14.9.25

SPAZIERGANG

 (7 Strophen, Fünfzeiler, Paarreime, xxyyz)


Schweigend durch den stillen Wald gegangen,

vom Wind im Laub den Zauber eingefangen,

die ersten bunten Blätter fielen leise. 

Mein Herz, es schlug in wundersamer Weise,

und meine Füße glitzerten vom Tau. 


Mein Geist tat eine ungeahnte Reise,

und Phantasie war meine Seelenspeise. 

In ferne Welten konnt' ich so gelangen,

bin doch allein in mir umhergegangen.

Über mir blicklos nur des Himmels Blau. 


Wie lustvoll tat ich jenem Zauber lauschen,

des Waldes Rufen und der Bäume Rauschen

haben die Sinne mein so froh genossen. 

Dann kamen lärmend Menschen angeschossen. 

Der Zauber war erstarrt in Grau,


als hätt' man mit Beton ihn übergossen. 

Auch schien der Wald mir plötzlich ganz verschlossen. 

Wie gerne wollte Ort und Zeit ich tauschen,

anstatt zu hören dies banale Plauschen,

— ein dummer Kerl und eine laute Frau. 


Ich sprach zu mir: "Musst nur ein wenig warten!

Geh‘ doch solang in Deinen inn'ren Garten,

und schließ' dies laute Treiben aus!

Tief in Dir ist doch jenes stille Haus!"

Und leiser noch erwidert' ich: "Genau!"


Und so betrat ich das Gedankenhaus,

und aller Ärger flog zur Tür hinaus,

dafür ertönten Laute aller Arten. 

Im Wald, im Haus und dort im Garten

erstrahlt' azurn der Himmelsbau. 


Und wieder fielen Blätter leis' von Bäumen,

und wieder schwebte ich in sel'gen Träumen

durch das vom Herbst gefärbte Sinnen;

die Phantasie trug mich ganz sanft von hinnen,

hinein ins Rot und Gelb, ins Grün und Blau. 

 

© RKS 2017

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