28.8.25

TEMPORA

 BIS  JA  BIS


es so weit ist

verrinnt die Zeit 


die Rose erblüht

die Früchte wachsen

der Baum verdorrt


das Festgefahrene in

meinem Kopf sich löst

die Erkenntnis beginnt

im Herzen zu reifen


ich zu mir finde

Mensch wahrer 

Mensch werde


©️ RKS 2025  

27.8.25

DER EGOIST

 (Glücks-Superlativ)

Würde dich am liebsten

jeden Tag mehrmals verlassen, 

nur um immer wieder in den 

Genuss der Wiedersehensfreude 

zu kommen, und dadurch

mein Glück noch zu steigern. 


©️ RKS 2025 

DEMENTIA

 

die Zeit

das Sein 

: verfließt 


das Gelebte 

die Erinnerung

verrinnt ins Grau 

entschwindet wie Sand

durch ein Loch

ins Ungreifbare 


das eigene Sein

nimmt ab und ab

bis zuletzt

auch das Ich

verlorengeht 

unwiederbringlich 


werde mich hoffentlich 

dennoch vermissen


©️ RKS 2025 

WIEDER VORBEI

 

im verschatteten

bleigrau schwinden 

tage dahin gedenkend

im herzen scheinbar

besserer tage plötzlich

erinnerung sonne

kinderlachen schon

wieder vorbei


©️ RKS 2025 

26.8.25

GANGARTEN

 

du gabst

richtig Gas

und gingst 

zu weit 


ich zog

mich zurück

und ging


fortan ohne dich


©️ RKS 2025 

FLEETINGNESS

 

Wie rastlos erscheinen im Leben die Stunden,

welche, kaum uns gegeben, schon wieder entschwunden. 

Glück und Leiden vergehen wie Schaum. 


Der Tag, kaum begonnen, hebt an zu verblassen. 

Das Leben und Lieben, das Nehmen und Lassen, —

flüchtig und nur ein vergänglicher Traum!


©️ RKS 2025 

24.8.25

DIE RUINE

 

alles hier atmet

Verlassenheit zeigt

den Zahn der Zeit

kein menschlicher Bewohner 

mehr weit und breit doch

auf den Resten der

dicken Bruchsteinmauern

sonnen sich Eidechsen

und Heuschrecken ersetzen

die Minnesänger alter Tage 

am Fuße des ehemaligen

Bergfrieds blüht Löwenzahn

von oben her tönt der

spitze Ruf des Bussards

sonst nur totes Gemäuer 

höchstens von Wanderern

vorübergehend belebt

vielleicht ein kurzes Nachsinnen 

über Vergänglichkeit


©️ RKS 2025 

LA VIE N‘EST PAS SANS ESPOIR

 

Mit der Zeit

wird das Licht schwächer, 

die Schatten nehmen zu. 


Immer mehr Grau 

schleicht sich ein in

verwelkende Tage. 


Aus der schwarzen 

Weite des Nachthimmels 

glänzt dir ein funkelndes 

Willkommen dennoch 

entgegen. 


©️ RKS 2025 

20.8.25

DER RATSUCHENDE

 

Ich will hinan zum dunklen Tann 

mit raschem Schritte streben, 

dass dort es für mein Herze dann 

mag Trost und Weisung geben. 


Will all mein stilles, tiefes Weh 

mit heißen Tränen klagen 

dem alten Baum, dem Fels, dem See, — 

und ihren Rat erfragen ... 


© RKS 2021 

REISE

 

Gleite im

Kahn der Stille 

durch die grenzenlose 

Zeit der Träume


Schweige mit 

den stummen Buchen 

über das glänzende 

Heer der Sterne


Alte Worte 

blühen in schimmernden 

Stunden der Vergangenheit 


Tonlose Klänge 

fließen aus ungeahnten 

Tagen der Zukunft


Irgendwo 

im schwarzen Nichts 

den Anker werfen 


© RKS 2022

MAGIC NIGHT

 

Auf der Kugel des Mondes 

gleite ich lautlos über 

: der Heimat Berge 


Tropfe Glanz auf Bäume 

benetze den Strom 

mit Lichttau und Silberregen


: Nacht voller Magie


© RKS 2022

18.8.25

SOMMER

 (Haiku)


Wie Blutregen vom

Himmel herab hingetropft

rot glühender Mohn


©️ RKS 2025

IM AUWALD

 (Naturbegegnung) 

verträumt

ganz in der Nähe

gleitet still der Fluss vorüber

der Specht trommelt 

sein sanftes Stakkato

unter das Grün des Laubes

Singvögel stimmen im Chor 

die Melodie des Waldes an

das Herz sucht fiebernd

nach dem Vertrauten

im Sonnenglanz schweigend 

dem Geschwirr der Insekten

lauschend ein neues Sein

zu entdecken Frieden atmend … 


©️ RKS 2025  

15.8.25

MIT STEINEN BESCHWERT

 (so seltsam)


Es ist so seltsam,

so seltsam still,

fast gänzlich lautlos,

wie mit Steinen beschwert. 

Kein Schmetterling,

kein Vogel, nichts

fliegt durch das Tiefblau. 

Dort am Walde

hängen tiefe Wolken

wie schmutzige Kissen. 

Schwacher Nebel

legt sich über das Tal

wie verstaubte Spinnweben,

so seltsam,

so seltsam still,

gänzlich lautlos,

wie mit Steinen beschwert. 

Der Mond schimmert fahl,

wie durch schlammiges Wasser,

und die Sterne sind unsichtbar,

wie gestohlen oder verdorrt. 

Ganz seltsam,

ganz seltsam leise,

wie mit Steinen beschwert

dringt ein Ton heran. 

Hör‘ nur!

Von ferne klingt es

wie ein Totenglöcklein,

so seltsam,

so seltsam schrill

wie mit Steinen beschwert. 

Wer da wohl Abschied nimmt ...?


©️ RKS 2020