28.12.25

NÄCHTLICHES RÄTSEL

 

Ich hört‘ bei Nacht ein Flüstern hier,

das raubte bald die Ruhe mir. 

Weiß nicht, was es mir sollte künden,

ob neues Hoffen, alte Sünden … 


In mir sich nun die Frage regt:

Was wollte das Geschick mir zeigen

mit Worten, die im Wind verweht,

um dann mich eisern anzuschweigen?


©️ RKS 2025 


RESSEMBLANCE



Manchmal saugt das Papier 

gierig jedes Wort 

aus mir heraus. 

Dann wieder weist es

mich barsch zurück,

verweigert jeden Kontakt. 

Doch zumeist wartet es

schüchtern ab, was passiert. 

Wir sind uns so ähnlich. 


©️ RKS 2025 


SEGRETO DELLA VITA

 Das Geheimnis des Lebens,


es berührt dich,

dringt in dich ein,

bleibt in dir bis

zum letzten Tag. 


Dennoch zieht es

grußlos vorbei,

blickt sich nicht um,

lässt kaum Spuren zurück. 


©️ RKS 2025

MITFÜHLENDE FREUNDIN

 

Mitfühlende Freundin


Wir saßen viele Male im 

Schutz jener Blutbuche im Park,

lehnten an ihrem Stamm.

Sie schwieg selten, sondern

plauderte oft von früheren Zeiten,

manchmal ein leises Lied summend,

uns immer fröhlich zugewandt.

Wir sollten nie, — so bat sie, —

einfach an ihr vorübereilen,

sondern bei und mit ihr

innehalten, verweilen, träumen.

Eines Tages war alles verändert;

sie blieb zunächst stumm,

fragte dann sanft, warum

ich alleine gekommen sei.

Da mich die Worte verlassen hatten,

berührte ich nur ihre Borke,

und sie verstand sofort.

Die meisten Menschen nahmen

von deinem Tode keine Notiz, 

sie aber begann voll Mitgefühl

zu rauschen, und wisperte,

wenn sie es könnte, würde

sie tagelang mit mir weinen.


©️ RKS 2025 


UNSICHER

 

Z  wei

W esen

E  rleben

I   ntimität

F  ortan

E  xistiert

L  iebe


©️ RKS 2025

ZWEIERLEI

 

Zweierlei


existieren — sein 

anwesend — da

zusammen — gemeinsam

allein — verlassen 

abwesend — fehlend 

tot — inexistent 


du — ich

wir sind zusammen 

mehr als vier

Hälften

 

©️ RKS 2025


27.12.25

NACHTRAGEND

 

Seit Jahrzehnten

schimpfen die Krähen 

auf meinen Spaziergängen 

lauthals mit mir. 

Habe ich doch als Junge

stets aufs Neue vergessen,

in die Himmel meiner

Bilder ihre schwarzen 

Silhouetten einzuzeichnen. 


©️ RKS 2025 


HEIMWEH

 

Wo fern im letzten Sonnenstrahl
so rot des Meeres Welle blinket,
und Nacht nun sanft herniedersinket,
da endet all mein wildes Wähnen
im Dunkel. Unter heißen Tränen
und ganz die Seele voller Bangen,
frag‘ ich mit herzlichem Verlangen:
Seh’ ich die Heimat wohl nochmal?

©️ RKS 2019 


WALDESRUH‘

 

Ein Seufzen geht durchs Ried,
die Welt scheint schon zu schlafen.
Den weißen Wolkenschafen
singt sanft der Mond sein Lied. 


Im finster stummen Wald
lässt sich kein Ton erlauschen.
Kein menschlich lautes Plauschen
stört meinen Aufenthalt. 


Ich hör‘ dem Schweigen zu.
Aus lautlos dunklen Gründen
lässt Stille mir verkünden:
Hier findest Ruhe du! 


©️RKS 2019 


26.12.25

OHNE TITEL

 

Zur Vermeidung

des Verstummens

hartes Arbeiten

am eigenen Schweigen


Gedichte ein erstes 

sanftes Räuspern

der Seele wenn

Worte auftauchen


©️ RKS 2025 


ANNÄHERUNG

 

aus dem schatten

deiner augen strahlen 

punkte von sternen 

aus der zeit

gefallen ins jetzt

nach dem fühlen

suchend legt sich

deine hand auf 

meine brust irgendwo 

zerbirst in unseren herzen

das schimmernde dunkel

wie dünnes glas 

nur ein sanftes regen

doch zunehmend

nähe


©️ RKS 2025


24.12.25

UNBILL MIT GEISTLOSEN

 

Das Denken

in Kreisen eingeschlossen 

in Labyrinthen 

ohne Ausgang herumirrend 


Das Tor 

des Mundes flutet

die Welt 

mit nutzlosen Worten


©️ RKS 2025

WEIHNACHTSWUNSCH

 

Komm, öffne Dich, mach’ weit Dein Herz,

dass mehr es sei als nur Kommerz,

auch mehr als scheinbar frommes Singen,

und mehr als süßer Glocken Klingen! 


Es sei nicht nur ein Fest der Gaben,

ein Feiern, Schlemmen, alles haben …

Mach‘ es zum Fest der Menschlichkeit, —

komm, öffne Dich, Dein Herz mach‘ weit!


©️ RKS 2025


Gedicht von 2019 überarbeitet. 

WEIHNACHTSHOFFNUNG

 

Ach, du suchst das Licht des Lebens,
siehst oft Nacht und Dunkel nur,
meinst, dein Streben sei vergebens
in des Daseins finstrer Spur?


Blicke auf zu diesem Sterne,
der mit seinem milden Licht,
dir dort scheinet in der Ferne,
auf ihn all dein Hoffen richt‘! 


Gott ist worden Mensch hienieden,
er hält Licht und Heil bereit,
Engel künden dir den Frieden
und der Gnaden frohe Zeit. 


Lass die finstren Truggestalten
nie in Dir bestimmend sein,
denn dies Kindlein will Dich halten,
will Dein treuer Heiland sein!


©️ RKS 2018


JENSEITS DER WORTE

(der Einzigen gewidmet)
 

Ich liebe Dich und werd‘ es immer,
zu aller Zeit, an jedem Ort.
Ich find’, wie für der Sterne Schimmer,
dafür in mir kein rechtes Wort. 


Und dennoch will der Mund mir beben
um Worte, wo es keine gibt …
Ich liebe dich, wie ich im Leben
noch niemals habe je geliebt!


©️ RKS 2020 


DER EINSAME

 

Alte Freundin Einsamkeit,
kamest leis‘ einst in mein Zimmer,
und wichst von mir seither nimmer,
machtest lang mir manche Zeit ... 


Winktest mir nur grüßend zu,
sprachst, ich müsste dich nicht hassen.
Hast mich niemals mehr verlassen,
legtest dich bei mir zur Ruh‘. 


Wär’ ich nun nach langer Zeit
plötzlich deinem Griff entrissen,
würd’ ich dich wohl gar vermissen,
alte Freundin Einsamkeit!


©️ RKS 2021