Denken
Fühlen
begraben unter
dem Abraum
tausender Worte
Ihre Klopfzeichen
formen sich rhythmisch
zum Gedicht
© RKS 2025
Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
Denken
Fühlen
begraben unter
dem Abraum
tausender Worte
Ihre Klopfzeichen
formen sich rhythmisch
zum Gedicht
© RKS 2025
In Kokons aus Stille
verborgen regen
sich seufzend Worte
Durch die zarten Wände
der Seele höre ich
ihr Atmen ihr Bewegen
wie sie lautlos graben
drängen und sich mühen
in meinem Geist endlich
an die Oberfläche zu
kommen um Freiheit
Leben zu finden
© RKS 2025
Sturm bin ich
Wind und oft nur
Hauch
Mensch bin ich
Kind und oft nur
Leere
Lachen bin ich
Trauer und oft nur
existent
Das alles bin ich
mir und oft nur
mir allein
©️ RKS 2025
(Stille Wege)
In fahlem Grau wir alle ziellos wandern,
es führt der Pfad uns durch ein Nebelmeer.
Verhüllend Berge, Täler, Stein und Baum,
verbirgt es still uns Raum und Sein und Zeit.
Ob schwer der Weg, ob leicht, ob kurz, ob weit;
dies Wandern ist uns wie ein schlimmer Traum.
Wir rufen laut. Wir rufen uns so sehr,
doch es verhallt, — und keiner hört den andern!
©️ RKS 2022
Irgendwann werde ich
mich morgens erheben
den alten Leib waschen
ans Fenster gehen
wo ein undefinierbares Grau
auf mich eindringen wird
vermutlich Morgennebel
Ein letztes Grüßen
bevor man etwas später
das tote Fleisch dem
Feuer überantwortet und
Reste aus grauer Asche
irgendwo vergräbt
©️ RKS 2022
Νέμεσις
Ichor flutet
den Äther
errötend trinkt
das Grün Leben
das eiserne Geschlecht
wähnt sich unsterblich
und doch erwartet
der alte Fährmann längst alle
drum haltet
die Oboloi bereit
©️ RKS 2022
(Kreuzreime mit durchgehend stumpfer Kadenz)
Wenn dermaleinst mein Sein entquillt,
ich blick‘ vom Sterbebett zurück,
so wär‘, zu seh‘n dein liebes Bild,
mein Wunsch und allerletztes Glück.
Wie du mein Lebensengel bist,
mögst sein mein Todesengel auch,
auf dass durchweht zu letzter Frist
mich dann der Liebe milder Hauch.
Weil ich, als ich ins Dasein fand,
noch konnte nicht dein Antlitz schau‘n,
möcht‘ einst ich — ganz dir zugewandt —
mich Charons Fährkunst anvertrau‘n.
©️ RKS 2022
(im niederbayerischen Dialekt)
Schdaad is‘s woan
iatz is s‘Deadda laar
un d‘Leit hand ganga
Da Foahang is g‘foin
sogd ma — fillaichd da letze
nix g‘wieß woaß ma ned
und koana frogt mea:
Sa oda ned sa —
wos eh a sejdsame Frog is
Friaras ham‘s do no
af den Gohdoh g‘woadd
owa iatz hands oizam hoam
zon Essn oda zon Schloffa
und da Resd is Schdaadsa
© RKS 2025
Übersetzung ins Deutsche:
Still ist es geworden
jetzt ist das Theater leer
und die Leute sind gegangen
Der Vorhang fiel
wie man sagt — vielleicht der letzte
wer weiß das schon
und keiner fragt mehr:
Sein oder Nichtsein —
was ohnehin eine seltsame Frage ist
Früher haben sie hier noch
auf diesen Godot gewartet
aber jetzt sind alle nach Hause
zum Essen oder zum Schlafen
und der Rest ist Schweigen
RKS
Ungesagtes ist zeitlos,
und Geschriebenes nicht
zwingend von Dauer.
Die Zeit
bringt den Tod,
aber immer
zur Unzeit.
© RKS 2025
du bekommst erst
ein Gefühl für Synchronität
wenn du erlebst wie
die glatte Zunge
der Sonne jene Feuchte
aus den Steinen leckt
die dann auf deiner Stirn
plötzlich hervortritt
© RKS 2025
im Irgendwo
an unbestimmtem Ort
nicht hier nicht dort
und auch nicht da
vielleicht sehr nah
oder ganz weit
in Raum und Zeit
im Irgendwo
reift die Erkenntnis
im Schatten von Bäumen
mit verbotenen Früchten
kondensiert Einsicht
© RKS 2025
Möwenschreie
zerfetzen
den Dunst
überm Hafen.
Ein Dreirad
mit gebrochener Achse
rostet an einem Schuppen
einsam vor sich hin.
Das alte Lotsenboot
liegt seufzend am Kai,
man hat es vor ewigen Zeiten
an ihn gefesselt und vergessen.
Ein Güterzug
mit einer keuchenden Diesellok
rumpelt langsam vorbei.
Von einem der Wagen
winkt mir die Tristesse
grinsend zu.
Es beginnt zu regnen.
©️ RKS 2022