16.4.26

ERKENNTNIS I

 

Wüsst‘ ich genau,

wie mein Sinn nur ein

einziges Wörtelein zeugt,

wie‘s die Zunge gebiert,

so wollte ich ferner,

genug wissend,

auf ewig schweigen. 


©️ RKS 2026 


13.4.26

IN REMEMBRANCE II



Von der Erde

um Ohamakari 

schreit noch immer

das Blut zum Himmel 


Der Lärm des

Tourismus übertönt die 

aus der Omaheke aufsteigenden

Klagen der Verdursteten


Kalunga tura ovitandu vyetu


Deus ignosce nobis

peccata nostra



- - - - - - - - - - - - - 


From the soil

around Ohamakari

the voice of blood

is still crying to heaven.  


The complaints of the

dead parched by thirst

rising from the Omaheke

are drowned out by

the noise of tourism


Mwene nanga omutjise wetu 


Deus ignosce nobis peccata nostra


©️ RKS 2026 






8.4.26

ZURÜCKWEISUNG

 

Zurückweisung


Gedanken nähern sich 

verwehre ihnen den Zutritt 

in meine Realitätszone


Als ob mir ein 

Quacksalber Quecksilber

verordnet hätte

würden sie mein 

Innenleben durchseuchen

negativ kontaminieren


Ungerührt sehe ich

über ihre Stränge

und Möglichkeiten hinweg 

taste sie nicht an


Schlage Gedankenpfade ein

bessere oder nur andere

Wege zu Wachstum in 

Wahrscheinlichkeitskonstellationen 


Dennoch ist alles bereits 

nur durch das Denken 

ins Sein in die Welt getreten


irreversibel


©️ RKS 2026 

5.4.26

OSTERN IN KHOMAS

 

Sonne beleuchtet

gütig das Land 


ein sanfter und warmer Herbstwind 

streicht zärtlich darüber


und führt die Gedanken hinaus 

ins grüne Weit der Savanne


Wie der Regen

die vertrocknete Natur 

wiederbelebt

lässt der Trost der Weite

von Himmel und Savanne

auch in mir ein neues Sein 

auferstehen


©️ RKS 2026 

1.4.26

POINT OF VIEW

 
Kabajani und Ludwig erzählten,
dass es bei ihnen 
über fünf Jahre 
nicht geregnet hätte, 
und dass sie alle glücklich seien, 
weil es dieses und letztes Jahr 
wieder Regen gab. 

Und wir sind so schnell geneigt, 
uns über das „Dreckswetter“ 
in epischer Breite zu beschweren, 
dabei fällt der meiste Regen 
sowieso daneben. 

©️ RKS 2026 

FIRST WORLD PROBLEMS

 

Wie gerne beschweren wir uns, 

klagen und lamentieren über 

banale Belanglosigkeiten. 


Hier traf ich auf Menschen, 

die freundlich und still sind,

obwohl sie oft nicht wissen,

woher sie Nahrung für den 

nächsten Tag nehmen sollen. 


Und dann höre ich, dass Menschen

bemängeln, im Fleisch der Antilope

sei eine Sehne, die es zäh mache. 


Dann weiß ich nicht, ob ich aus 

Mitleid über die Armut der einen,

oder aus Scham über dieses

Verwöhntes-Kind-Gejammer in

Tränen ausbrechen soll.  


©️ RKS 2026 

COFFEE — THOUGHTS III

 

Bei den meisten Menschen

regt der Konsum von Kaffee

lediglich den Kreislauf an;

wirklich wach macht er sie nicht. 

Schade. 


©️ RKS 2026 

LINES

 

Wie die Narben von 

brutalen Peitschenhieben

durchziehen die Reifenspuren

den nackten Rücken der

sonnendurchglühten Kalahari. 


Hier kann man einfach

gedankenlos durchfahren. 

Aber in mir erzeugt das Land

Bilder, die weit über Sand

und Schotterpiste hinausgehen. 


Doch weshalb sollte ich

auch normal sein; das

wäre doch unsagbar öde. 


©️ RKS 2026 


COFFEE — THOUGHTS II

 

Wird für Sehbehinderte das

Kaffeesatzlesen jetzt auch schon

in Braille angeboten?


©️ RKS 2026 


COFFEE — THOUGHTS I

 
Ob einen die Legasthenie wohl auch
beim Kaffeesatzlesen beeinträchtigt?

©️ RKS 2026 

I RESIST

 
Sand und Sonne
Sonne und Fels
die Luft flimmert
alles verkriecht sich 

ich nehme einfach 
die Herausforderung an
und trotze der Hitze

man sagt schließlich
mein Humor sei ebenfalls
staubtrocken 

©️ RKS 2026 

BURN — OUT

 

Die Kraft

der namibischen Sonne 

am blauen Himmelsweit 

mag den Unrat 

im eigenen Herzen

nachhaltig ausbrennen


Mein neues Sein steigt

wie Phoenix aus der Asche 

des Gewesenen 


©️ RKS 2026 

IN REMEMBRANCE

 

Von der Erde

um Ohamakari 

schreit noch immer

das Blut zum Himmel 


Der Lärm des

Tourismus übertönt die 

aus der Omaheke aufsteigenden

Klagen der Verdursteten


Kalungu tura ovitandu vyetu 


Deus ignosce nobis

peccata nostra


©️ RKS 2026 



Der vorletzte Satz ist Otjiherero (die Sprache der Herero), und gleichbedeutend mit dem lateinischen, letzten Satz:

„Gott, vergib uns unsere Sünden!“ Der Satz in Otjiherero kann jedoch auch übersetzt werden mit „Gott, nimm unsere Leiden (unsere Schmerzen) auf Dich!“ 

31.3.26

EDUCATION

 

Die Erhabenheit 

Größe und Würde

der gewaltigen Dünen

der namibischen Wüste lassen

mein kleinliches Denken

versanden und lehren

mich Stille


©️ RKS 2026