28.10.26

AM GLEIS

 

In den Orten stehen 

die Häuser kurz stramm. 

Der Fluss ist unbeeindruckt. 

Auf der Wiese sieht

eine Kuh nicht einmal auf 

Nur die Schranken zittern kurz. 

Die Bäume und Büsche

winken dem Zug hinterher. 

Wie ermüdet schleicht

die Langeweile heran. 


Wieder Warten


©️ RKS 2026 


WAS ES BRAUCHT

 

Dass Frieden wird, und mancher Streit sich schlichte, 

dass all das Schlimme sich zum Guten richte,

dass Dummheit lernt, sogar aus der Geschichte,

das braucht Verstand und Zeit, Mut und Gedichte. 


©️ RKS 2026


27.10.26

BEWOHNT

 

sie gehören mir nicht

sind nur Besucher

flüchtig und scheu

schleichen sich ein

gehen durch mich hindurch

bleiben manchmal

und spielen mit den Gedanken

sind da aber nicht greifbar

wie ziehende Wolken

dann wieder überpräsent

fast aufdringlich

wie seltsame Gerüche


ich weiß nicht ob

oder wann sie kommen

wann sie gehen

ob sie zu mir sprechen 

oder aus mir schweigen

habe die Aufgabe zu warten

offen zu sein 

wach und bereit

für das Glück des Augenblicks 


von Worten bewohnt

von Worten verlassen

besucht von Unbekannten

und von Freunden

manchmal ein Hinterbliebener

mit der demütigen Freude

ihnen treu zu bleiben

bis zum letzten Atemzug


©️ RKS 2026 


26.10.26

MELDUNG

 

Plötzlich die schreckliche Nachricht:

Er ist ins Wasser gegangen

Und alle befürchteten wohl

zu Recht das Schlimmste 


Als ich schließlich 

aus der Wanne stieg

identifizierte ich mich

selbst im Spiegel


©️ RKS 2026 


24.10.26

EPITAPH FÜR DIE ELTERN

 

Es kamen jene Tage,

schwankend zwischen

Sonne und Nebel,

an denen man euch einzeln

an der Hand nahm,

euch hinführte in jene 

schmerzhafte Verborgenheit. 

Seither lebt ihr in mir,

Gestirne an der dunklen Wand

meiner Seelenkammer, 

seid nicht in der Zeit, 

aber im Herzen, 

seid lebendige Erinnerung. 

Und mit euch lebt in mir 

das Gedenken, dass ihr einst

Lichter des Lebens wart,

als der kalte Hauch des Todes

mich in Dunkelheit hüllte,

und ins Schweigen drängte. 


©️ RKS 2026 


23.10.26

FINAL JOURNEY

 

Der Weg ist kaum zu sehen,

und keiner, der ihn weist. 

Du musst ihn dennoch gehen,

da du zum Hades reist. 

In ungeahnten Stufen

führt hier der Pfad hinab

für dich, der du berufen

zum Tode und zum Grab. 


Wie ähnelst du dem Laube,

das herbstlich niedersinkt. 

Auch du wirst neu zum Staube,

den Mutter Erde trinkt. 

Die Ahnen warten stille,

auch dir versiegt das Wort. 

Und war‘s auch nicht dein Wille,

ziehst schweigend du hinfort. 


©️ RKS 2026 


20.10.26

AUDI !

 

Dieses Wort 

hörst du jeden Tag,

in Lärm gehüllt war 

es dennoch nicht vernehmbar. 

Hör’ hin, hör‘ ganz genau hin,

bis du erkennst,

dass es dir neu ist, 

weil deine Taubheit

erst jetzt geheilt ist. 


©️ RKS 2026 


19.10.26

LANDSCAPE

 

Aus den Lautsümpfen 


blinken die Sprachirrlichter — 


Gedichtmeerrauschen 



©️ RKS 2026 




ÜBERALL

 

Ich trage sie

unter der Zunge,

in der Nase,

hinter den Augen, 

klebend in den Haaren,

verwirbelt in den Ohren,

auf blanker Haut

unter der Kleidung, 

und zwischen den Fingern. 


Immer sind da

Worte für ein Gedicht. 

Nur ein Gedicht ist

nicht immer da. 


©️ RKS 2026 


18.10.26

DA …

 

da war ein laut

ganz unvertraut 

ich hab‘ geschaut

mit gänsehaut 

mich kaum getraut 

zu hören

dies ungenierte röhren 

es kam dort aus den föhren 

schien niemand sonst zu stören 

mich konnt‘ es nicht betören 

war viel zu unvertraut 

es ist dann abgeflaut …


©️ RKS 2026


17.10.26

SCHATTENWURF

 

1


die skelette der bäume

strecken

ihre knochen empor


das licht künftiger

tage 

bereits jetzt antizipierend


2 


ich sinke zu deinen 

füßen

nieder schließe die augen


und warte vergnügt

träumend 

auf den frühling


©️ RKS 2026


SOMMERNACHTSTRAUM

 

Versonnen bestaune ich

deine besonnten Augen 

entdeckte darin

verbogene Balken

entstanden aus

verbogenen Wahrheiten 

und plötzlich ist

da Blau und Wasser

ich versinke in mir 

oder treibe in dir 

bis selbst die Luft

atemlos über der

irisierenden Regenbogenhaut

in allen Farben verweht


©️ RKS 2026