Lyrik — Liebe, Schmerz, Glück Leben, Tod und die Frage nach dem Sinn. Prosa — Phantasie und Realität verschwimmen zu Geschichten, manchmal ganz ohne Realität. Über beide — Lyrik & Prosa — kann man nachsinnen, sich hineinfühlen. Alte und neue Sprache — alles, was die Worte hergeben. Und der Leser erweckt alles erst zum Leben. Herzlich willkommen! Robert K. Staege
30.12.25
BERECHTIGTE ZWEIFEL
GRENZZIEHUNG
Zerbrechlich
dennoch robust
manchmal wehrhaft
oft unscheinbar
meist undurchdringlich
baut sich aus Worten
zart ein Zaun zwischen
Menschen und mir
trennt Ich und Welt
©️ RKS 2025
IRGENDWIE SELTSAM
HALT IM UNGEWISSEN
ob du mich
heute beim Besuch
erkannt hast
drum hielt ich
sanft deine Hand
streichelte sie zärtlich
und in deinem Lächeln
erkannte ich mich
für dich
dabei erinnerte ich
gleich ein ganzes
Leben mit
©️ RKS 2025
HILFESTELLUNG
Großmutter strickte immer
Socken aus bunter Wolle
für mich. Sie meinte,
damit käme ich viel
leichter durchs Leben.
Es war auch so.
Nicht wegen der Socken,
sondern aufgrund der Liebe,
mit der sie gestrickt wurden.
©️ RKS 2025
ZEIT DER REUE
Es ward mein Herze mir so weit,
da ich hier zu des Dämmers Stunde
alleine war in weiter Runde, —
geheimnisvolle Einsamkeit!
Es trieb hinaus mich auf die Gassen,
als Glocken riefen zum Gebet ...
Ich fragte mich, wie Dir‘s wohl geht,
seit ich dich damals hatt’ verlassen …
Da wurd‘ mir’s gleich ganz schauerlich,
ich presst‘ mein Haupt in beide Hände,
eilt’ heim, wo bargen mich die Wände, —
und weinte lang und bitterlich.
© RKS 2025
Überarbeitung des Gedichts aus dem Jahre 2020
VOM ENDEN
Bald kommt die Nacht.
Wie man‘s dreht oder wendet,
der Tag einfach endet,
— die Sonne entflieht.
Rasch kommt das Leid.
Wie man‘s dreht oder wendet,
das Glück einfach endet,
— die Liebe entflieht.
Schnell kommt der Tod.
Wie man‘s dreht oder wendet,
die Zeit einfach endet,
— das Leben entflieht.
© RKS 2020
28.12.25
DIE VORSTELLUNG,
den Launen der Natur
und ihrer Elemente
ausgeliefert zu sein,
macht mir weniger Angst als jene,
den Launen der Natur
von Menschen in die
Hände zu fallen.
©️ RKS 2025
ANBETUNG
Es ward geboren lang vor unsern Zeiten
ein Kind, verachtet, obdachlos und arm,
doch als der Sohn aus Gottes Herrlichkeiten
macht es uns reich und unsre Herzen warm.
Aus mancher Not und aus so manchen Schmerzen
gehen gesenkten Haupts wir zu der Krippe hin.
Das Kind aus Gott bringt unsern wunden Herzen
Frieden und unserm Leben einen neuen Sinn.
©️ RKS 2025
NÄCHTLICHES RÄTSEL
Ich hört‘ bei Nacht ein Flüstern hier,
das raubte bald die Ruhe mir.
Weiß nicht, was es mir sollte künden,
ob neues Hoffen, alte Sünden …
In mir sich nun die Frage regt:
Was wollte das Geschick mir zeigen
mit Worten, die im Wind verweht,
um dann mich eisern anzuschweigen?
©️ RKS 2025
RESSEMBLANCE
Manchmal saugt das Papier
gierig jedes Wort
aus mir heraus.
Dann wieder weist es
mich barsch zurück,
verweigert jeden Kontakt.
Doch zumeist wartet es
schüchtern ab, was passiert.
Wir sind uns so ähnlich.
©️ RKS 2025
SEGRETO DELLA VITA
es berührt dich,
dringt in dich ein,
bleibt in dir bis
zum letzten Tag.
Dennoch zieht es
grußlos vorbei,
blickt sich nicht um,
lässt kaum Spuren zurück.
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MITFÜHLENDE FREUNDIN
Mitfühlende Freundin
Wir saßen viele Male im
Schutz jener Blutbuche im Park,
lehnten an ihrem Stamm.
Sie schwieg selten, sondern
plauderte oft von früheren Zeiten,
manchmal ein leises Lied summend,
uns immer fröhlich zugewandt.
Wir sollten nie, — so bat sie, —
einfach an ihr vorübereilen,
sondern bei und mit ihr
innehalten, verweilen, träumen.
Eines Tages war alles verändert;
sie blieb zunächst stumm,
fragte dann sanft, warum
ich alleine gekommen sei.
Da mich die Worte verlassen hatten,
berührte ich nur ihre Borke,
und sie verstand sofort.
Die meisten Menschen nahmen
von deinem Tode keine Notiz,
sie aber begann voll Mitgefühl
zu rauschen, und wisperte,
wenn sie es könnte, würde
sie tagelang mit mir weinen.
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ZWEIERLEI
Zweierlei
existieren — sein
anwesend — da
zusammen — gemeinsam
allein — verlassen
abwesend — fehlend
tot — inexistent
du — ich
wir sind zusammen
mehr als vier
Hälften
©️ RKS 2025
27.12.25
NACHTRAGEND
Seit Jahrzehnten
schimpfen die Krähen
auf meinen Spaziergängen
lauthals mit mir.
Habe ich doch als Junge
stets aufs Neue vergessen,
in die Himmel meiner
Bilder ihre schwarzen
Silhouetten einzuzeichnen.
©️ RKS 2025