14.6.26

CONTACT

 




Bereits als Dreijähriger versuchte ich, mit meinen Mitmenschen durch feines Muskelzucken, durch minimale Augenbewegungen oder einzelne, aber inhaltsreiche Worte in Kontakt zu kommen, da ich doch gesellig sein wollte. Doch kaum einer (eigentlich gar keiner) konnte mich verstehen. Sie waren nur in der Lage, sich durch Gebrüll und verletzende Deutlichkeit, der selbst noch das Mindestmaß an Dezenz fehlte, zu artikulieren. Ihr lärmendes Geblöke gellte in meinen Ohren, verletzte meine Gefühle und beleidigte meinen Intellekt. Sie schienen allesamt das grauenhaft Laute, Rohe und Rücksichtslose zu präferieren, das mir ein absoluter Gräuel war, da es mir seelische und körperliche Schmerzen bereitete. 


Ich treibe wie auf einer Eisscholle durch das Meer der Zeit, entferne mich immer weiter von jenem Ufer, das sich in der Ferne flach, freudlos und fließend ausspannt, ohne dabei für mich an Deutlichkeit oder Schrecken zu verlieren. Um mich her bläht sich eine seltsame Stille, die von Angst durchsetzt und von Blut getränkt scheint; die zersetzenden Düfte strapazieren meine Geruchsnerven über die Maßen. 


Die Welt wurde zunehmend von einer blaßgrauen Haut überzogen, die alle Dinge zuwucherte. Ein farblos wirkendes Haus war völlig von ihr bedeckt, und ein blindes Fenster weckte mein Interesse. Der verwesende Finger einer Greisen- oder Kinderhand (wer bin ich, das sicher zu unterscheiden!) hatte dort ein kurzes Wort eingeritzt, das meine Neugier weckte. Im Vorübertreiben erhaschte ich einen flüchtigen Blick; dort stand in Majuskeln überdeutlich das Substantiv WUT geschrieben. 


Seit jenem Tage frage ich mich, ob dieses eine, kleine, starke und schöpferische Wörtlein nicht eine neue Welt über jener Tiefe, jenem Abgrund, in den mein Dasein gestürzt war, erschaffen könne. Und daher begann ich, Tag für Tag unzählige Wörter zu schreiben, den Klang des Dunkels zu malen, die Wasser des Himmels, die einen toten Wal vor mein Seelenfenster spülen, zum Rauschen zu bringen, Brücken, Burgen und Gebirge zu errichten, und der Sonne zu erklären, wie sie die Schatten aus den finsteren Wäldern kehren könne, deren glühendes Drohen mich ängstigt. Mir brummt der Schädel, wenn der Wind, den ich zu beschreiben versuche, die Blätter meiner geliebten Bücher durcheinanderwirbelt, und damit das letzte Geordnete in meiner Existenz einfach fortbläst …


©️ RKS 2026 


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