8.11.25

VÖLLIG VERÄNDERT

 (Triolett)


Seit wir vom Becher der Liebe getrunken,

haben der Weltlust wir ganz uns entwandt!

Der Ewigkeit Kraft ist ins Herz uns gesunken,

seit wir vom Becher der Liebe getrunken. 

Seliges Glück hat uns zu sich gewunken,

wie wir es niemals zuvor noch gekannt!

Seit wir vom Becher der Liebe getrunken,

haben der Weltlust wir ganz uns entwandt. 


©️ RKS 2025  



EINFACH FREI

 

mit dem Winde kommen

getragen von ihm gehen 

ganz ohne zu fragen

frei wie die Mauersegler

an die geheimen Orte jagen

von der Saat der Gedanken

lebend und unbeschwert fröhlich

die Parachutisten des Taraxacum 

ins Irgendwo segeln lassen


© RKS 2025 



PARADIESISCH

 

im Irgendwo

an unbestimmtem Ort

nicht hier nicht dort

und auch nicht da

vielleicht sehr nah

oder ganz weit

in Raum und Zeit

im Irgendwo 


reift die Erkenntnis

im Schatten von Bäumen

mit verbotenen Früchten 

kondensiert Einsicht


© RKS 2025 



GLÜCK

 

Wenn das Unglück

bei dir nicht 

zur Untermiete wohnt, 

sondern dich nur

dann und wann besucht, 

so bist du doch schon

glücklich zu nennen. 


© RKS 2025  



IN DER FERNE

 

Monotonie

abgeernteter Felder

ab und an

Taubengurren

wie verschlüsselte Worte

bleibt alles im Ungefähren

die Welt verhüllt sich

stumm lächelnd

überhört unser Bitten

siehst du dort 

in der Ferne

die Wege sich kreuzen

frage mich wo

werden wir uns

morgen begegnen


© RKS 2025  



7.11.25

DAY AFTER DAY

 
Tag um Tag
werden die Stunden
weniger um noch
miteinander
zu reden während
die Zeit verrinnt
in welcher wir einander
Briefe schreiben 
könnten mit Worten
die schon so lange tief 
in uns schlummern 
der Erlösung harrend
wie du und ich 
Tag um Tag 

©️ RKS 2025

HERVORGEKRAMT

 

durcheinander gesammelt 

in einem alten schuhkarton 

schwarz-weiß und farbig teils

rotstichig und sepiagebleicht 


ererbte vergangenheit angestaubt 

ein behälter papierner erinnerungen 

etwa alten mänteln ähnlich mit

rissen und gebrauchsspuren 


stumm gerahmte wunden

auf der haut der zeit die

nicht heilen bestenfalls 

vernarben nach den ehernen

gesetzen der stille


©️ RKS 2025 



6.11.25

DIE NACHT SCHON SO NAH

 

wir alle stehen 

allein auf der haut

des einzigen planeten

den wir haben

die strahlen unseres

heimatgestirns dringen

uns in die blinden augen

dabei ist die nacht

schon so nah


©️ RKS 2025

LIBERATION

 

In die Nacht geneigt 

übersteigen Salzperlen 

den wunden Lidrand

um den Schmerz ins 

Nichts zu stürzen

der den Seelengrund

petrifizieren will


© RKS 2024 

NÄCHTLICHE STILLE

 (Kreuzreime, wechselnde Kadenz)


Die Wolken wurden fortgefegt,
die Sterne mild sich zeigen,
zuletzt hat sich der Wind gelegt,
nun ruht die Welt in Schweigen. 


Die Stille sanft die Nacht durchzieht,
auch ich bin still geworden;
in mir verklingt das letzte Lied
in sterbenden Akkorden. 


Ganz stumm steigt etwas dann empor,
will völlig mich durchdringen,
um als der Stille ew‘ger Chor
den Frieden mir zu bringen.


©️ RKS 2020 



NOCTURNAL YEARNING

 (Kreuzreime, wechselnde Kadenz)


Der Nebel schluckt die Helle der Laternen,

und speit in Schlieren Dunkel vor mich hin. —

Ich sehne mich nach Klarheit, nach den Sternen,

die stumm und schlicht durch dunkle Weiten zieh‘n, 


nach einer Nacht, von Mondenschein erhellt,

voll süßen Traums, berauschend wie ein Fest,

die mich entreißt der irren, kranken Welt, 

und meines Herzens Klage schweigen lässt. 


© RKS 2024 





DEVELOPMENT

 

am ende

der bart weiß

das haar licht 

die falten mehr wie 

auch die erfahrungen 

dafür die wünsche 

weniger aber immer noch 

nicht gelassen oder gar 

am ende


© RKS 2024 

ENDLICH …

 e n d l i c h   


ganz frühmorgens

wenn nichts mehr bleibt

nur ein paar unverhoffte

zugeständnisse am horizont

aufglimmen ist die zeit

für alte gedichte 


da endlich lebe ich 

zwischen den zeilen


© RKS 2024 



PERIPHER

 

ich suche und wandere

entlang deines kreisrandes


kein eingang und

kein ausgang

aussichtslos 


vor lauter umkreisen

versinkt mein licht

zerbrochen im gefluteten

steinbruch der gefühle 


© RKS 2024 



5.11.25

CHAOS

 

Ich wechs‘le die Worte, 

rauschhaft, zeitlos, rätselnd

in Wolken, in der Tiefe …

Unter Brücken, auf Mauern,

kauern schweigend Buchen. 

Fange an, zu suchen,

im Diesseits, im Jenseits, 

die Kerben in Rinden zu finden,

hineingedacht, und mit feinsten

Säumen am Blattrand versehen. 

Doch die Worte verweigern sich …


©️ RKS 2025