5.1.26

INS DUNKEL

 

Ich liebe das Stille,

das Verborgene, Dunkle …

Niemand hört mich 

leise über Zeit

und Wälder schweben,

den Eulen gleich. 


Frage nicht, was 

Sterne bedeuten, noch 

wo einst dein Schiff ankert 

am Ende der Reise!


Lass Welt und Menschen 

reden, Du aber schweige,

— wie das Licht —

und verstehe die Stille!


Breite die Schwingen aus, 

und fliege mit mir hinein

ins Dunkel der Nacht!


©️ RKS 2026 


4.1.26

NACHDENKEND

 

Liebe ist 

das Mahlwerk allen Tuns

Krone des Lebens

bis in die Tiefe 

ohne Furcht


Auf den Wiesen wird

der Löwenzahn blühen 

und gleich ihm werde 

ich dereinst vergehen

ein Schmetterling

im Winde gaukelnd


©️ RKS 2026 


UNBEIRRT

 

Stoisch erträgt

die alte Eiche

Wind und Schnee 

bietet dem Winter

trotzig die Stirn 

Im frostigen Nachmittag

verbreiten Tannenmeisen

emsige Fröhlichkeit


©️ RKS 2026 


BETULA

 

Weiß nicht nur 

vom Neuschnee 

wiegt sie sich

im Winterwind

Ihr leises Seufzen

erlauscht nur der 

eben aufgehende 

Mond und ich 

fühle mit ihr 


©️ RKS 2026 


SIGNUM VITAE

 

Todesgleich im Schnee 

versunken liegt nun

schweigend die Welt

Ins endlose Weit 

fliegen zeternd Elstern

auf in schwarz und weiß 

Lebenszeichen 


©️ RKS 2026 


GEDENKORT

 

Die Reste des Stammes

der damals vom Blitz 

gnadenlos gespaltenen Fichte

liegen still am Waldrand. 

An ihrem offenen Grab

gedenke ich der Tage

da sie so stolz wuchs —

als Beispiel für mich


©️ RKS 2026 


3.1.26

LEICHTIGKEIT

 

Ins Dasein 

kommen und gehen

wie Mauersegler im

Sommer mit den Winden 

durch den Raum jagen 

im Licht dahinfliegen

wie bunte Schmetterlinge

Löwenzahnsamen

ins Nirgendwo

schweben lassen


©️ RKS 2026 


2.1.26

PHOENIX IM FLUGE

 
Wie neugeboren auffahren
aus den rauchenden 
Trümmern der Zeit die
allen auf den Nägeln brennt
immer höher —

Höher, hörst Du!!

Die Flugfedern sind
ja wohl unversehrt da
nur das Vergängliche verbrannte

Lass die Sterblichen
ihre Asche verehren
und nähre du dieses
innere Feuer das 
niemals erlischt solange wir
durch Unendlichkeit fliegen

©️ RKS 2026 


INVIDIA

 

Kometengleich jagt 

Schubert allerlei Virtuoses

aus seinem Klavier hervorzaubernd

über den verschneiten Wienerwald


Im Rausch der Worte berührt

Shakespeare die Sichel des Mondes 

jenseits des Avon spazierend 

nur mit den Fingerspitzen 


In relativer Enge sitzt

Einstein zwischen den Theorien

geschwindes Licht beobachtend 

das durch den Kosmos gleißt


Ein Luftschiff treibt

— das Äffchen als Pilot —

wie schwerelos durch

den lichtblauen Äther


Die Götter darob

neidzerfressen 


©️ RKS 2026 


TIEF IM INNERSTEN

 

Schweigend und reglos

steht wie stark überzuckert

die Tanne in der Nacht

über ihr namenlos

ein Stern im dunklen Weit 


Weiß umklammert

Schnee ihre Zweige

in kühler Zärtlichkeit


Doch tief im Innersten

lodert glutrot ein Traum

wortlosen Feuers


©️ RKS 2026 


EIN ABSCHIED

 

In aller Stille wortlos 

weil nichts mehr zu sagen blieb 

erkalteten seine Hände

vom Eis des Todes. 


Leise wehte ein Ahnen

vom geliebten ‚Moment musical‘

dem Andantino As-Dur von Schubert 

schwebend durch den Raum. 


In dicken Flocken fiel 

Schnee sanft herab zur Erde

ließ die Welt weiß werden 

erblassen und die unheimliche

Stille der Unendlichkeit

sank für immer 

auf ihn hernieder. 


Letzter Klang begann

auch in ihr zu verebben. 


©️ RKS 2026 



FERNÖSTLICHER TRAUM

 

Schwebend leicht

von zarten Tönen 

des Đàn T’rưng begleitet

träumt die Lotosblüte 

im Tiefblau der Nacht

von einer Reise

auf dem Mekong

mondlichtbekränzt


©️ RKS 2026 


TREIBEN DURCH DIE NACHT

 

Leise treib‘ ich
— mein Boot ist die Nacht —
traumwärts an fremde Gestade. 


Der Wind weht die Dünen,
die Berge von Sand,
mir heulend auf all meine Pfade. 


Dann prasselt der Regen
aus wolkigem Grau,
lässt alles Hoffen verschwimmen. 


Aus Erde und Wasser,
aus Feuer und Luft,
hör‘ plötzlich ich wispernde Stimmen ... 


Wie sehnt sich mein Geist,
der bange und müde,
nun heim nach dem sicheren Hafen! 


Bald graut schon der Tag,
der Morgen erwacht, —
und ich habe noch nicht geschlafen ... 


©️ RKS 2021 


LOKALPATRIOT?

 
Ein bayrischer Igel
blickt lächelnd zum Rigel. 
Er hat ihn halt gern, 
den weiß-blauen Stern. 

©️ RKS 2015 

APHORISTISCHES

 
Sicher ist jeder Mensch
einzigartig, ein Individuum,
aber nur wenige sind Originale,
und die allerwenigsten originell. 

©️ RKS 2026 

LIEBLINGSHAUSTIER

 

Tief in mir west zu jeder Stund‘

ein faules Vieh, recht fett und rund.

Es macht mich träge und bequem,

doch find‘ ich es ganz angenehm. 

Man warnt, dass es mich irgendwann


um Glück und Leben bringen kann. 

Um die Beziehung zu erschüttern,

soll ich kein weit‘res Jahr ihn füttern,

denn er sei rundum ungesund, —

doch lieb’ ich meinen ‚Schweinehund‘. 


©️ RKS 2026 


Überarbeitung einer Idee von 2015