15.12.25

DIE QUELLE DER RUH‘


An deinem Herzen ist die Quelle 

der Ruh', ist meiner Seel' Asyl, 

dort ist die wunderbare Stelle, 

wo stets ich tiefen Frieden fühl‘. 


Gern will ich alles Gut verlieren, 

will lassen, was man kostbar heißt, 

wenn deine Huld mich nur mag zieren, 

wenn du das Herz mir nur befreist. 


Ich hab' mein Alles hingegeben, 

das du zurück mir liebend schenkst, 

wenn du mit herzenstiefem Beben 

auf meinen Mund den deinen senkst. 


©️ RKS 2019 



EREMIT

 

Der grau gestromte Kater, 

der hinter dem Fenster scheinbar döst, 

ist ein schweigsamer Weiser, 

den die Welt nicht einmal wahrnimmt; 

er dagegen straft sie mit Nichtachtung.


©️ RKS 2022 



DER WINTER NAHT

 

Die müden Augen sind so traurig, 

wollen nichts mehr seh'n.

Der dichte Nebel wirkt so schaurig 

und die Winde weh'n.


Die müden Ohren sind verbittert, 

hören schier nichts mehr.

Die alten Berge sind verwittert 

und das Meer ist leer. 


Die müde Seele hat beschlossen, 

sie will nur noch Ruh'. 

Die grauen Tage unverdrossen 

geh'n dem Winter zu.


©️ RKS 2018

14.12.25

LOCKED OUT

 

kürzer die tage

licht fast mangelware 

im zimmer rücken 

möbel näher

die räume leer 

niemand kommt


worte ziehen sich zurück 

ohne jede begegnung

in diesem winter

bin ich allein 

die dinge verstummt

nur einatmen

ausatmen 


ein kurzes stocken

versteinerte mienen 

verriegelte pforten

zeit trudelt ins nichts


©️ RKS 2025


13.12.25

INTRAKRANIAL

 

Im Kopf sind Wörter

nur teilweise fest verdrahtet

manche nur locker angedockt 

einige hält man für veraltet

wenn man nicht alt genug ist 

der Rest stürmt durch die Luft

als wären Drachen hinter ihnen her

oder vielleicht sogar Satzwürger

die Sprache zu Tode quälen wollen


Aber im Kopf ist es sicher

Noch …


©️ RKS 2025 



VERANKERT

 

in den erlen  
westlich des endes 
habe ich mein tau
verankert eingesponnen 
in das garn verwobener 
träume die unbegraben 
von den baumkronen 
ins mondlose ragen 

©️ RKS 2025 


HISTOIRE

 
Im Flug 
der Zeit
             das
Gleiten
             ein 
Stürzen

fallen
gelassen

Geschichte 

©️ RKS 2025 


INCONDITIONNEL

 
Jenseits der Uferpromenade
im fahlen Gewirr 
krummer Dünenwege 
paaren sich Schatten 
mit Sanddornbüschen

Auch ich suche
bedingungslos 
deine Nähe 

©️ RKS 2025 


IM FLUSS

 
Erinnerungen reproduzieren 
ein modifiziertes Damals 

Hektische Gegenwart 
schleicht sich davon 

Zukunft ziert
sich noch schüchtern 

Und ich weiß 
nicht wohin 

©️ RKS 2025 



NEUE ZEIT

 
Wind bewegt sanft 
entblätterte Zweige
Sonne scheint auf
winterliches Meer
In der Ferne
irgendwo Nebel
Noch während ich
nachdenklich schreibe 
trocknet die Tinte 
Entzieht Worten 
einfach den Saft
Neue Zeit 

©️ RKS 2025 

11.12.25

HERBSTLICH

 

Die Sonne entzündet 

den Himmel von Westen her. 


Der Mond strahlt bleich und 

fahl durch Lücken im Wolkenmeer. 


Wattiger Nebel

verbirgt uns Gefühle und Orte.


Strömender Regen

spült mit sich Gedanken und Worte.


Stürmischer Wind treibt Blätter 

wild durch den Hain. 


Nächtlicher Reif glänzt 

silbern auf Baum, Feld und Rain. 


Zitterndes Herz, 

erbebend von eisgrauer Zeit. 


Ströme von Tränen, — 

ein Salzmeer der Traurigkeit. 


©️ RKS 2017 



BROKEN HEART

 

Es zerfiel 

in unzählige Stücke.

Nur der Schmerz 

bildet nun ein Ganzes.

Und die Sehnsucht.

Sie will nicht zerfasern.

Die Gründe sind unbekannt.

Vielleicht habe ich 

ein Sollbruchherz.

Oder ich neige 

generell zum Bröckeln.


©️ RKS 2022 



VANITATUM VANITAS !

Sic transit gloria mundi 

An der Innenseite der Zeit 

durchsteigen wir die Hohlräume 

des Seins auf der Suche 

nach dem uns Bekannten


Blind und taub 

stürzen wir fallen 

hinaus in den Kosmos 

das Chaos und 

zerrinnen im Nichts 


Wenn wir nur endlich 

mit dem Hammer 

des wirklichen Erkennens 

die Mauern durchbrächen 

offenbarte sich uns 

das echte Leben 


©️ RKS 2023 



GEWISSE UNGEWISSHEIT

 

In des Wissens Finsternissen 

scheint nur eines mir gewiss:

Es bleibt viel — bei allem Wissen! — 

in der Welt stets ungewiss. 


Dabei gehe ich soweit, 

dass wir von dem Ungewissen 

doch mit letzter Sicherheit, 

ob es ungewiss, nicht wissen. 


Mancher sagt, er wisse nicht, 

sei sich dessen aber sicher; 

der Gewissheit wegen bricht 

mit Gewissheit los Gekicher. 


©️ RKS 2019 



9.12.25

ZUHÖREN

 

Halte meine Ohren 

in den Wind

Erlausche sein

Flüstern Wimmern Heulen

Seine Worte

chiffriert und rau

purzeln einfach jenseits

meiner Reichweite hinaus

in ein mir unbekanntes 

Universum 


©️ RKS 2025 



8.12.25

AUF DEM WEG

 

Der Weg ist so weit und die Tage enteilen ...

Zähl’ bitte nicht die verrinnenden Stunden,

zähle auch nicht die uns trennenden Meilen, —

denn bin ich erst da, wird Dein Herze gesunden.


© RKS 2022