmen warnt, 

als fröhlicher Gast

im vergehenden Sein. 


© RKS 2025 

WIE DIE MAUERSEGLER

 

ich komme 

ich gehe

ich fliege

wie die Mauersegler 

Wind und Sonne

um mich herum

nur Freiheit

nur Leben

nur Traum


© RKS 2025 

13.8.25

CREATIO POEMA

 (Spiegelreim mit durchgehend stumpfer Kadenz)


Wenn im Dämmer letztes Licht 

sich auf Buchenwälder legt, 

fühlt mein Herz oft das Gewicht 

jenes Fühlens, das sich regt, 

und tief drinnen glüht und schwelt.


Dann wird mir der Geist beseelt, 

aller Zweifel fortgefegt, 

suche Worte, klar und schlicht, 

die von Lieb' zu dir bewegt, — 

und ich füg' sie zum Gedicht.


©️ RKS 2022

LE JOUR EST PASSÉ

 (Kreuzreime, wechselnde Kadenzen)

Zu seiner Nachtruh’ taumelnd zieht

ein letzter, sommermüder Falter.

Es singen froh aus Baum und Ried

die Vögel ihren Abendpsalter. 


Noch lässt sich süß der Blütenduft

der Rosen aus den Gärten spüren,

und in der lauen Abendluft

sieht man den Fuchs nun heimwärts schnüren. 


Was jetzt noch ruft und singt und zirpt,

verklingt schon bald mit letztem Tönen. 

Im Westen stumm der Tag erstirbt,

um mit der Nacht sich zu versöhnen. 


© RKS 2020

AUGUSTTAG

 (Kreuzreime mit wechselnder Kadenz)


Der weite Himmel ohne Grenze, 

die Sonne brennt wie Feuerglanz, 

die Schmetterlinge feiern Tänze 

mit wiegend leichter Eleganz. 


Die Winde hüllen sich in Schweigen,

ermattet ruhen Berg und Tal,

kein Vogel rührt sich in den Zweigen, —

des Sommers strahlendes Fanal. 


©️ RKS 2022

UNTERM LINDENBAUM

 

Oft bin ich in hellem Traum

selig unterm Lindenbaum

andachtsvoll gesessen.


Hab’ dort unterm Lindenbaum

allen Lebens wirren Schaum

traumerfüllt vergessen.


Durfte unterm Lindenbaum

in der Seele stillem Raum

sel’gen Frieden haben.


Nun bleibt noch ein letzter Traum:

Möcht’ dort unterm Lindenbaum

liegen einst begraben.


©  RKS  2021

UN CIMETIÈRE ABANDONNÉ

 

Heut‘ habe einen Friedhof ich betreten,

die Steine waren alt und stark verwittert,

sie hörten wohl Jahrzehnte niemand beten …

Ein Schauern hat das Herze mir durchzittert.  


Ich schaute, und ich fand so manche Namen;

Erinnerung an sie schien längst verloren. 

Wer weiß, wie diese all durchs Leben kamen,

und wo die sind, die ihnen nachgeboren …


Mir schien, als könnte ich ganz plötzlich fühlen

geheimnisvoll ein stilles, sanftes Beben,

und der Gedanke hub an, tief mich aufzuwühlen,

dass all die Namen fortan in mir leben. 


Als wollte mir die Schickung schlicht erzeigen,

dass mein Erscheinen hier kein Zufall war,

fing ringsum die Natur nun an zu schweigen, 

und auch das Licht schien eigenartig klar. 


Ich sah im Wind die Gräser sinnend schwanken, 

und musste mit den Vöglein innehalten,

um im Gedenken wortlos Gott zu danken

für sein geheimes, liebevolles Walten.  


© RKS 2024

VERTRAUTES

 

unter fremden sternen 

schlendere ich dahin

kinder grüßen freundlich

verliebte singen lieder

irgendwo bellt ein hund 

und als ich ahnungslos

um die straßenecke biege

kommt mir mein eigenes gesicht

plötzlich entgegen zwar 

nur eine spiegelung 

im schaufenster aber 

immerhin etwas 

vertrautes


© RKS 2024

FESTSTELLUNG

 

die Zahl meiner Jahre 

nimmt stetig zu und

hoffentlich werde ich

nur älter nie alt


will mich weiter verweigern

die Sprache zu misshandeln

sie einzuengen einzusperren

in Gefängnisse jedweder Art


sie ist es doch

die uns das Denken

ermöglicht aber 

sie kann es uns eben

auch nicht abnehmen


ist unser Denken

weit und frei und offen

so werden es auch

unsere Worte unsere Sprache

unsere Herzen sein


© RKS 2025

12.8.25

VOR SONNENAUFGANG

 


Die Nacht geht

und wir wispern uns

letzte Geheimnisse zu

Der Waldkauz und ich 

verstummen und lauschen

Irgendwo in tristen Gärten

flüstern die Toten

in schwere Träume

hinein ihren Schmerz

Niemand kennt die Wege

wandernder Zeiten 

nur Baum und Stein

Aus duftendem Jasmin

die Stimme des Rotkehlchens


© RKS 2025

IN DEN SCHÄREN

 

Unbewohnt

nur Fels mit Wald

einsam im Meer

wie ein verwaister Thron

keine Königin

keine Krone 

nur die heiseren Schreie

von Möwe und Krähe 

sie verbergen Geheimnisse

Wald und Meer

und Stein in

der Stille der Nacht


© RKS 2025