26.9.25

IM ZENTRUM

 (Konkrete Poesie) 


blicke  blicke  blicke  blicke  blicke

blicke  blicke  blicke  blicke  blicke

blicke  blicke              blicke  blicke

blicke  blicke    DU     blicke  blicke

blicke  blicke              blicke  blicke

blicke  blicke  blicke  blicke  blicke

blicke  blicke  blicke  blicke  blicke


© RKS 2025 

DOLOROSO

 

erinnernd schrieb ich

Worte unter Bäumen

auf gelbgewordnes Laub

tintenlos ohne Reim 

und die Erde 

jene Blätter essend

nun schweigt — weinend 


© RKS 2024 

ANNÄHERUNG

 (Freie Lyrik) 


still

scheu

verborgen

unausgesprochen

all diese Worte

habe ich aufgelesen

im Tau des Lichts 

geläutert an Regenperlen 

geheftet und ins Meer

des Fühlens geworfen

die Wellen rollen

jetzt auf dich zu


© RKS 2024 

UNGERÜHRT

 

Der Wind erzählt

ganz außer Atem. 

Das Meer wiegt sich

zu seinen Worten. 

Nur die Insel steht ungerührt, 

und gibt mir Sicherheit. 


© RKS 2024 

DAS BESTE GEDICHT

 Mein bestes Gedicht


muss ich in meine Seele

hinabschweigen,

weil Zunge und Feder es nicht

in Worte zu fassen vermögen. 

Was immer ich schreibe,

wird darum nie das Beste sein. 


© RKS 2024 

25.9.25

AMICA MIRABILIS

 

Einsamkeit — 

ich mag sie,

Freundin der

Ungeselligen. 


©️ RKS 2023 

GEFÜHLLOS

 

ich sehe ungerührt zu

wie der Regen blitzschnell

Tausende Löcher in den 

sich windenden Fluss schlägt

doch der Himmel scheint

darob zu weinen


© RKS 2023

HOMO NATUS EST

 

Plötzlich

ans Licht gebracht


mit einem Schrei 

das Atmen begonnen


seither gibt es

kein Entrinnen


dem Leben

ausgeliefert


© RKS 2025 

ÄHNLICH

 

Damals


jagte man 

verfolgt

versklavt

vernichtet

mit mörderischer Effektivität


Heute


verjagt man 

erfasst 

stoppt

remigriert

mit kalter Effizienz 


Die gräßlichen Uniformen

wichen Maßanzügen

nur die Gesichter 

unterscheiden sich kaum


© RKS 2025 

VERLORENE DIMENSION

 (Freie Lyrik)


beim Versuch

in meiner Photographie 

zu wandern blieb

ich an der Oberfläche

kleben nur mit Mühe

gelang das Entkommen

die Hülle blieb zurück

doch seither finde ich

mich so zweidimensional


© RKS 2025 

MORS CERTA

 (2 Strophen, Vierzeiler, Kreuzreime)


Dann steht, hoch aufgeschossen,

die Wand des Abschieds hinter dir,  

so endgültig, verschlossen,

ganz schwarz und klinkenlos die Tür. 


Ein Blick zurück — vergebens,

weil man von dort nichts sieht,

und das Terrain des Lebens

ist ab dann Sperrgebiet. 


© RKS 2025

NACHTMAHR

 

auf dem nackten Estrich

frierend kauern nur

die Schmerzen wärmen

zugeschwollene Augen 

helfen gegen das

stets brennende Licht

aber nicht gegen tagelange

Finsternis und Angst

ein Geräusch lässt mich

hochschrecken kommen sie

noch einmal zurück

sitze schweißnass im Bett

nur ein Alptraum


© RKS 2025 

ZUKUNFT 2029?

 (dystopisch)

Wer hätte das denn ahnen sollen?! —

Die Züge wieder ostwärts rollen,

und manche sind ad hoc verschollen,

die Haltung hatten zeigen wollen. 


Wer auf das Grundgesetz einst schwor,

der wandert nun durchs Lagertor. 

Der Rest schließt Augen, Mund und Ohr,

kommt so dem Abtransport zuvor. 


Man schweigt, ist hin- und hergerissen,

um später dann von nichts zu wissen. 


© RKS 2025

OKTOBERMORGEN

 (Freie Lyrik)


Maschinengeschorener

Naturschopf ohne

Tönung strubbelig

grabengescheitelt


Dachsmond verbirgt

noch Sein vor dir


doch brechen rasch

Konturen ins Grau 


©️ RKS 2025  

WIE DER WALD

 

Baum für Baum für Baum 

reckt sich jeder in die Höhe 

Sonne und Wind zeigen den Raum 

Berührungen nur am Rande 


Durch Unterholz und Moos bedeckt

unsichtbar ganz tief in der Erde 

strecken sie ihre Wurzeln aus 

und halten einander fest 


So auch wir

im Verborgenen


©️ RKS 2025

GEDANKEN VORM EXIL

 

wir werden uns beschränken

müssen bei unserem Weggehen

das eine Flucht sein wird

nur wenig kann man mitnehmen

wenn der Weggang plötzlich passieren muss

das Wenige wird zum Zeichen

der Endgültigkeit

und schon die Gedanken 

die eigenen Worte

wiegen schwer genug


©️ RKS 2025 

HERBSTGEDANKE

 (Haiku)


Nebel und Leben —

beides so undurchsichtig 

und geheimnisvoll 


©️ RKS 2018 

ALLTÄGLICH

 (Sechszeiler, Paarreim und umarmender Reim)


Es ist alle meine Tage

meiner Seele Sorg‘ und Frage,

ob das Streben in mir wohnt,

ewig Liebe dir zu geben,

Dir zu weihen ganz mein Leben, —

Dir, die mir im Herzen thront. 


© RKS 2020