28.12.25

MITFÜHLENDE FREUNDIN

 

Mitfühlende Freundin


Wir saßen viele Male im 

Schutz jener Blutbuche im Park,

lehnten an ihrem Stamm.

Sie schwieg selten, sondern

plauderte oft von früheren Zeiten,

manchmal ein leises Lied summend,

uns immer fröhlich zugewandt.

Wir sollten nie, — so bat sie, —

einfach an ihr vorübereilen,

sondern bei und mit ihr

innehalten, verweilen, träumen.

Eines Tages war alles verändert;

sie blieb zunächst stumm,

fragte dann sanft, warum

ich alleine gekommen sei.

Da mich die Worte verlassen hatten,

berührte ich nur ihre Borke,

und sie verstand sofort.

Die meisten Menschen nahmen

von deinem Tode keine Notiz, 

sie aber begann voll Mitgefühl

zu rauschen, und wisperte,

wenn sie es könnte, würde

sie tagelang mit mir weinen.


©️ RKS 2025 


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