1.4.26

FIRST WORLD PROBLEMS

 

Wie gerne beschweren wir uns, 

klagen und lamentieren über 

banale Belanglosigkeiten. 


Hier traf ich auf Menschen, 

die freundlich und still sind,

obwohl sie oft nicht wissen,

woher sie Nahrung für den 

nächsten Tag nehmen sollen. 


Und dann höre ich, dass Menschen

bemängeln, im Fleisch der Antilope

sei eine Sehne, die es zäh mache. 


Dann weiß ich nicht, ob ich aus 

Mitleid über die Armut der einen,

oder aus Scham über dieses

Verwöhntes-Kind-Gejammer in

Tränen ausbrechen soll.  


©️ RKS 2026 

COFFEE — THOUGHTS III

 

Bei den meisten Menschen

regt der Konsum von Kaffee

lediglich den Kreislauf an;

wirklich wach macht er sie nicht. 

Schade. 


©️ RKS 2026 

LINES

 

Wie die Narben von 

brutalen Peitschenhieben

durchziehen die Reifenspuren

den nackten Rücken der

sonnendurchglühten Kalahari. 


Hier kann man einfach

gedankenlos durchfahren. 

Aber in mir erzeugt das Land

Bilder, die weit über Sand

und Schotterpiste hinausgehen. 


Doch weshalb sollte ich

auch normal sein; das

wäre doch unsagbar öde. 


©️ RKS 2026 


COFFEE — THOUGHTS II

 

Wird für Sehbehinderte das

Kaffeesatzlesen jetzt auch schon

in Braille angeboten?


©️ RKS 2026 


COFFEE — THOUGHTS I

 
Ob einen die Legasthenie wohl auch
beim Kaffeesatzlesen beeinträchtigt?

©️ RKS 2026 

I RESIST

 
Sand und Sonne
Sonne und Fels
die Luft flimmert
alles verkriecht sich 

ich nehme einfach 
die Herausforderung an
und trotze der Hitze

man sagt schließlich
mein Humor sei ebenfalls
staubtrocken 

©️ RKS 2026 

BURN — OUT

 

Die Kraft

der namibischen Sonne 

am blauen Himmelsweit 

mag den Unrat 

im eigenen Herzen

nachhaltig ausbrennen


Mein neues Sein steigt

wie Phoenix aus der Asche 

des Gewesenen 


©️ RKS 2026 

IN REMEMBRANCE

 

Von der Erde

um Ohamakari 

schreit noch immer

das Blut zum Himmel 


Der Lärm des

Tourismus übertönt die 

aus der Omaheke aufsteigenden

Klagen der Verdursteten


Kalungu tura ovitandu vyetu 


Deus ignosce nobis

peccata nostra


©️ RKS 2026 



Der vorletzte Satz ist Otjiherero (die Sprache der Herero), und gleichbedeutend mit dem lateinischen, letzten Satz:

„Gott, vergib uns unsere Sünden!“ Der Satz in Otjiherero kann jedoch auch übersetzt werden mit „Gott, nimm unsere Leiden (unsere Schmerzen) auf Dich!“ 

31.3.26

EDUCATION

 

Die Erhabenheit 

Größe und Würde

der gewaltigen Dünen

der namibischen Wüste lassen

mein kleinliches Denken

versanden und lehren

mich Stille


©️ RKS 2026 


VORSATZ

 

Vor der Größe der Berge

und der Tiefe der Canyons

wirken die Erhebungen

und Vertiefungen der

menschlichen Verfasstheit

so völlig bedeutungslos


Ich will die aus den Tiefen

sich erhebende Hoffnung

die von den Höhen fließende

Kraft und Ruhe

in mich saugen

und ihre Begrenzungen

als Weite in mich nehmen


©️ RKS 2026 


WEITE

 

Links des Weges

die Weite der Kalahari

rechts die ersten Ausläufer

der weiten Namib

darüber die Weite

des namibischen Himmels


In der Ferne 

ragen Berge auf

die das Auge nur streift

die den Blick aber

nicht festhalten sondern

sich in die Weite schmiegen


Man kann sich kaum vorstellen

wie ob dieser wunderbaren Weite

in den Herzen und Hirnen

soviel Enge sein kann


©️ RKS 2026 


28.3.26

LERNPROZESS

 

Noch macht es 

mir viel Mühe, 

die natürliche Gelassenheit 

der Schildkröte zu lernen,

aber ich möchte ein

gelehriger Schüler sein. 


©️ RKS 2026   


WATERHOLE ENCOUNTER

 

beinah lautlos tritt

der prächtige Kudu-Bulle

zwischen den Bäumen hervor

wittert und lauscht


schreitet majestätisch 

ans Wasserloch 

um zu trinken


seine Würde berührt 

mein Innerstes 


©️ RKS 2026 


AM WATERBERG

 

Auf uraltem, rotem Fels 

unter einem Baum sitzend,

sinniere ich in die endlose,

grüne Weite der Kalahari hinaus,

über der sich — ebenso endlos —

ein blauer, sonnendurchglühter Himmel

ausspannt, auf dem eine Wolkenherde

in aller Stille dahinzieht, 

jenes Schwere und Laute, 

das vielleicht noch in mir drängte, 

einfach mit sich nimmt, 

während um mich herum 

die Geräusche der Natur beruhigend

in meinen Geist fließen. 

Mein Herz fängt an zu singen. 


©️ RKS 2026         


SUDDEN RAIN

 

Ein plötzlich einsetzender

Regenschauer zieht den Vorhang

zur Ebene zu, und sein

lautes Trommeln

auf dem Wellblechdach

lässt in mir alles still werden. 


Nachdem die Natur 

sich eine kurze Atempause

gönnte, öffnet die Sonne

wieder den Blick ins Weit, —

innen wie außen. 


©️ RKS 2026    


AFRICAN NIGHT

 

Vom tiefschwarzen Nachthimmel 

blinkt mir unter den unzähligen Sternen

das Kreuz des Südens entgegen. 

Um mich her die Geräusche der Natur,

in mir zunehmend eine Fülle von Stille;

das Schwarz der afrikanischen Nacht

erhellt wundersam meine Seele. 


©️ RKS 2026