27.1.26

ACH, MUTTER,

 

deine matten Augen

erfassen mich kaum

nur die Stimme erkennst du

und ein leises Lächeln

stiehlt sich kurz in die

vom Alter gekerbten Züge

bevor die wieder einschläfst 


ohne Worte und Blicke

sind wir wachen Herzens

einander nah


©️ RKS 2026 


AURORA BOREALIS

 

Ein Punkt

an dem jeder Weg

in die gleiche Richtung

führt alle Farben 

weiß leuchten Stürme 

Lichter bringen Tag 

und Nacht eins 

werden aufleuchten und 

vergehen das Sein 

senkt schimmernd Magie

in unsere Seelen


©️ RKS 2026 


PÁNTA CHOREI

 

Gedanken schwirren

wie Wespen um das Nest 

Das Sein summt saugt 

Worte aus dem Meer

der Träume Wesen

kommen gehen 

Zeiten Räume Dinge 

werden vergehen

alles fließt


©️ RKS 2026 


WINTERLICHES GEDICHT

 

Ich sitze da und warte. 

Warte der Worte wegen. 

Doch es scheint umsonst,

sie kommt und kommt nicht. 

Was soll ich ohne sie schreiben? 

Dichter, so sagt man, seien

darauf angewiesen, dass 

die Muse sie küsst. 


Aufgrund der Witterung 

kommt es bundesweit

zu Verspätungen und Zugausfällen. 


Ach, deshalb!

Na, dann eben morgen. 


©️ RKS 2026 


26.1.26

ICH FÜRCHTE

 

Ich fürchte jenes Beben,

das tief in uns geschieht,

wenn fort aus unserm Leben

ein liebes Wesen zieht. 


Ertrag‘ nicht mehr die Schwere 

erneuter Abschiedsstund‘,

von wem es je auch wäre, — 

der Frau, dem Freund, dem Hund …


©️ RKS 2026 


25.1.26

TRAUMFÄNGER

 

Kräftig und glatt

das Echo der Baumseele 

noch in sich spürend


Die blauen Weiten

wogender Wasser 

vertraut wie Blätterrauschen 

Seufzen des Windes


Auf das offene Meer 

hinausgleitend 

fängt der Mast 

erzitternd Segel gebauscht 

in singenden Lüften

Sternenstaub 

aus den Träumen


©️ RKS 2026 


LIGHTHOUSE

 

Auge dreht

Kreis um Kreis

wirft Lanzen von Licht 

hinaus ins Dunkel 

den Nebel Weg

zu weisen ungezählten 

Schiffen Seelen

zu retten sie

doch nur erahnend 

Klippen daran

sonst alles zerschellt


©️ RKS 2026 


24.1.26

WUNDERLAND

 

Abtauchen

für unbestimmte Zeit 

aus dem Sein 

in den dunklen Bau

des Kyniklos 

Unter dem Deckel

der Teekanne Pochen

des eigenen Herzens

im Echo der Tektonik

erlauschen

Die Worte des Zaubers

nachsprechen lernen Realität

zu eigenen Zwecken 

modifizieren


©️ RKS 2026 


LUX IN TENEBRIS

 

Partikel durchdringen

die Schatten 

Masse krümmt Wellen

Abwesenheit schafft 

Finsternis sieht man 

nichts war 

vielleicht auch

Singularität am Werk


©️ RKS 2026 


22.1.26

GLEICHGÜLTIG

 

Das Gedächtnis des Wassers 

zählte dennoch niemals 

wie oft Nacht wurde 

über den Weiten der Ozeane


Jeder Tropfen

spürt den Mond

ziehen schieben gibt nach

und vergisst sogleich 


Myriaden von Sternen 

für die wogenden Wasser 

ungezählte Lichtpünktchen

im grenzenlosen Schwarz

nett anzusehen aber 

nichts wirklich Neues


©️ RKS 2026 


UND ICH LAUSCHE

 

An den Rändern des Seins

blühen Bitterkräuter auf

Lang schon bin ich 

zu Gast in Zeit und Traum

Will nicht blicken hinab 

in die Tiefe des Tales

Erblinden wird auch mein Auge 

mit dem Licht des Tages

Der Wald schweigt 

schwarz glänzt der See 

nur Winde wehen beständig 

über die weiten Ebenen 

von Trauer und Sein 

Und ich lausche … 


©️ RKS 2026 


21.1.26

FREMD

 

Das Ich

bröckelt und zerfällt

Spiegelungen

des Neumonds in einem 

nachtdunklen Fluss 

Tags werden 

die Nebel immer mehr

Nachts zeigt

das Dunkel ein

unbekanntes Gesicht

im blinden Spiegel

Lauschen und lauschen

aber das Echo

antwortet mit unverständlicher

Stimme in einer nicht 

vertrauten Sprache und selbst 

das eigene Schweigen 

klingt sonderbar fremd

Eine Suche ohne Ziel

Wühlen im eigenen Innen 

die Einrichtung hat wohl

ein anderer besorgt

sein Stil ist wie ich

nichtssagend


©️ RKS 2026