27.7.25

UNIVERSUS

 Alles

wiegt sich lautlos

in den Wellen der Zeit

deren Wirbel stetig

die Segel blähen

das Sein vorantreiben 

im gekrümmten Raum 

der immer rascher und 

rascher sich weitet

bewegt von Kräften

die unweigerlich 

jeden bewegen bis 

alles zu seiner Ruhe

zum Stillstand kommt 

im Gleichgewicht

jener Leere die 

immer mehr in

uns eindringt


© RKS 2025

MASHED

 

Vor Jahrtausenden

ein Stein mit Seele

zerborsten durch ein 

Wort der Macht das 

Sonne und Frost 

immer neu sprachen und

die Myriaden Schalen

deren Leiber einst

Vögel ernährten zermalmt

von stetiger Wellen Schlag

hinterließen ihn der heute

willfährig devot rieselnd

mit den Winden läuft 

wie es scheint willenlos

dem Menschen gleich 

überall einsickernd … 


© RKS 2024 

PRIORITÄT GESETZT

 (Seriously)


Die Katze auf der Ofenbank, —

ein ält’res Tier, jedoch nicht krank,

schaut nicht nach Vögeln in den Bäumen, 

will schlafen nur, in Ruhe träumen, 

und richtet still ihr ganzes Streben

aufs nächste ihrer sieben Leben. 


© RKS 2024 

πέτρος

(Stein)


Steine

Teile Splitter 

eines größeren auch 

älteren Daseins

tausend Lieder

könnten sie singen

erzählen von Zeiten

und Wesen und Dingen

doch sie schweigen 

sind still weil kaum

einer wahrhaft zuhört

nur wenige heben

sie hoch und wiegen 

sie in Händen ihre wortkarg

harte Weisheit zu ertasten

zu lernen zu verstehen

und so scheinen sie

verstummt und hüten

in sich die Äonen

welche weit hinein

in die Zukunft reichen


© RKS 2025

DE BELLO

 

jede wasserlache verrät 

die wut des windes wie er

hilflose wolken ohne gnade

über kahle bäume verstreut

und mit seinem frost

eine helle haut über

unsre müden augen streift 

damit niemand erkenne 

dass die häuser brennen 

und die menschen ihr 

wimmern in trotzigen liedern

verstecken weil ihre angst 

knisternd in den flammen flackert 

bis letzlich nichts als weiße

asche wie rauchender schnee 

herabsinkt unsere falschen träume

zu verschleiern zu bedecken 

wie efeuranken totes holz 


© RKS 2024 

CHANGEMENT

( Seltsam)

wie Lichtstrahlen durch ein graues Bleiglas 

stürzen Nachtgedanken von der Schädeldecke 

und trocknen mir im freien Fall die Seele aus

zum Glück drängt ein jäher Regenschauer 

durch das weit geöffnete Fenster herein

in die Stube verschütteter Erinnerungen

überfließt alles bis am Ende mein Blickfeld

vollkommen durchtränkt ist und es auf

meinen mondstillen Traumwiesen 

wie enthemmt zu blühen beginnt


© RKS 2024 

FUNDSTÜCK (Auf alten Zetteln)

 

Auf alten Zetteln hab‘ ich heut gefunden

Gedichte aus schon längst entfloh‘nen Stunden.

Sie künden mir von Zeiten oder Dingen,

die schwer mir damals durch die Seele gingen. 

Nun will ich prüfend in den Sinn sie heben,

ob sie noch atmen ein verborg‘nes Leben ... 


©️ RKS 2025

26.7.25

SOMMERNACHMITTAG

 (Sonettversuch)


Der Himmel strahlt wie ein Topas,

die Wiese liegt im Sonnenlicht,

und durch der Blumen Blütendicht

streicht deine zarte Hand durchs Gras. 


In dieser Ruhe Stundenglas

erstrahlt der Löwenzahn so golden

und weiß der wilden Möhre Dolden

in wundersamem Ebenmaß. 


Libelle zeigt im Schwebetanz

dort überm Wasser blauen Glanz,

den die Natur ihr reich beschied. 


Wir liegen hier in trautem Bunde

im wortlos süßen Wiesengrunde

und träumen uns ein Liebeslied. 


©️ RKS 2022 

RATSCHLAG

 (Triolett)


Sei nichts, was du nicht wirklich bist,

zeig‘ stets dich echt und wahr und rein!

Weil an der Liebe man dich misst,

sei nichts, was du nicht wirklich bist. 

Wenn’s nicht in deinem Herzen ist,

so glänze nicht mit falschem Schein, —

sei nichts, was du nicht wirklich bist,

zeig‘ stets dich echt und wahr und rein! 


©️ RKS 2021

NACH DEM REGENSCHAUER

 

Von Baum zu Baum
wie auf Leinwand in
Tannengrün und Wolkenschwarz
malt die Sonne eine
zarte Lichtdecke von Orangerot
bis zu einem gedeckten Lila 

Und grade eben passiert
dort jenseits des Regens
ein Flugzeug
das lichtblaue Wolkentor 

entschwindet dem Grau
als verließe es für immer
unsere Welt 

© RKS 2024

DER TRAUERNDE

 (Szene am Wildbach)


Die Wasser tosen wild, und schäumen

rings um den alten Felsen her. 


In ihm ist‘s still, kann nimmer träumen, — 

er hat ja nun kein Liebchen mehr …

Zu ihrem Grabe trug er Rosen,

das Aug‘ rann ihm von Tränen leer. 


Die Wasser schäumen wild, und tosen

rings um den alten Felsen her. 


©️ RKS 2022

AN DEN BUCHENWALD

 (an einen Freund) 


Du bist mein Freund seit Kindertagen,

warst täglich meiner Wege Ziel. 

Zu dir kam ich mit Kinderklagen,

in dir fand Ruhe ich beim Spiel. 


Auch in der Jugend stürm‘schen Zeiten

gabst Frieden du und Stärke mir, —

und bis zum heut‘gen Tage leiten

die Schritte stets mich neu zu dir. 


Ich hatte Dir oft viel zu sagen; 

geduldig hörtest du mir zu. 

Heut‘ komme ich mit stummem Fragen,

drum, liebster Wald, — nun rede Du! 


©️ RKS 2022

GESCHEITERT

 

knisternd wird das 

Licht des Universums 

durchs Sieb gestrichen

während genüsslich

der Zweifel wie

eine lüsterne Krähe

meine Worte häutet


gnadenlos wirft die Zeit

meine verbeulten Bilder

wie vertrocknete Kirschkerne

achtlos zu Boden


©️ RKS 2022

GEBET

 

Schenk‘ Liebe mir für alle Leute,

— Du, der du aller Vater bist! —

die mir begegnen morgen, heute; 

lass‘ lieben mich zu jeder Frist!


Naht einst die letzte Stunde sich,

und steh‘ ich an des Grabes Stufe,

so lass‘ in Frieden gehen mich,

und folgen deinem Liebesrufe! 


©️ RKS 2022